Mikronesischer Sagopalmfarn
Art der Gattung Sagopalmfarne (Cycas)
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Der Mikronesischer Sagopalmfarn (Cycas micronesica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sagopalmfarne (Cycas) innerhalb der Familie der Palmfarne (Cycadaceae). Er kommt in der Pazifikregion auf den Inseln Yap in Mikronesien, den Marianen-Inseln Guam und Rota und in Palau vor. Er wird als Federico Nut oder Fadang in Chamorro bezeichnet.
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Mikronesischer Sagopalmfarn (Cycas micronesica) im Unterholz | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cycas micronesica | ||||||||||||
| Thunb. |
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Cycas micronesica ist eine mittelgroße, langlebige, baumartige ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen von meist 2 bis 5, selten bis zu 15 Metern erreicht. Der gerade Stamm ist von Blattnarben gezeichnet.[1]
- Fiederblatt
- Stamm und palmenartiges Erscheinungsbild
Die in einem Blattschopf angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattspreite ist einfach gefiedert. Die Laubblätter sind 140 bis 180 cm lang, im Querschnitt flach (gegenständige Fiederblättchen im 180-Grad-Winkel zur Blattachse/Rhachis), mit 130 bis 150 Fiederblättchen, die mit einem etwa 4 mm langen Dorn enden; Blattstiel gewöhnlich kahl, gewöhnlich unbewehrt, selten bis zu 20 % seiner Länge bedornt, 35 bis 45 cm lang; mittlere Fiederblättchen im 70–80-Grad-Winkel zur Blattachse, 240 bis 280 mm lang, 16 bis 17 mm breit, 0,35 bis 0,45 mm dick, kahl, im Entwicklungsstadium mattgrün oder leicht bläulich-grün, bei Reife glänzend mittelgrün, im Querschnitt flach mit leicht zurückgebogenen Rändern, stark zweifarbig, 7 bis 10 mm lang herablaufend, an der Basis auf 5,0 bis 6,0 mm verjüngt, 17 bis 20 mm voneinander entfernt, Blattachsenspitze zugespitzt; Mittelrippe nicht scharf erhaben, oben und unten mehr oder weniger gleich stark ausgeprägt, 1,2 bis 1,5 mm breit.[2]
Generative Merkmale
- Weibliche Megasporangia. Thomas Marler
- Männliche Zapfen (Microsporangia)[3]
- Weiblicher Zapfen mit geschlossenen Megasporophyllen
- Weiblicher Zapfen mit Megasporophyllen und Ovulen
- Befruchtete Megasporangia mit reifenden Samen
- Samen
- Sämling mit Keim
Wie alle Palmfarne ist auch Cycas micronesica zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die weiblichen Pflanzen besitzen Ansammlungen von Samenanlagen auf modifizierten Blättern, den sogenannten Megasporophyllen. Die männlichen Fortpflanzungsorgane bestehen aus ebenfalls modifizierten Blättern, den Mikrosporophyllen, an deren Unterseite jeweils kleine, kompakte Pollensäcke anhaften.[4] Auf Guam wurde eine Symbiose zwischen Cycas micronesica und einer Anatrachyntis-Mottenart nachgewiesen. Diese ist für die Eiablage und die Ansiedlung der Motte auf die männlichen Zapfen (Mikrosporangien) angewiesen und bestäubt im Gegenzug die weiblichen Zapfen.
- Befruchtete Megasporangien mit reifenden Samen
- Männlicher Zapfen mit geschlossenen Microsporangia
- Männlicher Zapfen mit offenen Microsporangia und Pollen
- Einzelnes Microsporangia mit Pollen
- Microsporangium mit Pollen-Säcken und gelben Pollen
Die weiblichen Zapfen sind hell-braun bis hell-orange-braun, schmal-eiförmig, 30 bis 50 cm lang und 8 bis 10 cm im Durchmesser. Die Megasporophylle sind 27 bis 33 cm lang, grau-orange behaart und enthalten zwei bis sechs Samenanlagen. Die Blattspreite ist 45 bis 55 mm breit, breit-eiförmig bis elliptisch, regelmäßig gezähnt und trägt 16 bis 20 seitliche Stacheln. Der apikale Stachel ist 8 bis 15 mm lang, die seitlichen Stacheln 2 bis 6 mm. Die Samen sind bei einer Länge von 50 bis 60 mm sowie einem Durchmesser von 45 bis 50 mm flach bis eiförmig, grün bis orangefarben, nicht bereift,. Die Sarkotesta ist 3 bis 6 mm dick.[2]
Bedrohung und Schutz

Cycas micronesica ist auf den Inseln Guam und Rota durch eine Kombination eingeschleppter Arten bedroht.[5] Der bedeutendste Schädling ist die Schildlaus Aulacaspis yasumatsui, die erstmals im Dezember 2003 auf Guam nachgewiesen wurde.[6] Weitere Bedrohungen sind der Cycas-Bläuling (Luthrodes pandava), der Bockkäfer Acalolepta marianarum, der Stammschäden verursacht, die invasive Schnecke Satsuma mercatoria, die sich von jungen Blättchen ernährt,[5] sowie der Lebensraumverlust durch Bevölkerungswachstum und militärische Aktivitäten. Vor der Invasion von Aulacaspis yasumatsui war Cycas micronesica eine der häufigsten Pflanzen in den Wäldern Guams.[7] Das Pflanzensterben verlief so rasant, dass diese Art bereits 2006, nur drei Jahre nach Beginn der verheerenden Invasionen, von der Roten Liste der IUCN als „gefährdet“ eingestuft wurde.[5][8][9] Die Populationszahlen im nordwestlichen Guam gingen von 686 Individuen Anfang 2004 (bevor Aulacaspis diesen Lebensraum erreichte) auf 87 Individuen im Januar 2007 zurück.[5] Cycas micronesica hatte einst stabile Populationen in ganz Mikronesien, wobei Guam die größte aufwies. Die Invasion der Schildlaus Aulacaspis führte jedoch innerhalb von zehn Jahren zu einem Rückgang der Population auf Guam um 87 %. Im Jahr 2004 wurde Rhyzobius lophanthae als biologischer Schädlingsbekämpfer auf Guam eingeführt, was den Populationsrückgang verringerte. Allerdings war der Marienkäfer nicht wirksam genug, um die Cycas-Sämlinge vor dem Befall durch Aulacaspis zu schützen, da mangelnde Keimfähigkeit der Samen einer der Hauptfaktoren für den Rückgang von Cycas micronesica ist.[10]
Systematik
Die Populationen wurden früher mit Cycas rumphii und Cycas circinalis zusammengefasst. Die Erstbeschreibung von Cycas micronesica erfolgte 1994 durch Ken Hill in Australian Systematic Botany. Volume 7, 1994, S. 554–556.[2] Paläoökologische Studien haben ergeben, dass Cycas micronesica seit etwa 9000 Jahren auf der Insel Guam vorkommt.[11]
Inhaltsstoffe
Aufgrund des in den Samen enthaltenen Neurotoxins β-Methylamino-L-alanin (BMAA) wird sie als Faktor bei der Lytico-Bodig-Krankheit, einer der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) ähnlichen Erkrankung, vermutet. Bis in die 1960er-Jahre waren die Samen auf Guam ein traditionelles Nahrungsmittel. Das Gift entsteht aufgrund Symbiose mit Cyanobakterien.[12][13][14]