Crookston-Dollar

zeitgenössische schottische Bezeichnung des Silberryals (Taler) zu 30 Schilling From Wikipedia, the free encyclopedia

Crookston-Dollar, auch Crookeston-Dollar, ist eine zeitgenössische schottische Bezeichnung des Silberryals (Taler) zu 30 Schilling, der von 1565 bis 1567 in Schottland geprägt wurde und aus der Regierungszeit der Königin Maria Stuart (1542–1567, hingerichtet 1587) mit ihrem zweiten Gemahl Henry Stuart, Lord Darnley (ermordet 1567) stammt. Das Gepräge mit den Münzbildern und der Legende des Crookston-Dollars kommt auch als 23[1] und 13[2] Ryal vor.

Schottland, Crookston-Dollar von 1567 mit Maria Stuart und Henry Stuart, Lord Darnley in der Umschrift (Maria und Heinrich)

Der Überlieferung nach soll Lord Darnley unter einer gewaltigen Eibe im Park von Crookston Castle um die Hand der Königin Maria Stuart, seiner Cousine, angehalten haben. Die auf der Rückseite des Crookston-Dollars dargestellte bekrönte Palme wurde als diese Eibe angesehen. Die Talermünze ist ein bedeutendes zeitgenössisches Belegstück schottischer Geschichte.[3]

Crookston-Dollar von 1567

- Bild siehe oben

Der sogenannte Crookston-Dollar wurde in der Regierungszeit von Maria Stuart in der Münzstätte Edinburgh mit dem Münzzeichen Distelkopf geprägt, das sich oben in der Umschrift der Rückseite befindet. Er galt 30 Schilling schottisch.[4] Der Durchmesser der silbernen Talermünze beträgt 45 mm und ihr Gewicht 30,43 g. Die abgebildete Ausgabe mit der Jahreszahl 1567 ist die letzte mit Darnleys Namen in der Legende und somit der letzte Crookston-Dollar. Er wurde 1567 ermordet.[5]

Vorderseite

Die Vorderseite zeigt das Wappen Schottlands mit einer königlichen Krone bedeckt zwischen zwei blühenden Distelköpfen. Im Wappen ist ein aufrecht nach links steigender Löwe in einem Doppellilienbord zusehen. Die Umschrift lautet • MARIA • & • HENRIC⁹ [9 steht für us] • DEI • GRA(cia) • R(egina) • & • R(ex) • SCOTORV(m) • (Maria und Heinrich, von Gottes Gnaden, Königin und König der Schotten.)[6]

„Sie [Königin Maria Stuart] befahl“, so Johann David Köhler, „daß man ihren Namen ihres Gemahls in allen Schrifften vorsetzen solte, dahero auch also der Tittel auf der königl. Müntze eingerichtet wurde.“[7]

Rückseite

Auf der Rückseite erklimmt eine Schildkröte eine Palme, die mit einer königlichen Krone bekrönt ist. Mittig zum Stamm der Palme ist ein flatterndes Spruchband mit dem Text DAT GLORIA VIRES (Ruhm verleiht Kraft) zu sehen.[8] Die Umschrift lautet • EXVRGAT • DEVS • & • DISSIPENTᴿ [R steht für er] • INIMICI • EI⁹ [9 steht für us] • (Gott steh auf und lass seine Feinde zerstreuen). Die Jahreszahl 1565 ist zu beiden Seiten der Palme geteilt angegeben.[9]

Warum eine Schildkröte den Stamm der Palme erklimmt, ist nicht erklärt. Wahrscheinlich ist die kletternde Schildkröte das Symbol für den Spruch auf dem Spruchband.

