Corkit
Mineral aus der Alunit-Obergruppe
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Corkit (IMA-Symbol Cok[2]) ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung PbFe3+3[(OH)6|SO4|PO4][3] und damit chemisch gesehen ein Blei-Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Sulfat- und Hydroxidionen.
| Corkit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1987 s.p.[1] |
| IMA-Symbol |
Cok[2] |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VI/B.03b VII/B.35-080[4] 8.BL.05 43.04.01.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | trigonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditrigonal-pyramidal; 3m[5] |
| Raumgruppe | R3m (Nr. 160)[3] |
| Gitterparameter | a = 7,28 Å; c = 16,82 Å[3] |
| Formeleinheiten | Z = 3[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3,5 bis 4,5[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 4,295; berechnet: 4,31[6] |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}[6] |
| Bruch; Tenazität | spröde[7] |
| Farbe | braun bis hellgelblichbraun, blassgelb, gelblichgrün bis dunkelgrün[6] |
| Strichfarbe | graugelb[4] |
| Transparenz | durchsichtig[6] bis durchscheinend[7] |
| Glanz | Glasglanz, Harzglanz[6] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 1,93[7] nε = 1,93[7] |
| Brechungsindex | n = 1,93 bis 1,96[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,03[7] |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
Corkit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt pseudokubische, rhomboedrische Kristalle bis etwa zwei Millimeter Größe mit einem harz- bis glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das durchsichtige bis durchscheinende Mineral kann je nach Art und Menge von Fremdbeimengungen eine braune bis hellgelblichbraune, blassgelbe oder gelblichgrüne bis dunkelgrüne Farbe annehmen.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Corkit in Mineralproben aus der ehemaligen Kupfer-, Mangan- und Eisenerz-Grube Glandore (auch Glendore oder Aghatubrid) in der Grafschaft County Cork im Süden Irlands. Die Erstbeschreibung erfolgte 1869 durch Gilbert-Joseph Adam (1795–1881),[8] der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[9]
Corkit war bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Corkit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1987 erfolgten Publikation von G. Giuseppe und C. Tadini wurde allerdings die Kristallstruktur und die Anordnung der tetraedrischen Kationen neu bestimmt und definiert.[10] Der in dieser Form neu definierte Corkit wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1987 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Corkit zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Beudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Kemmlitzit, Svanbergit, Weilerit und Woodhouseit in der „Woodhouseit-Reihe“ mit der Systemnummer VI/B.03b stand.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.35-080. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Corkit zusammen mit Beudantit, Gallobeudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Kemmlitzit, Schlossmacherit, Svanbergit und Woodhouseit die „Beudantitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.35 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Corkit ebenfalls in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 3 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Beudantit, Gallobeudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Kemmlitzit, Orpheit, Svanbergit, Weilerit und Woodhouseit die „Beudantitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BL.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Corkit die System- und Mineralnummer 43.04.01.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Phosphate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Phosphate etc., (Wasserfreie zusammengesetzte Anionen mit Hydroxyl oder Halogen)“ in der „Beudantitgruppe“, in der auch Beudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Svanbergit, Kemmlitzit, Woodhouseit, Weilerit und Gallobeudantit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Corkit kristallisiert in der trigonalen Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 160) mit den Gitterparametern a = 7,28 Å und c = 16,82 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Bildung und Fundorte
Corkit bildet sich sekundär bei niedrigen Temperaturen oder durch Verwitterung in oxidierten hydrothermalen Unedelmetall-Lagerstätten. Als Begleitminerale können unter anderem Pyromorphit, Malachit, Plumbojarosit und Quarz sowie das eisen- und wasserhaltige Mineralgemenge Limonit auftreten.[6]
Als eher seltene Mineralbildung kann Corkit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 200 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[12] Seine Typlokalität, die Grube Glandore im County Cork, ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Irland.
