Dames Jolink
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Die Dames Jolink waren zwei Niederländerinnen aus Varsseveld, die während der deutschen Besatzung der Niederlande untergetauchte Menschen versteckten. 1944 wurden sie von den deutschen Besatzern verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert, wo sie starben.


Biographien
Gerritdina „Gerrie“ Jolink (* 20. Dezember 1888) und Hermina „Minnie“ Jolink (* 9. Mai 1891) waren Lehrerinnen. Sie waren unverheiratet und lebten gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Gerard (* 6. August 1886) im elterlichen Haus in Varsseveld. Sie unterrichteten dort an der Christelijk Nationale School. Im Ort wurden sie Dames Jolink genannt. Sie lebten und arbeiteten getreu ihrem calvinistischen Glauben.[1][2]
Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 entstand in der Grenzregion Achterhoek ein Netzwerk von Menschen, die französischen und belgischen Kriegsgefangenen, die aus Deutschland geflohen waren, untergetauchten Juden und alliierten Piloten halfen und sie versteckten. Daran waren die Dames Jolink beteiligt. Laut Joost Boot, Bürgermeister von Wisch en Terborg, der ein Buch über die Besatzungszeit verfasste, hielten es die Schwestern nicht für notwendig, ihre Aktivitäten geheim zu halten. Sie hätten „eine gewisse passive Neigung“ gehabt und sich der „göttlichen Vorsehung“ ergeben. Aufgrund des sozialen Zusammenhalts der Region und der weit verbreiteten Widerstandshaltung hätten sie sich vermutlich auch sicher gefühlt.[1] Als gläubige Christinnen hätten die Jolinks die Bedeutung des Glaubens verstanden und es einem bei ihnen untergetauchten Jungen, dem Sohn eines Rabbiners aus Zwolle, ermöglicht, Religionsunterricht in ihrem eigenen Haus zu erhalten, und solchen auch für weitere Juden in der Gegend organisiert.[2]
Im Herbst 1942 erfuhr der Sicherheitsdienst (SD) von der großen Zahl der Untergetauchten und leitete Ermittlungen ein. Boot berichtete, dass er die Dames Jolink gewarnt habe und eine Durchsuchung durch zwei „vertrauenswürdige“ Polizisten habe durchführen lassen. Am 16. Februar 1944 jedoch drang der SD frühmorgens in das Haus der Jolinks ein. Einer der Untergetauchten versuchte, einem Deutschen die Pistole abzunehmen. Daraufhin wurde er in den Kopf geschossen und starb, zwei weitere Menschen wurden verletzt. Nach eigenen Angaben gelang es Boot, den deutschen Polizeichef zu überreden, die Jolinks zu verschonen. Diese seien einfache Leute, die nicht verstanden hätten, was vor sich ging.[1]
Wenige Tage später wurde der Tote in Varsseveld beerdigt. Die Dames Jolink ließen Trauerkarten drucken, auf denen sie den Mann als ihren Pflegesohn bezeichneten: „Er starb für sein Vaterland!“ Das ganze Dorf nahm an der Beerdigung teil. Gerrie und Minnie Jolink tauchten trotz aller Ratschläge nicht unter. Sie wurden verhaftet und trugen laut Boot bei ihrer Verhaftung große orangefarbene Kokarden, um ihre Königstreue zu demonstrieren. Vom Polizeigefängnis in Arnheim gelangten sie ins Lager Vught und wurden im September 1944, nach dem Dolle Dinsdag, in das KZ Ravensbrück deportiert. Minnie Jolink starb dort am 29. November 1944 an Dysenterie. Helena Kuipers-Rietberg war in ihren letzten Stunden bei ihr und hielt eine Gedenkfeier für sie, bevor sie selbst rund vier Wochen später starb.[3] Minnies Schwester Gerrie starb am 22. Februar 1945, als Todesursache wurde „Herzschwäche“ angegeben.[1]
Laut einer privaten Website der Familie Jolink starb der Bruder Gerard am 20. August 1950 im Alter von 64 Jahren in einem Krankenhaus in Zwolle und wurde im Grab seiner Eltern in Varsseveld bestattet. Er soll nie mehr über seine Schwestern gesprochen haben. Der Verbleib der sterblichen Überreste der Dames Jolink ist unbekannt.[4]
Erinnerungen und Ehrungen
2010 wurden die Schwestern posthum von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt.[2]
In Varsseveld wurde eine Straße nach den Schwestern Dames Jolinkweg genannt und eine Gedenktafel an ihrem ehemaligen Wohnhaus angebracht.[5] Im Nationaal Onderduikmuseum in Aalten ist ein Koffer mit Fotos der Schwestern ausgestellt. Das Eisenbahnunternehmen Arriva hat einen Zug nach den Dames Jolink benannt.[6]
Literatur
- John Breukelaar/Oudheidkundige Werkgemeenschap Aalten-Dinxperlo-Wisch: Halte Varsseveld : verhalen over het onderduiken bij de dames Jolink en hun geestverwanten. Fagus, 2005, ISBN 978-90-70017-95-8 (niederländisch).