Constanze Hallgarten
deutsche Pazifistin und Frauenrechtlerin
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Constanze Hallgarten (* 12. September 1881 in Leipzig; † 25. September 1969 in München) war als Frauenrechtlerin und Pazifistin eine der führenden Frauen der deutschen Friedensbewegung. Sie warnte früh vor den Gefahren des Nationalsozialismus und stand bereits beim Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 auf einer „schwarzen Liste“ der Nationalsozialisten.
Leben
Constanze, Tochter der Malerin Philippine Wolff-Arndt und ihres Ehemanns Anton, heiratete im März 1900 in Leipzig den privatisierenden Germanisten und Juristen Robert Hallgarten (1870–1924). Aus der Ehe gingen der Historiker Wolfgang (1901–1975)[1][1.1] und der Maler Richard „Ricki“ Hallgarten (* 1905) hervor. Er war eng mit Klaus und Erika Mann befreundet und beging am 5. Mai 1932 Suizid.[1.2]
Im Jahr 1912 begleitete sie ihre Mutter, die bereits längere Zeit in der Frauenbewegung engagiert war, zum Stimmrechtskongress in Budapest. Dort hatte sie die Gelegenheit, Aktivistinnen wie Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zu treffen. Ein Jahr später übernahm Hallgarten die Leitung der Münchner Ortsgruppe des Bayerischen Vereins für Frauenstimmrecht.[2]
Ab 1919 war Constanze Hallgarten Leiterin der Münchener Gruppe der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“[1.3], weiter engagierte sie sich intensiv im Völkerbund. 1921 hörte sie Adolf Hitler zum ersten Mal und war empfindlich empört.[1.4] Im November 1924 starb ihr Mann, wenige Tage nach einer Tumoroperation.
Sie engagierte sich in der deutschen Frauenbewegung, sie war Mitglied im Vorstand der Münchner Gruppe der „Deutschen Friedensbewegung“ und Vorstandsmitglied der Münchner Gruppe „Deutschen Liga für Völkerbund“, hier war sie die einzige Frau.[1.5][2] Hallgarten war außerdem 1931 eine der Begründerinnen der deutschen Sektion der „Weltliga der Mütter und Erzieherinnen“[2] und veranstaltete am 13. Januar 1932 eine Friedenskundgebung in München, vor etwa 1500 Frauen und Männern sprach unter anderem auch die französischen Pazifistin Marcelle Capy auch Erika Mann als Rednerin auftrat. Die Männer hatten nur mit Eintrittskarten, die mit ihren Namen versehen waren, Zutritt.[1.6] Ein Trupp von 30 Nationalsozialisten versuchten den Saal zu stürmen, wurden aber von einem starken Polizeiaufgebot in die Flucht geschlagen. Über Wochen zeigte sich der Unmut der völkischen Zeitschriften und Zeitungen gegenüber dem Treffen, im Fokus stand Hallgarten.[1.7]
Hallgarten und Mann reichten eine Klage gegen das NS-Presseorgan Die Front ein, die die Konferenz-Teilnehmerinnen unter anderem als „Zuhälterinnen der jüdischen Sklavenhalter“ betitelte.[3] Hallgarten gewann den Prozess und bekam die Höchststrafe von 1500 Reichsmark zugesprochen, das Urteil erregte deutschlandweit Aufmerksamkeit.[1.8]
Am 14. März 1933 emigrierte sie über Zürich nach Frankreich, ihr Sohn Wolfgang hatte sie dazu gedrängt.[1.9] Bereits einen Tag später durchsuchten Kriminalbeamte ihre Räume und teilten ihm mit, dass die Verbände seiner Mutter allesamt aufgelöst wurden. Er brachte seine 84-jährige Großmutter nach Versailles, wo seine Mutter nun wohnte. Kurz darauf verließ auch er Deutschland.[1.10] Ihr Vermögen in München wurde beschlagnahmt, den Drei blieb schließlich nur noch eine wertvolle Geige, die sie für ein par tausend Mark verkaufen konnten. Anfang 1936 wurde der viel Geld verschlingende Haushalt in Versailles aufgelöst. Constanze Hallgarten zog mit ihrer Mutter in die Schweiz.[1.11] Sie verließen das Land allerdings wieder, um in ein Pariser Hotel zu ziehen. 1938 besuchte Wolfgang, der mittlerweile in Kalifornien lebte, in Paris. Gemeinsam fuhren Mutter und Sohn nach Zürich, zum 8. Zusammentreffen der „Historiker der Welt“.[1.12]
Eine Verhaftungswelle überzog Frankreich und auch Hallgarten sollte festgenommen werden, ihr Sohn und Freunde waren in großer Sorge. Doch die französischen Beamten, die für die Verhaftungen zuständig waren, hatten Mitleid mit der 90-jährige Frau die im Sterben lag, sie „vergaßen“ Hallgarten also zunächst.[1.13] Am 4. Juni 1940 starb ihre Mutter.[1.14] In den folgenden Monaten war sie immer wieder von Angst vor Entdeckung, Hunger und Armut geplagt. Im Januar 1941 schaffte sie von Paris aus nach Marseille zu reisen, das zu der Zeit unbesetzt war. Dort litt sich weiterhin unter Hunger und wurde schwer krank, ungeduldig wartete sie auf die nötigen Papiere zur Ausreise. Am 22. November 1941 kam Hallgarten bei ihrem Sohn, der sich mittlerweile George Wolfgang Felix Hallgarten nannte, in San Francisco an.[1.14]
1949 besuchte sie mit ihrem Sohn München, der dorthin für eine Gastvorlesung eingeladen wurde. Anschließend kehrten sie wieder in die USA zurück. Ihren Lebensabend wollte sie in Deutschland verbringen, so zog sie 1955[2] in die Nähe von München, der Verkauf eines Hauses erleichterte ihr das Auskommen. Ebenfalls in dem Jahr wurde die „Internationale Frauenliege für den Frieden und Freiheit“ wieder begründet.[1.15]
Constanze Hallgarten starb mit 88 Jahren am 25. September 1969 in München.
Ehrungen
Im Münchner Stadtteil Obersendling wurde 2017 die Constanze-Hallgarten-Straße nach ihr benannt.[4]
Siehe auch
Autobiografie
- Als Pazifistin in Deutschland : Biographische Skizze. Stuttgart : Conseil, 1956 (Niederschrift 1940)
Literatur
- Detlef Garz, Anja Knuth: Constanze Hallgarten: Porträt einer Pazifistin. Hamburg:Kovac, 2004, ISBN 3-8300-1619-0.
- Martha Schad: Frauen gegen Hitler. Schicksale im Nationalsozialismus. Heyne Verlag, München 2001, ISBN 3-453-19420-9, besonders S. 31–35.
- Sybille Krafft: Zwischen den Fronten. Münchner Frauen in Krieg und Frieden 1900-1950. Buchendorfer, 2001, ISBN 3-927984-37-X.
Weblinks
- Literatur von und über Constanze Hallgarten im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Constanze Hallgarten. In: FemBio. Frauen-Biographieforschung (mit Literaturangaben und Zitaten).
- IFFF - Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit
- Historisches Lexikon Bayern: Frauenfriedensbewegung