Daniel Dăianu
rumänischer Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und Bankier
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Daniel Dăianu (* 30. August 1952 in Bukarest) ist ein rumänischer Bankmanager, Hochschullehrer und Politiker der Partidul Național Liberal (PNL), der unter anderem von 1997 bis 1998 Finanzminister sowie zwischen 2007 und 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments war.

Leben
Daniel Dăianu, der als Sohn von Ioan Dăianu und Elisabeta (Dumitrescu) Dăianu aus einer Familie hochrangiger Securitate-Offiziere stammte, und besuchte am renommierten Colegiul Național „Ion Luca Caragiale“ in Bukarest von 1968 bis 1971 eine spezielle Mathematikklasse. Im Anschluss begann er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsakademie Bukarest ASE (Academia de Studii Economice din București), welches er 1975 mit einem Master in Wirtschaftswissenschaften beendete. Während des kommunistischen Regimes von Nicolae Ceaușescu arbeitete er zwischen 1976 und September 1978 für die Auslandsnachrichtenabteilung DIE (Direcția de Informații Externe) des Staatssicherheitsdienstes (Securitate). Er verließ die DIE 1978 aus eigenem Antrieb und war zwischen 1979 und 1990 als Forscher am Institut für Wirtschaftssozialismus tätig, wobei er 1988 noch einen Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der ASE erwarb. Er erlangte zu dieser Zeit Bekanntheit durch seine Kritik an Ceaușescus Wirtschaftspolitik, die damals von Radio Free Europe (RFE) aufgegriffen wurde.
Nach der Revolution Ende Dezember 1989 und dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes wurde Dăianu 1990 Präsident des Rumänischen Instituts für Freie Marktwirtschaft in Bukarest. Er war zudem von 1990 bis 1991 Postdoktorand am Russischen Forschungszentrum der Harvard University sowie zwischen 1991 und 1992 als Gastwissenschaftler am Woodrow Wilson International Center for Scholars tätig. Nach seiner Rückkehr war er 1992 stellvertretender Finanzminister sowie zwischen 1992 und 1997 Chefökonom der rumänischen Nationalbank. Während dieser Zeit war er 1992 darüber hinaus Gastwissenschaftler beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und Berater des Zentrums für Europäische Politische Studien in Brüssel. 1993 wurde er des Weiteren Dozent an der ASE. Nachdem er 1994 an einem sechswöchigen Lehrgang im Rahmen des Advanced Management Program (AMP) der Harvard Business School teilgenommen hatte, war er ferner 1995 Gastwissenschaftler am NATO-Verteidigungskolleg in Rom.
Als Nachfolger von Mircea Ciumara[1] übernahm Daniel Dăianu am 5. Dezember 1997 im Kabinett Ciorbea den Posten des Finanzministers (Ministru al finanțelor) und bekleidete dieses Ministeramt vom 17. April 1998 bis zu seiner Ablösung durch Decebal Traian Remeș[2] am 23. September 1998 auch im Kabinett Vasile.[3][4][5][6][7][8][9]
Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung übernahm Dăianu eine Professur Universitätsprofessor am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europäische Integration der Nationalen Hochschule für Politik- und Verwaltungswissenschaften SNSPA (Școala Națională de Studii Politice și Administrative) in Bukarest und wurde 2001 korrespondierendes Mitglied der Rumänischen Akademie (Academia Română). Ferner gehörte er dem Aufsichtsrat der Banca Comercială Română (BCR), der größten Bank des Landes, bis zum 23. Dezember 2007 als Vorsitzender an. Im September 2007 entschied der Nationalen Rates für das Studium der Archive der Securitate CNSAS (Consiliul Național pentru Studierea Arhivelor Securității), dass er ausschließlich im Bereich Wirtschaftsfragen für die Auslandsnachrichtenabteilung gearbeitet hatte. Nach dem darauf folgenden Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union wurde er am 10. Dezember 2007 als „Nachrücker“ für die Nationalliberale Partei PNL (Partidul Național Liberal) Mitglied des Europäischen Parlaments und gehörte diesem als Vertreter Rumäniens in der sechsten Legislaturperiode bis zum 13. Juli 2009 an. Er schloss sich der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) an und war vom 12. Dezember 2007 bis zum 13. Juli 2009 Mitglied des Haushaltsausschusses sowie zwischen dem 13. Dezember 2007 und dem 13. Juli 2009 auch Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und des Weiteren vom 12. Dezember 2007 bis zum 13. Juli 2009 stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Währung.[10] Neben seiner Lehrtätigkeit war er außerdem zwischen 2012 und 2013 Mitglied des Verwaltungsrats der CEC Bank sowie von April 2013 bis Juni 2014 Erster Vizepräsident der Finanzaufsichtsbehörde ASF (Autoritatea de Supraveghere Financiară). Neben Gastprofessuren an der University of California, Berkeley, der University of California, Los Angeles (UCLA) und der Universität Bologna war er Ehrenpräsident der Rumänischen Gesellschaft für Europastudien sowie Autor mehrerer Bücher zu europa- und wirtschaftspolitischen Themen. 2013 wurde er ferner Mitglied der Rumänischen Akademie.[11]
Veröffentlichungen
- Funcționarea economiei și echilibrul extern, („Die Funktionsweise der Wirtschaft und die Außenhandelsbilanz“), 1992
- Încotro se îndreaptă țările postcomuniste? Curente economice în pragul secolului, („Wohin steuern die postkommunistischen Länder? Wirtschaftliche Strömungen an der Jahrhundertwende“), 2000
- România și Uniunea Europeană. Inflație, balanță de plăți, creștere economică, („Rumänien und die Europäische Union. Inflation, Zahlungsbilanz, Wirtschaftswachstum“), 2002
- Lupta cu criza fiananciară eforturile unui membru român al PE, („Der Kampf gegen die Finanzkrise: Die Bemühungen eines rumänischen Mitglieds des Europäischen Parlaments“), 2009
- Marele impas în Europa – ce poate face România?, („Die große Sackgasse in Europa – was kann Rumänien tun?“), 2015
- in englischer Sprache
- Economic vitality and viability. A dual challenge for European Security, 1996
- Transformation of economy as a real process. An insider’s perspective, 1998
- Structure, strain, and macroeconomic adjustment, 1998
- Balkan reconstruction, Mitautor Thanos Veremēs, 2001
- Ethical boundaries of capitalism, Mitautor Radu Vranceanu, 2005
- Southeast Europe and the world we live in, 2008
- The macro economics of EU integration. The case of Romania, 2008
- Which way goes capitalism? In search of adequate policies in a dramatically changing world, 2009
- The Eurozone crisis and the future of Europe. The political economy of further integration and governance, 2014
- Romania’s new wave, 2015
- Economic gaps and crises in South-East Europe. Present and past, 2018
Weblinks
- Daianu, Daniel. In: rulers.org. Abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
- Daniel Daianu. In: Prabook. Abgerufen am 4. November 2025 (englisch).