Criewen

Ortsteil der Stadt Schwedt/Oder From Wikipedia, the free encyclopedia

Criewen ist eine vormals eigenständige Gemeinde mit 515 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021)[1], die seit dem 1. August 2001 ein Ortsteil[2] der Stadt Schwedt/Oder ist.[3] Sie liegt nahe der polnischen Grenze, direkt angrenzend an den Nationalpark Unteres Odertal.

Kirche.
Schloss.

Orts- und Gutshistorie

Criewen ist 1354 ersterwähnt und somit eines der ältesten beurkundeten slawischen Fischerdörfer in Nordbrandenburg. Das Dorf entwickelte sich zum Gutsort, so dass sich die Geschichtsübermittlung zunächst hauptsächlich auf die Gutsherrschaften darstellt, gesicherte Nachrichten zum eigentlichen Dorf erst später erscheinen. Im Ort entwickelte sich vormals eine mehrteilige Gutsherrschaft, der Falkenbergsche Antheil der Familie von Falkenberg, der v. Wustrowsche Antheil des Adelsgeschlechts von Wustrow. Es gab des Weiteren die Anteile III-Flitsch und IV.-v. Stegelitz. Nach einem so genannten Bauernkataster bestand Criewen 1624 in 6 Hüfnern und 25 Kossäten.

Der zersplittete Gutsbesitz am Ort wiederum wurde vermutlich spätestens unter der 1707 von König Friedrich I. von Preußen nobilitierten Familie von Luck, teils auch v. Luck II.[4] genannt,[5] unter dem preußischen Hofrat und Schatzmeister Daniel von Luck (1674–1739) fusioniert. 1723 übernahm es dessen Sohn, der Geheime Rat Johann Justus (Julius) Philipp von Luck (1721–1760), sodann nach E. Fidicin prozentual ein Carl Ludwig von Luck. 1761 nennt die Chronik den bürgerlichen Kriegsrat Krüger, 1768 die briefadelige Familie von Rebeur,[6][7] vertreten durch den Kammergerichtspräsidenten Christian Ludwig von Rebeur (1741–1809). Überregional bekannt wurde seine Tochter Wilhelmine Karoline von Wobeser. Gut Criewen wiederum erbte dessen Bruder Ludwig August von Rebeur. Dieser verkaufte Criewen um 1816 an die Familie von Arnim, an den Rittmeister Otto Friedrich Carl von Arnim,[8] Gutsgröße 3185 Morgen. Das Erbe in Criewen übernahm der Sohn Friedrich Bernhard Gustav von Arnim, der als Geschichtsschreiber der Familie von Arnim bezeichnet wurde. Zeitgleich wurde der gesamte bäuerliche Besitz in der Gemarkung auf 986 Morgen festgemacht. Die Herren von Arnim-Criewen waren vielfältig tätig, 1874 saß man in der Direktion der Tattersall-Aktien-Gesellschaft[9] zu Berlin, einem der berühmtesten Pferdeställe von Brandenburg-Preußen.

Bei der letzten amtlichen Erhebung des Gutsbesitzes in der Provinz Brandenburg, vor der Weltwirtschaftskrise 1929/1930, galt als Gutsherr der Korvettenkapitän a. D. Staatsminister Bernd von Arnim, zumeist nach dem Besitz Bernd von Arnim-Criewen benannt.[10] Sein Gut Criewen umfasste 507 ha, der Nebenbesitz, das Rittergut in Densen 392 ha.[11] Letzter Gutsbesitzer war der Major a. D. Harry Gustav Achim von Arnim, mit seiner Ehefrau Annabel geb. von Stoesser verstorben im Mai 1945 in Criewen, nach Kriegsende. Ihre Nachfahren lebten teils in Brasilien.[12]

Criewen gehörte seit etwa 1815 bis Anfang der 1950er Jahre zum Landkreis Angermünde, Regierungsbezirk Potsdam, Provinz Brandenburg, heute zum 1990 wieder gegründeten Land Brandenburg, Landkreis Uckermark.

Lenné-Park.

Sehenswürdigkeiten

Das für den Rittmeister Otto von Arnim errichtete Schloss im Lenné-Park ist heute Sitz der Brandenburgischen Akademie Schloss Criewen. An der Restaurierung der Dorfkirche war ab 2003 auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt.

Ein Anziehungspunkt für Touristen ist das Nationalparkzentrum Unteres Odertal mit dem Nationalparkhaus, das im Jahr 2000 im ehemaligen Schafstall der Gutsanlage eröffnet wurde.[13]

Patronatsfriedhof.

Patronatsfriedhof

Der von 1904 bis 1945 benutzte Patronatsfriedhof (nordöstlich der Kirche) enthält folgende Gräber:

  • Margarethe von Arnim (* 9. Dezember 1859 in Berlin; † 2. Mai 1940 in Berlin), geb. Freiin von Arnim;[14]
  • Bernd von Arnim (* 20. Mai 1850 in Criewen; † 15. Dezember 1939 in Criewen), Staatsminister;
  • Generalmajor a. D. Hans von Arnim (General, 1855) (* 11. Februar 1855 in Criewen; † 21. Juli 1911 in Hannover);
  • Marie von Arnim (* 8. Mai 1859 in Criewen; † 10. Mai 1935 in Criewen);
  • Felicitas Joyce Freiin von Arnim (* 29. Juli 1899 in London; † 2. Juni 1916 in Bremen);
  • Gräfin Sophie Adelheid von Arnim (* 21. August 1836 in Aachen; † 30. November 1918 in Criewen), geb. Gräfin von Arnim;
  • Hans Bernd von Plessen (* 28. Januar 1904 in Potsdam; † 9. August 1932 in Berlin);
  • Bernhard von Plessen (* 4. Oktober 1878 in Berlin; † 13. August 1927 in Berlin), Rittmeister a. D. im 1. Garde-Ulanen-Regiment;[15]
  • Elly (Elise) von Plessen (* 19. Februar 1880 in Criewen; † 10. Mai 1934 in Berlin), geb. von Arnim;
  • Mädy von Plessen (* 24. August 1918 in Berlin; † 22. Mai 1935 in Potsdam);
  • Lilli von Arnim (1897–1944), „Zum Gedenken“ Harry von Arnim (1890–1941);
  • Annabel von Arnim (* 14. April 1889; † 12. Mai 1945), geb. von Stoesser;[16]
  • Achim von Arnim (* 8. Januar 1879; † 12. Mai 1945)[17]

Söhne und Töchter der Gemeinde

Literatur

Einzelnachweise

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