Bekannte Fundorte in Deutschland sind unter anderem die Gruben Clara bei Oberwolfach und Anton im Landkreis Wolfach Baden-Württemberg, im Diorit-Steinbruch Steinerleinbach (Markt Röhrnbach) und im Granit-Steinbruch Götzer (Gemeinde Sonnen) in Bayern, in verschiedenen Gruben bei Kransberg, Altweilnau und Ober-Mörlen (Bezirk Darmstadt) sowie Eisenbach (Taunus) und Langhecke (Bezirk Gießen) in Hessen; das Odertaler Revier bei Braunlage und die Grube Glücksrad bei Oberschulenberg in Niedersachsen; die Gruben Wilder Mann, Brüderbund und ehemals Alexander (heute Naturschutzgebiet) sowie weitere im Bezirk Arnsberg, der Kalksteinbruch Rohdenhaus und die Grube Ferdinande bei Flandersbach im Bezirk Düsseldorf sowie mehrere Gruben im Bezirk Köln (Aurora, Castor, Westschacht) in Nordrhein-Westfalen; einige Gruben im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) und in der Eifel in Rheinland-Pfalz; das Kupferbergwerk Düppenweiler und die Grube Velsen im Saarland; die Halden der Grube Rinderschächte bei Straßberg (Harzgerode) in Sachsen-Anhalt; wenige Gruben im Erzgebirgskreis und Mittelsachsen sowie der Granit-Pegmatit-Steinbruch Henneberg bei Weitisberga in Thüringen.
In Österreich fand sich Corkit unter anderem in einem Basalt-Steinbruch am Pauliberg im Burgenland, in verschiedenen Stollen bei Schwall (Gemeinde Friesach), Ratteingraben, Mölbling, Siflitz (Gemeinde Kleblach-Lind) und am „Kleinelend Gletscher“ (Kleinelend-Tal) bei Malta in Kärnten; am Arzberg (Geras) und bei Königsberg (Gemeinde Aspangberg-St. Peter) in Niederösterreich; am Radhausberg nahe Bad Gastein und in der Goldmine Stüblbau bei Schellgaden (Gemeinde Muhr) in Salzburg; in den Gruben am Arzberg am Semmering im Fröschnitztal nahe Steinhaus am Semmering und am Prinzkogel bei Rettenegg in der Steiermark sowie am Langsee in der Gemeinde Silbertal in Vorarlberg.
Die bisher einzigen Fundstätten in der Schweiz sind die Termino Mine (Le Termenno Mine) und die Obere Collioux Mine in Saint-Luc VS im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Burkina Faso, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Namibia, Portugal, Russland, Sambia, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tunesien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales) und den Vereinigten Staaten (Arizona, Colorado, Kalifornien, Michigan, Montana, Nevada, New Mexico, Pennsylvania, Utah).[13]
- gelbe, igelförmige Corkit-Kristallgruppe aus der Grube Schöne Aussicht bei Dernbach, Rheinland-Pfalz (Sichtfeld 0,5 mm)
- bräunlich durchscheinender Corkit aus der Serra da Mina Mine bei Cercal do Alentejo, Portugal (Sichtfeld 2,1 mm)
- pseudokubischer Corkit auf Natrodufrénit aus der Mina La Paloma, Zarza la Mayor, Spanien (Sichtfeld 1,6 mm)
- Stufe mit Corkit (hellgrün) und Tsumebit (dunkelgrün) aus dem Tagebau Block 14 bei Broken Hill, Australien (Größe: 37 mm × 27 mm × 23 mm)
- Mehrfachparagenese mit Corkit (gelb), Hämatit (rot) und Quarz aus dem Stollen Sunshine Nr. 3 bei Bingham, Socorro County (New Mexico), USA (Sichtfeld 0,8 mm)
Siehe auch
Literatur
- G. J. Adam: Tableau Minéralogique. Corkite. In: Annales des Mines. Band 15, 1869, S. 552–553 (französisch, Digitalisat bei rruff.info ( vom 24. Juni 2024 im Internet Archive) [PDF; 418 kB; abgerufen am 18. Januar 2026]).
- G. Giuseppe, C. Tadini: Corkite, PbFe3(SO4)(PO4)(OH)6, its crystal structure and ordered arrangement of the tetrahedral cations. In: Neues Jahrbuch fur Mineralogie, Monatshefte. 1987, S. 71–81 (englisch).
- John Leslie Jambor: Nomenclature of the alunite supergroup. In: The Canadian Mineralogist. Band 37, 1999, S. 1323–1341 (englisch, rruff.net [PDF; 1,8 MB; abgerufen am 21. Januar 2026]).
Weblinks
- Corkit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Corkite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Corkite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Corkite. In: rruff.net. (englisch).
