Dachausbau des Hauses Falkestraße 6
Architekturprojekt von Coop Himmelb(l)au
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Dachausbau der Falkestraße 6 in Wien, Österreich, ist ein Architekturprojekt von Coop Himmelb(l)au. Es ist eines der ersten dekonstruktiven Bauwerke.[1] Der Umbau ist ein Dachaufbau auf einem 1902 von Carl Mayer[2] erbauten Haus. Die Rechtsanwälte Schuppich, Sporn und Winischhofer brauchten mehr Platz, für den Coop Himmelblau auf ungewöhnliche Weise sorgte. Der Umbauentwurf begann 1983, der endgültige Bau wurde Ende 1988 fertiggestellt.[3]
Das Bauwerk
Die Dacherweiterung selbst hat eine insektoide Struktur, die das bestehende Gebäude chaotisch verzerrt und gewaltsam zerschneidet. Sie besteht aus einem 90 m² großen Konferenzraum unterhalb des Hauptflügels sowie weiteren Büros und einem Empfangsraum in der Dachebene. Das Ganze liegt unter einem raumschaffenden Bogen, einem Blitz,[4] einem Flügel oder einer visualisierten Energielinie über dem Dachgeschoß.[1][5] Beim Betreten scheint die Konstruktion über einem zusammenzubrechen. Durch ein Lichtsystem funkelt das Dach in der Nacht wie ein Kristall.[3] „Wir haben gerade eine neue Ecklösung interpretiert… es war eine der ersten dekonstruktivistischen Architekturen der Welt“ – Wolf D. Prix. Der „Umbau dieses Daches war besonders schwierig, weil wir Material und Dachneigung nicht verändern durften. Also zeigten wir das Modell dem Bürgermeister von Wien, Helmut Zilk[6] und fragten ihn, ob er das für Architektur hielt. Er sagte: ‚Sieht für mich eher nach Kunst aus.‘ Und wir sagten ‚Danke Ihnen sehr‘, denn Kunst unterliegt nicht den Regeln der Bauordnung“ – Wolf D. Prix.[7] Heute, nach über drei Jahrzehnten, zeigen die teilweise improvisierten Details Spuren der Abnutzung (Silikon altert und Stahl kann rosten), dies wird aber auch als „Patina“ wahrgenommen.[3]
Rezeption
Die Dacherweiterung wurde vom Architekturtheoretiker Charles Jencks als „eine wilde Mischung aus verdrehten und verzogenen Formen, die einem toten Flugsaurier ähnelt, der auf dem Dach abgestürzt ist“, beschrieben.[8] Die Dacherweiterung Falkestraße wurde 1988 in die Ausstellung Dekonstruktivistische Architektur im MOMA (kuratiert von Philip Johnson und Mark Wigley) aufgenommen.[9] Wigley schreibt: „Ein dekonstruktiver Architekt ist deshalb nicht jemand, der Gebäude demontiert, sondern jemand, der den Gebäuden inhärente Probleme lokalisiert.“[10]
Literatur
- Valentin E. Wille, Barbara Pilz: Architekturguide Wien. 20. & 21. Jahrhundert, Metroverlag, Wien 2009, ISBN 978-3-902517-83-8.
- Frank Werner: Covering + Exposing. Die Architektur von Coop Himmelb(l)au, Birkhäuser Verlag AG, Basel 2000, ISBN 3-7643-6079-8.