Cristozoa

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Die Cristozoa umfassen alle Rückensaitentiere (Chordatiere, Chordata), die während ihrer embryonalen Entwicklung eine Neuralleiste ausbilden. Die Cristozoa bestehen aus vier Gruppen, von denen aber drei nur anhand von Fossilien bekannt sind. Die einzigen noch heute lebenden Vertreter der Cristozoa stellen die zahlreichen Schädeltiere (Craniata) dar, die gemeinhin mit den Wirbeltieren (Vertebrata) gleichsetzt werden. Somit zählen Fische, Lurche, Sauropsiden einschließlich der Vögel und Säugetiere einschließlich der Jetztmenschen zu den Cristozoa.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Cristozoa

Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana)

Systematik
ohne Rang: Zweiseitentiere (Bilateria)
ohne Rang: Nephrozoa
Überstamm: Neumünder (Deuterostomia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
ohne Rang: Olfactores
ohne Rang: Cristozoa
Wissenschaftlicher Name
Cristozoa
Chen, 2008
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Merkmale

Das gemeinsame Merkmal aller Cristozoa besteht in der Neuralleiste. Sie liegt jedoch bloß embryonal vor. Darum kann sie nicht herangezogen werden, um erwachsene Cristozoa als solche zu erkennen. Die gleiche Schwierigkeit gilt für Fossilien, von denen nur sehr selten embryonale Stadien gefunden werden. Andererseits schnüren sich von der Neuralleiste embryonale Zellen ab, die sich in bestimmten Körperregionen ansiedeln und dort gewisse Gewebe und Organe ausformen.[1] Solche Neuralleistenbildungen bleiben auch bei den erwachsenen Organismen sichtbar und können unter Umständen an Fossilien identifiziert werden. Zu den Neuralleistenbildungen gehören zum Beispiel die Hautpigmentzellen (Melanozyten), bestimmte Muskeln im Kopfbereich und Anteile des peripheren Nervensystems.[2]

Systematik

Die Cristozoa stellen eine Gruppe innerhalb des Systems der vielzelligen Tiere. Ihr Schwestertaxon sind die Manteltiere (Tunicata). Mit ihnen bilden sie die Abstammungsgemeinschaft der Olfactores. Die Olfactores werden mit den heutigen Lanzettfischchen (Leptocardia) zusammengefasst zu den Rückensaitentieren (Chordata).[3]

Den Cristozoa werden vier Tiergruppen zugeordnet. Nur eine von ihnen existiert immer noch, ist also rezent. Allerdings handelt es sich bei dieser überlebenden Gruppe um die Schädeltiere (Craniata), die sich zu einer sehr artenreichen und weit verbreiteten Abstammungslinie entwickelte.

Äußere Systematik der Cristozoa
  • Chordata (Rückensaitentiere)
    • Leptocardia (Lanzettfischchen)
    • Olfactores
      • Tunicata (Manteltiere)
      • Cristozoa
Weitere Informationen Innere Systematik der rezenten und fossilen Cristozoa ...
Innere Systematik der rezenten und fossilen Cristozoa
 Cristozoa[4] 

Myllokunmingiida a


   

Pikaiidae b


   

Conodontophora c


   

Craniata d





a: Zu den schädellosen Myllokunmingiida gehörten die Gattungen Haikouichthys[5] (= Myllokunmingia),[6] Metaspriggina[7] und Zhongjianichthys.[8] Die Myllokunmingiida starben vor dem Ende des Kambriums aus.
b: Zu der Familie der schädellosen Pikaiidae gehörte als einzige bekannte Gattung Pikaia.[9] Die Pikaiidae starben vor dem Ende des Kambriums aus.
c: Die schädellosen Conodontentiere (Conodontophora) besaßen sehr widerstandsfähige Mundwerkzeuge, die in großen Mengen erhalten geblieben sind. Fossilien ihrer Weichteilanatomie wurden extrem selten gefunden.[10] Die älteste fossil belegte Gattung heißt Protohertzina und stammte aus dem unteren Kambrium.[11] Die Conodontentiere starben am Ende des Trias aus.
d: Die Schädeltiere (Craniata) umfassen alle Cristozoa mit Schädeln. Die älteste fossil belegte Gattung heißt Anatolepis und stammte aus dem oberen Kambrium.[12]

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Literatur

  • Nicholas D. Holland, Junyuan Chen: Origin and early evolution of the vertebrates: new insights from advances in molecular biology, anatomy, and palaeontology. In: BioEssays. Band 23, 2001, doi:10.1002/1521-1878(200102)23:2<142::AID-BIES1021>3.0.CO;2-5, S. 142–151.
  • Jun-Yuan Chen: Early Crest Animals and the Insight They Provide Into the Evolutionary Origin of Craniates. In: Genesis. Band 46, 2008, doi:10.1002/dvg.20445, S. 623–639.

Einzelnachweise

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