Cyril Wyche
britischer Diplomat und Politiker
From Wikipedia, the free encyclopedia
Sir Cyril Wyche, 1. Baronet (* um 1695; † 18. August 1756 in Tangstedt) war ein britischer Diplomat und Politiker des 18. Jahrhunderts.[1][2][3] Wyche war britischer Gesandter bei den Hansestädten und britischer Botschafter in Russland.
Leben
Wyche entstammte einer Diplomatenfamilie. Sein Großvater Sir Peter Wyche (1628–um 1699) war englischer Botschafter in Russland und Polen, sein Urgroßvater Sir Peter Wyche (um 1593–1643) war englischer Botschafter im Osmanischen Reich. Sein Großonkel und Namensvetter Sir Cyril Wyche war Gründungsmitglied der Royal Society und deren fünfter Präsident. Sein Vater war John Wyche, der seine Mutter Bethesda Wyche, geb. Savage am 7. Februar 1692 in Chewton Mendip, Somerset.[4] Die beiden hatten mit Sophia noch eine weitere Tochter.[5]
Wyche wuchs in Hamburg auf, wo sein Vater ab 1702 britischer Gesandter war. Nachdem sein Vater am 15. Oktober 1713 verstarb, wurde er unter Königin Anne im Alter von 19 Jahren dessen Nachfolger als Hamburger Geschäftsträger. Nach der Thronbesteigung von König Georg I., übernahm Wyche ab 1714 verschiedene Positionen im Niedersächsischen Reichskreis. Ebenfalls 1714 heiratete er Anne von Wedderkop, eine Tochter des schleswig-holsteinischen Staatsmanns Magnus von Wedderkop. Als Mitgift erhielt er das Gut Tangstedt im Herzogtum Holstein. Das Ehepaar hatte zwei Töchter und zwei Söhne, die aber beide vor ihm starben. Außerdem hatte er von seinen Vorfahren verschiedene Güter in den traditionellen Grafschaften Englands Yorkshire und Lincolnshire sowie Anteile der zu den Dreizehn Kolonien gehörenden Province of North Carolina und Province of South Carolina geerbt. Das brachte ihm auch die Bezeichnung „Landgraf beider Carolinen“ ein.[4]
Wyche wurde von Georg Friedrich Händel und später von Johann Mattheson musikalisch ausgebildet. Er spielte wie sein Schwiegervater das Cembalo und beauftragte, ebenso wie Wedderkop, Mattheson mit der Komposition einiger Kantaten. Mattheson widmete Wyche 1720 seine Schrift Reflexions sur l’Eclaircissement d’un Probleme de Musique practique.[6] Ein direkter Kontakt zwischen Johann Sebastian Bach und Wyche ist nicht belegt, allerdings wird Wyche und sein Hamburger Umfeld in der Forschung als wahrscheinliches Netzwerk für Rezeption und frühe Verbreitung der später sogenannten Englischen Suiten angesehen.[4] Zusammen mit Benedikt von Ahlefeldt, Graf Otto Carl von Callenberg, Jean Henri Desmercières und seinem Schwager Friedrich Christian von Wedderkop übernahm Wyche rückwirkend ab Ostern 1722 auf sechs Jahre die Direktion und Pachtung der bisher vom mecklenburgischen Hofrat Johann Georg Gumprecht geleiteten heutigen Hamburger Oper am Gänsemarkt, die zu der Zeit das erste und wichtigste bürgerlich-städtische Theater im deutschen Sprachraum war.[7] Für Händels Opera seria Tamerlano, die dort am 27. September 1725 als Tamerlan aufgeführt wurde, komponierte Wyche sieben neue Arien hinzu.[8]
Ab 1725 war er Minister im Niedersächsischen Reichskreis. Am 20. Dezember 1729 wurde er in der Baronetage of Great Britain als Baronet, of Chewton in the County of Somerset, geadelt.[9] Von 1729 bis 1730 hatte er das Amt des High Sheriff von Norfolk inne. Er war zudem von 1734 bis 1741 Mitglied der Merchant Adventurers.[4] Von 1741 bis 1744 in Sankt Petersburg britischer Botschafter des Russischen Kaiserreiches. Jacob von Staehlin bezeichnete ihn zu seiner St. Petersburger Zeit als Virtuose am Cembalo.[4]
Da er seine beiden Söhne Magnus und John überlebte, erlosch seine Baronetwürde mangels eines männlichen Erbens bei seinem Tod 1756.[9] Das Gut Tangstedt erbte seine Tochter Caroline Frederike Wyche (1719–1780), die 1741 Magnus von Holmer geheiratet hatte und Mutter des späteren Reichsgrafen Friedrich Levin von Holmer wurde. Mit Amelia Wyche hatte er noch eine weitere Tochter.[5] Die Tänzerin und Buffa-Sängerin Gaspera Beccheroni und Rosa „La Tedeschina“ Costa waren Mätressen von Wyche. Beide zählten zu den Mingottischen Operntruppen.[10]