Ryal Jakob VI. (Crookston-Dollar datiert 1565 mit Gegenstempel)

Schottland, Jakob VI., Ryal, Neuprägung des Crookston-Dollars, die ab 1578 mit unveränderten Münzstempeln und der vorhandenen Datierung 1565 erfolgte

Vorder- und Rückseite

Das Vorder- und Rückseitenbild des Ryals von Jakob VI., König von Schottland, dem Sohn von Maria Stuart und deren zweitem Ehemann Lord Henry Darnley, entspricht dem Crookston-Dollar, der von 1565 bis 1567 geprägt wurde. Für dieses Exemplar wurde der Münzstempel mit der Jahreszahl 1565 verwendet, der einen Stempelfehler in der Umschrift der Rückseite hat: DISCRIPENTᴿ statt DISSIPENTᴿ. Sichtbarer Unterschied der Neuprägung im Vergleich mit dem Crookston-Dollar ist der Gegenstempel mit dem Bild eines bekrönten Distelkopfs auf der Rückseite im Feld links neben der Palme. Die Gegenstempelung erfolgte im Anschluss an die Neuprägung, die mit den vorhandenen oder gleichen Münzstempeln des Crookston-Dollars durchgeführt wurde und ab 1578 zur Ausgabe gelangte. Der Zweck der Neuprägungen war die Verringerung des zu hohen Feingehalts der Münzen, die meist als Neubewertung bezeichnet wurde.[10]

Anlass der Neuprägung war, dass in Schottland 1578 der Silberpreis stark gestiegen war. Die umlaufenden Crookston-Dollars mit dem Feingewicht von durchschnittlich 28,0 g bei 30,6 g Raugewicht[11] waren plötzlich mehr wert als ihr Nennwert. Es bestand die Gefahr, dass sie eingeschmolzen und als Barren außer Landes gebracht werden könnten. Um das zu verhindern, wurden die Münzen zurückgerufen und mit verringertem Silbergehalt neu geprägt. Die Rücknahme machte einen Preis von 36 Schilling und 9 Pence erforderlich. Die Neuprägung wurde bis 1580 fortgesetzt.[12]

Ryal datiert 1566 mit Gegenstempel aus Köhlers Münzbelustigung

J. D. Köhlers Kupferstich des Ryals mit Gegenstempel, datiert 1566. Die kletternde Schildkröte wurde offenbar bei der Herstellung des Kupferstichs als solche nicht erkannt.

In Johann David Köhlers Münzbelustigung war die Bedeutung dieses Gegenstempels unbekannt. Er bezeichnet das Gepräge als „Der Königin Maria in Schottland und ihres anderen Gemahls König Heinrichs sehr rarer Thaler von A. 1566.“ In der „Beschreibung desselben“ bemerkt Köhler, dass die andere Seite

„einen mit einer Last beschwehrten, und mit einer Königl. Krone bedeckten Palm-Baum [zeigt].“[13]

Mit „Last“ (statt Gegenstempel) könnte Köhler sich auf Lord Darnley beziehen, der sich an der Regierung Schottlands nicht beteiligen konnte und zur Last wurde.

Geschichtliche Zusammenhänge

Maria Stuart, um 1558, Porträt nach François Clouet

Maria Stuart heiratete am 29. Juli 1565 ihren Vetter Henry Stuart, Lord Darnley. Im gleichen Jahr ließ sie den ersten sogenannten Crookston-Dollar prägen. Die Heirat war eine Liebesheirat. Nachdem ihr Sekretär Riccio am 9. März 1566 von Darnley ermordet worden war, hasste sie ihn. Am 19. Juni des gleichen Jahres gebar sie den gemeinsamen Sohn Jakob VI. von Schottland. Als am 9. Februar 1567 ihr Gemahl von James Hepburn, 4. Earl of Bothwell überfallen und erdrosselt worden war, vermählte sie sich nur wenige Wochen danach mit ihm. Der empörte protestantische Adel nahm sie daraufhin gefangen.

