Cora Vaucaire
französische Chansonsängerin
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Cora Vaucaire (* 22. Juli 1918 in Marseille als Geneviève Collin; † 17. September 2011 in Paris) war eine französische Chansonsängerin.

Leben
Cora Vaucaire wurde 1918 als Geneviève Collin als Tochter eines bretonischen Marineoffiziers in Marseille geboren. Mit 16 Jahren begann sie zunächst eine Laufbahn als Theaterschauspielerin.[1] Einige Zeit studierte sie an einem Theaterkonservatorium.[2] Später wechselte sie ins Musikfach, gewann einige Chansonwettbewerbe und trat ab 1945 nach der Befreiung Frankreichs in der Pariser Kabarettszene auf,[1] namentlich auf der Rive Gauche in den legendären Etablissements Échelle de Jacob, Écluse und Arlequin. Sie wurde „la dame blanche de Saint-Germain-des-Prés“, die weiße Dame von Saint-Germain-des-Prés, genannt und war eine herausragende Interpretin des typischen künstlerisch-intellektuellen Chanson-Stils der Rive Gauche.[3] Ab 1945 hatte sie auch Auftritte im Rundfunk.[2]
Ab den 1950er Jahren wurde sie als Chansonsängerin landesweit bekannt. Sie interpretierte unter anderem Texte von Jacques Prévert und Louis Aragon. Als Erste nahm sie Joseph Kosmas Vertonung von Préverts Gedicht Les Feuilles mortes auf. Für das Kino sang sie La Complainte de la Butte in French Can Can (1955) und Trois petites notes de musique in Noch nach Jahr und Tag (1960).[1] Zu ihrem Repertoire gehörten ferner Le Temps des cerises, Parlez-moi d'amour und Le Tourbillon.[3] Neben Vertonungen von Dichtern und Liedern anderer Chansonniers interpretierte Vaucaire auch Lieder aus der Belle Époque und überliefertes Liedgut aus dem Mittelalter.[2] Sie half, unter anderem die Chansonniers und Liedtexter Barbara, Léo Ferré und Raymond Lévesque bekannt zu machen.[1]
In den 1960er und 1970er Jahren füllte Vaucaire mit ihren Konzerten bereits größere Theater.[1] 1973 gastierte sie einen Monat lang im Bobino.[2] Auch begab sie sich auf Auslandstourneen, unter anderem nach Albanien und Japan, wo sie ebenfalls zu einer bekannten Sängerin wurde.
In den 1990er Jahren gab sie noch einzelne, aber viel beachtete Konzerte im Olympia (1991), dem Théâtre Déjazet (1992) und dem Théâtre des Bouffes du Nord (1999).[1] Auftritte in kleinen Kabarettsälen zog sie allerdings den großen Konzerthallen stets vor.[4]
Zeitweise leitete sie ein eigenes Kabaratttheater mit Liederabenden „à la carte“, dem aber keine langfristige Existenz beschieden war.[3]
Vaucaire war mit dem französischen Liedtexter Michel Vaucaire (1904–1980) verheiratet,[1] der für sie das Lied Frédé dichtete.[3] Sie erkrankte an Osteoporose[5] und starb am 17. September 2011[2] im Alter von 93 Jahren in Paris an einem Schwächeanfall. Der damalige Premierminister Frankreichs, François Fillon, würdigte sie als „eine der größten Interpretinnen des französischen Musikerbes des 20. Jahrhunderts“. Er beschrieb sie als eine „zarte Frau, deren Gestalt ebenso zerbrechlich war, wie ihre Stimme stark, klar und subtil war.“[1] Der damalige Kulturminister Frédéric Mitterrand betonte, dass Vaucaire „die letzte Vertreterin einer Epoche des französischen Chansons [war], die mit ihr verschwindet“.[6] Juliette Gréco nannte Vaucaire in einem Interview „eine außergewöhnliche Intepretin“ und „ein Vorbild für uns alle“.[7]
Auszeichnungen
Cora Vaucaire wurde 1998 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.[2] Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie zudem drei Auszeichnungen der Akademie Charles Cros.[1]
Diskografie
Alben
- Cora Vaucaire avec Philippe-Gérard et son ensemble (1955)
- Chansons pour ma mélancolie (1956)
- Cora Vaucaire (1964)
- Chansons et poèmes de Prévert Vol. 1 (1965)
- Chansons et poèmes de Prévert Vol. 2 (1968)
- Comme au théatre (1969)
- Enregistrement public au Théâtre de la Ville (1973)
- Plaisir d'amour (1973)
- Cora Vaucaire (1976)
- Au Japon… (1981)
- Récital – Enregistrement public à Sogetsu-Hall (1986)
- Cora Vaucaire 97 (1997)
- Cora Vaucaire aux Bouffes du Nord (1999)
Weblinks
- Cora Vaucaire bei Discogs
- Cora Vaucaire bei IMDb
- Cora Vaucaire in der Datenbank Find a Grave