Cowan Bridge School
britisches Mädchenpensionat
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Die Cowan Bridge School war ein britisches Mädchenpensionat, das überwiegend Töchter von Pfarrersfamilien aufnahm und ihnen dort eine Ausbildung angediehen ließ, die sie befähigen sollte, gegebenenfalls den Beruf einer Gouvernante zu ergreifen. Die Schule wurde in den 1820er Jahren gegründet.



Die Schule befand sich zunächst in dem Dorf Cowan Bridge im englischen Landkreis Lancashire. Sie wurde von den vier älteren Brontë-Schwestern Maria, Elizabeth, Charlotte und Emily besucht. Nur die jüngste Schwester Anne war keine Schülerin der Schule. Die Schule gilt als das Vorbild der Lowood School, die Charlotte Brontë in ihrem Roman Jane Eyre beschrieb. Die beiden ältesten Brontë-Schwestern, Maria und Elizabeth starben an Tuberkulose, kurz nachdem an der Schule diese Krankheit ausgebrochen war. In den 1830er Jahren wurde die Schule ein paar Meilen weiter neu gegründet und dort mit der lokalen Mädchenschule verschmolzen.
Schulbedingungen
Die Cowan Bridge School zwang Kinder, die aus Wohltätigkeit an der Schule aufgenommen wurden, eine Uniform zu tragen. Dies war für die Brontë-Schwestern, die zu den jüngsten Pensionatsschülerinnen zählten, besonders demütigend. Insbesondere Charlotte Brontë wurde gehänselt, da sie aufgrund ihrer Kurzsichtigkeit die Nase dicht an das Papier halten musste, um lesen oder schreiben zu können.
Schülerinnen teilten sich je zu zweit ein Bett. Zum Waschen stand ihnen nur kaltes Wasser zur Verfügung, das sie jeweils zu sechst teilen mussten. Da die Räume kaum geheizt wurden, war das Wasser morgens häufig überfroren. Vor dem Frühstück wurde für anderthalb Stunden gebetet, bevor ein häufig angebrannter Haferbrei serviert wurde.[1] Die Schulstunden begannen um halb zehn und endeten für eine kurze Pause zu Mittag. Am Nachmittag wurden die Schulstunden bis 17 Uhr fortgesetzt. Es gab dann in der halbstündigen Pause eine halbe Scheibe Brot sowie eine Tasse Kaffee. Danach wurde der Unterricht fortgesetzt. Der Tag endete mit einem Glas Wasser, einem Haferkeks und dem Abendgebet.
Zu den Strafen gehörte der Entzug von Mahlzeiten und den knappen Freizeiten, körperliche Züchtigung und Demütigungen wie stundenlanges Sitzen auf einem Stuhl, bei dem die Kinder eine Narrenkappe tragen mussten.[2]
Sonntage bedeuteten keine Pause von dem rigorosen Erziehungsstil an dieser Schule. Bei jedem Wetter mussten die Mädchen rund drei Kilometer durch offenes Gelände gehen, um an der ersten Messe ihrer Pfarrkirche teilzunehmen. Nach der Messe erhielten sie Brot, bevor sie am Nachmittagsgottesdienst teilnahmen. Der lange Weg zur Kirche erlaubte nicht, dass sie zwischenzeitlich zu ihrer Schule zurückkehrten. In ihrem Pensionat erhielten sie abends eine Scheibe Brot, die mit Butter bestrichen war. Der Sonntag endete mit Rezitieren aus dem Katechismus, dem Aufsagen von Bibelstellen und dem Anhören einer Predigt, deren Thema häufig genug die Verdammung war. Reverend William Carus Wilson, der die Schule leitete, war als Calvinist davon überzeugt, dass die meisten Seelen die Verdammung erwartete.[3]
Hintergrund der Schule

In Großbritannien galten Mädchenpensionate als zweitklassige Erziehung. Gutbürgerliche Töchter wurden zu Hause von einer Gouvernante erzogen. Lange Zeit bestand die Ausbildung von Gouvernanten allein darin, dass sie selbst aus einer gutbürgerlichen Familie stammten und dort eine standesgemäße Erziehung genossen hatten. Von ihnen wurde erwartet, dass sie eine oder mehrere moderne Fremdsprachen sprachen, ein Musikinstrument spielten und zeichnen konnten sowie über oberflächliche Kenntnisse in Gebieten wie beispielsweise Botanik oder Erdkunde verfügten. Dass Gouvernanten auf diese Weise bestenfalls eine Halbbildung erwarben und auch nicht mehr weitergeben konnten, wurde akzeptiert.[4] Ein berufsvorbereitende Ausbildung wurde dagegen von Zeitgenossen kritisch gesehen, da sie der Fiktion widersprach, dass die Erziehung der Töchter einfach durch eine Frau gleichen sozialen Standes erfolgte. Einige Kommentatoren warnten sogar davor, dass entsprechende Ausbildungsstätten es Frauen der unteren Mittelschicht ermöglichen würden, ihre Arbeitgeber über ihre Herkunft zu täuschen.[5] Eine Ausnahme von dieser Regel waren Pfarrerstöchter, deren Gutbürgerlichkeit offensichtlich außer Frage stand, so dass sie Pensionate besuchen konnten, in denen sie gezielt zur Gouvernante ausgebildet wurden. Charlotte Brontë hat in Jane Eyre die rigorose Erziehung in einer solchen Schule beschrieben. Für die Historikerin Kathryn Hughes besteht auf Grund anderer Zeugnisse wenig Zweifel daran, dass Brontë, die mit ihren Schwestern kurzzeitig Schülerin der Cowan Bridge School war, mit ihrer Beschreibung der Unterrichtsweise in Lowood reale Bedingungen schilderte.[6]