Copy Shop
Film von Virgil Widrich (2001)
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Copy Shop ist ein österreichischer Kurzfilm von Virgil Widrich aus dem Jahr 2001. Der zwölfminütige, schwarz-weiße Film besteht aus rund 18 000 fotokopierten Einzelbildern und wurde vollständig ohne Dialoge realisiert. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich so lange vervielfältigt, bis die Welt nur noch aus Kopien seiner selbst besteht.
| Film | |
| Titel | Copy Shop |
|---|---|
| Produktionsland | Österreich |
| Originalsprache | ohne Dialog |
| Erscheinungsjahr | 2001 |
| Länge | 12 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Virgil Widrich |
| Drehbuch | Virgil Widrich |
| Produktion | Virgil Widrich |
| Musik | Alexander Zlamal |
| Kamera | Martin Putz |
| Schnitt | Virgil Widrich |
| Besetzung | |
| |

Copy Shop wurde weltweit auf mehr als 750 Festivals gezeigt, gewann 43 internationale Preise und war 2002 für einen Oscar sowie für den Europäischen Filmpreis nominiert.
Handlung
Alfred Kager erwacht, wäscht sich und geht in den Copyshop, in dem er arbeitet. Aus Versehen kopiert er seine Hand. Der Kopierer beginnt, immer neue Kopien von Szenen seines Morgens anzufertigen, bis der Protagonist entsetzt den Stecker zieht. Am nächsten Tag erwacht er erneut – und hört, wie im Bad der Wecker klingelt. Sein zweites Ich ist erwacht. Alfred flieht, begegnet weiteren Doppelgängern und erkennt, dass sich die Realität in unendlich vielen Kopien seiner selbst auflöst. Schließlich rennt er mit den Tonerkartuschen im Arm davon, wird von seinen Abbildern gejagt und stürzt sich von einem Schornstein. Beim Aufprall klingt es, als ob Papier zerreißen würde.
Produktion und Konzept
Copy Shop wurde in Wien produziert und 2000/2001 fertiggestellt. Die Szenen wurden zunächst digital auf Video gedreht, danach wurden alle Einzelbilder am Computer bearbeitet, auf einem Schwarzweiß-Laserdrucker ausgedruckt und schließlich mit einer 35-mm-Trickfilmkamera wieder abgefilmt. So entstand ein analog-digitales Hybridverfahren, bei dem das Prinzip der Vervielfältigung – das Kopieren selbst – zum Thema wird.
Die Produktion erfolgte durch die Virgil Widrich Film- und Multimediaproduktions G.m.b.H. in Wien, gefördert vom Bundeskanzleramt (Kunstsektion), dem Land Salzburg, der Stadt Wien und dem ORF. Die Filmbauten stammen von Joachim Luetke, die Kamera führte Martin Putz, Musik und Sounddesign komponierte Alexander Zlamal.
In seinem begleitenden Essay Identität im Kino beschreibt Widrich den Film als „Experiment über die Auflösung des filmischen Subjekts im Prozess der Reproduktion“ und als „Reflexion über das Kino als Kopiermaschine“.[1]
Veröffentlichung und Festivalgeschichte
Seine Premiere feierte Copy Shop 2001 beim International Film Festival Rotterdam. In den folgenden Jahren wurde er auf über 750 Festivals weltweit gezeigt, darunter:
- das Festival du Court-Métrage de Clermont-Ferrand
- das Krakowski Festiwal Filmowy
- das Filmfestival Karlovy Vary
- das Filmfest Dresden
- das Palm Springs International Film Festival
- das Uppsala International Short Film Festival
- das Monstra (Lissabon)
- und das Museum of Modern Art in New York.
Auch über zwanzig Jahre nach der Erstaufführung wird der Film regelmäßig in Retrospektiven und Ausstellungen gezeigt.[2]
Rezeption
Der Film erhielt international herausragende Kritiken.
- Die Washington Post schrieb: „Smart, well acted, at times mind-blowing to look at, ‘Copy Shop’ uses and comments on contemporary technology so lyrically that it recalls the most poetic films of the silent era.“[3]
- Der Guardian bezeichnete den Film als „a dazzling nightmare“ und „the single most startling new discovery of the first few days“ beim Festival in Rotterdam.[4]
- Die New York Daily News beschrieb ihn als „Kafkaesque fantasy about a lonely guy who photocopies his hand one day at work and soon starts finding replicas of himself everywhere“.[5]
- Das Museum of Modern Art in New York nannte die Aufführung 2001 „a tremendous hit. The audience was overwhelmed.“[6]
- Deutsche Kritiken sprachen von einem „innovativen Werk“ (Kurier), „Witz und Besessenheit in einer Viertelstunde des virtuosen Wahnsinns“ (Salzburger Nachrichten) und einer „skurrilen Endlosschleife, die sich anschickt, die Welt zu verschlingen“ (Blimp).[7]
Auszeichnungen
Copy Shop gewann 43 internationale Filmpreise, darunter:
- Preis für die beste Filmmusik – Festival du Court-Métrage de Clermont-Ferrand
- Cracow Students Jury Award – Krakowski Festiwal Filmowy
- Goldene Ähre für den besten Kurzfilm – Semana Internacional de Cine de Valladolid
- Bester Kurzfilm – Aspen Shortsfest
- Preis der Jury – Palm Springs International ShortFest
- Bester Experimentalfilm – Reale Film Festival, Mailand (2022)
- Zahlreiche Jury- und Publikumspreise in Europa, Asien und Nordamerika
2002 war der Film für den Oscar in der Kategorie Bester Kurzfilm sowie für den Europäischen Filmpreis nominiert.