Consortium ercto non cito

altrömische Erbengemeinschaft From Wikipedia, the free encyclopedia

Das consortium ercto non cito ist eine Bezeichnung für die altrömische Hauserbengemeinschaft und stellt die älteste Form einer Mehrheit von Eigentümern dar. Im ius civile, dem hergebrachten römischen Bürgerrecht, tritt das Institut unter dem Begriff societas ercto non cito („ungeteiltes Eigentum“) erstmals in Erscheinung. Wertvolle juristische Kenntnisse dazu verdankt die Nachwelt dem Wiederauffinden eines Fragments der Institutionen des Klassikers Gaius.[1] Darin werden die rechtliche Debatte und die gelebte Alltagspraxis zu Zeiten der Republik veranschaulicht.[2]

Die Sprachformel ercto non cito bezieht seine Herkunft aus dem Vermögensrecht. Sie weist auf einen „ungeteilten Bestand zugunsten einer daran berechtigten Gemeinschaft“ hin.[3] Typisch war für diesen Tatbestand ein zugrundeliegendes familiäres Vertrauensverhältnis, eine Brudergemeinschaft zwischen den Hauserben, die vollumfänglich wirksam war.[4] Die Begrifflichkeiten der Communio, Oberbegriff für alle den Berechtigten gemeinsam zustehenden Sachen, der societas fratrum, Referenzpunkt ist hier die Gemeinschaft gesetzlicher Erben, und das consortium stehen gleichberechtigt für das ungeteilte Vermögen von Mitberechtigten.[5]

Wenngleich die ercto non cito ursprünglich außerhalb jeder Willensbetätigung zustande kam, wurde die Figur später – wohl aus Nützlichkeitserwägungen – auf Zusammenschlüsse ausgeweitet, die auf Willensakten beruhten. Die Eigentümer der daraus entstandenen consortia waren gesamthänderisch an Rechte und Pflichten gebunden, konnten im Rahmen ihres Verhinderungsrechts, dem ius prohibendi, über gemeinsame Sachen aber sowohl verfügen als auch Sachen mit Wirkung für alle erwerben. Fälle der Ausübung von Einsprüchen sind hingegen nicht überliefert.[6]

Das im Ausgang auf Unteilbarkeit der Gütergemeinschaft angelegte consortium ercto non cito wurde mit der Statuierung des Zwölftafelgesetzes augenscheinlich bereits gelockert, denn mit der Teilungsklage (actio familiae erciscundae) – real durch die legis actio per iudicis arbitrive postulationem umgesetzt – war die Aufhebung von Erbengemeinschaften zugelassen. Ob auch außergerichtliche Rechtsbehelfe in Anspruch genommen werden konnten, muss offen bleiben, denn Quellen tun sich dazu nicht auf.[7]

Mit Ausgang der Republik im 1. Jahrhundert v. Chr., verschwand das consortium ercto non cito als eigenständige Rechtsfigur, denn die Entwicklungen im römischen Recht hatten dazu geführt, dass man Vorteile in der Behandlung gemeinsamen Eigentums als Bruchteilseigentum erkannte. Der Begriff des Bruchteilseigentums wurde in den Quellen für die communio pro indivisio formal nur noch nicht verwendet. In der Kaiserzeit diente die Rechtsfigur der Gesamthand nur noch Abgrenzungszwecken. So kann Gaius elegant zwischen der societas fratrum als „Gesellschaft alten Zuschnitts“ und der societas, als „konsensuale Gemeinschaft der Gesellschafter“ generisch unterscheiden.[8]

Der Übergang vom Formularprozess zum Kognitionsverfahren brachte es mit sich, dass auch die Regelungen der actio communi dividundo, die im Innenverhältnis von Gemeinschaften Abrechnungsmodalitäten zuließ, modifiziert – erweitert – angewandt werden konnten. So musste eine Miteigentümergemeinschaft (dominium) nicht mehr aufgehoben werden, damit die Abrechnung aus den Quoten vonstattengehen konnte.[9]

Literatur

  • Franz-Stefan Meissel: Societas. Struktur und Typenvielfalt des römischen Gesellschaftsvertrages. (= Wiener Studien zu Geschichte, Recht und Gesellschaft. Wiener Studien in Geschichte, Recht und Gesellschaft, Band 3). Peter Lang (Internationaler Verlag der Wissenschaften) 2004. ISBN 978-3-631-51749-9.

Anmerkungen

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