Cornelius Freundt
deutscher Kantor, Komponist und Notenkopist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Cornelius Freundt stammte aus Plauen, wie ein Eintrag im Zwickauer Bürgerbuch belegt.[1.1] Über seine erste Lebenshälfte bis 1565 ist ansonsten wenig bekannt. Ein Aufführungsvermerk in einer Notenhandschrift Freundts von 1570 deutet darauf hin, dass er die Lateinschule in St. Joachimsthal (Böhmen) besucht haben könnte, dort war möglicherweise der Kantor Nikolaus Herman sein erster Lehrmeister.[2.1] Spekulationen, Freundt habe in Wittenberg studiert,[3] konnten nicht erhärtet werden;[2.2] für die von ihm später ausgeübten Tätigkeiten als Lehrer und Kantor war seinerzeit ein Studium auch keine Voraussetzung.[2.3] Ab 1556 ist Freundt als Baccalaureus (Lehrer der untersten Klasse) der Lateinschule in Borna nachweisbar, bis 1559 war er dort zum Tertius und Kantor aufgestiegen.[2.3] 1564 heiratete Freundt in Borna Agnes Ortel.[1.2] 1565 wurde Cornelius Freundt als Nachfolger von David Köler zum Oberkantor an St. Marien in Zwickau berufen. Zudem arbeitete er als Lehrer in der Ratsschule in Zwickau.
Freundts überliefertes kompositorisches Schaffen beschränkt sich auf wenige geistliche Kompositionen, besonders in seinem Weihnachtsliederbuch. Bedeutend ist er hauptsächlich als Sammler und Notenkopist musikalischer Werke des 16. Jahrhunderts: mit rund 70 Notenhandschriften von seiner Hand ist er einer der meistüberlieferten mitteldeutschen Notenschreiber seiner Zeit.[2.4] Darüber hinaus hatte Freundt ein großes Interesse an Astronomie, Astrologie und Alchemie. So enthält sein Handexemplar von Georg von Peuerbachs Theoricae novae planetarum zahlreiche Notizen zur Planetenbeobachtung.[2.5] Eine Vertonung des 12. Psalms widmete Freundt dem Mathematiker und Astronomen John Dee.[2.6] Auch mit dem Alchemisten Julius Sperber stand Freundt wohl in Verbindung, da er zu dessen Hochzeit ein (verschollenes) Epithalamium komponierte.[2.7]
Nach Cornelius Freundts Tod wurden dessen Witwe Agnes († 1599)[1.3] sowie die unverheiratet gebliebene Tochter Agnes (1564–1602) vom Rat der Stadt als Lehrerinnen an der Zwickauer Mädchenschule beschäftigt und somit versorgt.[2.8]
Kompositionen
- Ein Kindlein klein zu Bethlehem
- Freu dich, Sion
- Freu dich, Zion, und jubilier
- Geboren ist uns der heilige Christ
- Ihr Himmel, preist und lobet Gott
- Vom Himmelsthron kommt Gottes Sohn
- Wie schön singt uns der Engel Schar
Ausgaben
- Das Weihnachtsliederbuch des Zwickauer Cantors Cornelius Freundt, hrsg. v. Georg Göhler (1897)
- Neuausg. als Weihnachtsliederbuch von Cornelius Freundt, hrsg. v. Konrad Ameln (1950)
- Weihnachtsliederbuch des Cornelius Freundt: Auswahl. Zwölf Sätze für gemischten Chor, Bärenreiter, 1976
Literatur
- Reinhard Vollhardt: Bibliographie der Musikwerke in der Ratsschulbibliothek zu Zwickau. In: Beilage zu den Monatsheften für Musikgeschichte. 25–28, 1893–1896, S. 30–32; archive.org.
- Georg Göhler: Cornelius Freundt. Ein Beitrag zur Geschichte der evangelischen Kirchenmusik, insbesondere der sächsischen Kantoreien in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Zwickau 1896; urn:nbn:de:bsz:14-db-id394326601-189600003, Digitalisat in der Google-Buchsuche (Zugleich: Dissertation Universität Leipzig 1896). Reprint: Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach 1993, ISBN 3-89349-332-8 (Mikrofiche-Ausgabe).
- Wilfried Brennecke: Zwei Beiträge zum mehrstimmigen Weihnachtslied des 16. Jahrhunderts: I. Psallite – Singt und klingt. In: Die Musikforschung. 5. Jahrgang, Heft 2/3, 1952, S. 160–171; JSTOR:23805026.
- Wilfried Brennecke: Zwei Beiträge zum mehrstimmigen Weihnachtslied des 16. Jahrhunderts: II. Das Weihnachtsliederbuch des Cornelius Freundt. In: Die Musikforschung. 6. Jahrgang, Heft 4, 1953, S. 313–319; JSTOR:41113082.
- Lothar Hoffmann-Erbrecht: Freundt, Cornelius. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 414 (deutsche-biographie.de).
- Wolfram Steude: Untersuchungen zur mitteldeutschen Musiküberlieferung und Musikpflege im 16. Jahrhundert. Edition Peters, Leipzig 1978, OCLC 759924600, S. 113–116.
- Friedrich Wilhelm Bautz: Freundt (Bonamicus), Cornelius. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 120.
- Wilfried Brennecke, SL: Freund, Cornelius. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 7 (Franco – Gretry). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2002, ISBN 3-7618-1117-9, Sp. 93–95 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
- Gregor Hermann: Die mehrstimmigen Musikhandschriften des 15. bis 17. Jahrhunderts der Ratsschulbibliothek Zwickau (= Dresdner Schriften zur Musik. 18). Tectum, Baden-Baden 2023, ISBN 978-3-8288-4836-8, e-ISBN 978-3-8288-7954-6, S. 99–128; doi:10.5771/9783828879546-251.