Am 14. Juli 1567 entsagte sie dem Thron zugunsten ihres Sohns. Der Haft entkam sie am 2. Mai 1568 und floh nach England, wo sie von Königin Elisabeth I. gefangen gehalten wurde. Wegen mehrerer Komplotte ihrer Anhänger wurde sie wegen Hochverrat verurteilt und am 18. Februar 1587 enthauptet.[14]

Köhlers historische Erklärung zur Ermordung Darnleys und zur Hinrichtung Maria Stuarts

J. D. Köhler befasste sich in seiner Münzbelustigung auch mit der Geschichte Maria Stuarts.

Den Hergang der Ermordung von Henry Stuart, Lord Darnley durch den Earl of Bothwell beschreibt Johann David Köhler in seiner Münzbelustigung wie folgt:

„Wie es Nacht geworden, trat der Französische Hof-Cavallier, Paris […] zur Aufwartung ins Zimmer; dies aber war das Zeichen, daß man alle [Vorbereitungen] zum Meuchelmord gemacht hätte. Die Königin nahm hierauf [unter einem Vorwand] Abschied. […] Der König legte sich hierauf […] zu Bette. Um Mitternacht eröffnete Bothwell mit einem Nachschlüssel das Schlaf-Zimmer, und erdrosselte den König im tiefsten Schlaff, in gleichen auch den neben ihm liegenden Cammer-Diener und ließ den Cörper [von Darnley] durch ein […] Pförtgen in dem nächsten Obst-Garten außer[halb] der Stadt-Mauer tragen. Hierauf zündete er in der Königin Zimmer gesetzte Pulver-Tonnen an, und sprengte das Haus in die Lufft, daß man glauben sollte, der König wäre auf solche Weise ums Leben gekommen. Man sahe aber an des selben Cörper nicht die geringste Beschädigung/oder Verbrennung vom Pulver welche bei einem solchen Lufft-Sprung unumgänglich geschähen wäre.“[15]

Anhand einer Medaille von Maria Stuart mit ihrem Bildnis und dem Titel einer Königin von England „MARIA STOVVART REGINA SCOTIӔ ET ANGLIӔ d. i. Maria Stuart / Königin in Schott- und Engeland“ nennt Johann David Köhler den Grund, der zu ihrer Hinrichtung führte.

„Der auf dieser Medaille auch befindliche Tittel einer Königin in Engellald kostete der Schottischen Königin Maria den Kopf, welcher […] mit zwo Kronen prangete, eine erbliche, der Schottländischen, und einer erheyratheten der Französischen; da aber ihr einige unruhige Leute, wider ihren Willen, die dritte oder Engelländische auch verschaffen wollten, so brachten sie dieselbe nicht nur um die Schottische Krone, sondern […] um Freyheit und Leben.“[16]

Das Todesurteil sollte wie gewöhnlich vollzogen werden, worauf sie dann auch, so Köhler, „A. 1587 den 18. Febr. mit dem Beil in einem Saal des Schlosses Fotheringhay indem 46. Jahr ihres Alters enthauptet wurde“.[17]

Anmerkung: Die Ermordung Darnleys steht, wie bereits vorher erwähnt, im Zusammenhang mit der Herstellung des Crookston-Dollars, da die Prägung dieser Talermünze wegen des Mordes beendet werden musste. Die spätere Hinrichtung Maria Stuarts, deren wesentliche Ursachen Köhler in seiner Münzbelustigung nennt, wurde zum Teil zur Erklärung der geschichtlichen Zusammenhänge übernommen.

Literatur

  • Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. H. Gietl Verlag, Regenstauf 2005 (S. 80: Crookston-Dollar).
  • Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976 (S. 333: Ryal, Silbermünze der Maria von Schottland und ihres Gemahls Lord Darnley).
  • Friedrich von Schrötter, N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde. Berlin 1970; Nachdruck der Originalausgabe von 1930 (S. 580: Ryal, schottische Silbermünze Marias und Darnleys 1565 bis 1567 geprägt, auch 23 und 13 Reals).
  • SPINK: – Crookston-Dollar mit Gegenstempel „bekrönte Distel“ für Neubewertung von 1578.
  • Johann David Köhler: Münzbelustigung Band 5, 1733, S. 233 und S. 329.
  • Brockhaus, dritter Band, Leipzig / F. A. Brockhaus / 1923, S. 171: Maria Stuart.

Einzelnachweise

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