Daniel Markel
kanadischer Rechtswissenschaftler und Mordopfer
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Daniel „Dan“ Markel (geb. 9. Oktober 1973 in Toronto; gest. 19. Juli 2014 in Tallahassee[1]) war ein Rechtswissenschaften und ab 2012 Vollprofessor am Florida State University College of Law. Er wurde 2014 Opfer eines Auftragsmordes.
Leben
Daniel Markel wurde als Sohn des kanadischen Unternehmerehepaares Ruth Markel und Phil Markel geboren[2] und wuchs in Toronto auf. Er studierte zunächst an der Harvard University und schloss dort mit magna cum laude mit dem Bachelor ab.[3] Es folgten Studien an der Hebräischen Universität von Jerusalem für ein Jahr und an der Universität Cambridge, wo er mit einem Master of Philosophy mit einer Arbeit über Thomas Hobbes Leviathan abschloss.[4] Er kehrte zum Jurastudium an die Harvard Law School zurück.[3] Dort wurde er Redakteur der Harvard Law Review und schloss das Studium 2001 ab.[5] Er war dann Law Clerk am Bundesberufungsgericht für den 9. Bezirk.[3]
Markel begann 2005 als Assistant Professor der Florida State University Straf- und Strafprozessrecht zu lehren. Ab 2010 wurde er als Professor fest angestellt und 2012 zum Vollprofessor.[3]
Er galt als international führend in der Rechtswissenschaft im Internet und begründete den Jura-Blog PrawfsBlawg. Neben zahlreichen Artikeln in juristischen Fachzeitschriften schrieb Markel Artikel in Slate, The Atlantic und der New York Times.[6]
Privates
Er wurde am 26. Februar 2006 von einem Rabbiner in Boca Raton in Florida mit Wendi Adelson verheiratet. Seine Braut studierte zu dieser Zeit noch Rechtswissenschaften an der University of Miami.[2] Das Paar hatte sich über eine Online-Partnervermittlung kennengelernt.[7] Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.[8] Sie trennte sich von ihm, indem sie ihre Sachen packte und mit den beiden Kindern nach Südflorida fuhr, während Daniel Markel beruflich unterwegs war.[9] Nach dem Auszug 2012 kam es zu einer bitteren Scheidungsauseinandersetzung,[10] bei der sich das Paar schließlich 2013 auf eine einvernehmliche Scheidung mit gemeinsamen Sorgerecht einigten. Ein Antrag von ihr, um mit den Kindern in den Süden Floridas zu Markels Schwiegereltern umziehen zu dürfen, wurde vom Familiengericht abgelehnt. Zum Zeitpunkt von Markels Tod war noch ein Verfahren anhängig, mit dem das Umgangsrecht der Großmutter eingeschränkt werden sollte.[8] Der Antrag für dieses Verfahren war vier Monate vor Markels Ermordung gestellt worden.[11] Nach dem Mord zog die Ex-Frau mit den Kindern nach Südflorida und änderte deren Nachnamen von Markel zu ihrem. Der Kontakt zwischen den Eltern von Daniel Markel und ihren Enkeln wurde unterbrochen.[4]
Mordfall
Markel brachte seine Kinder am 18. Juli 2014 um 8:50 in eine Kindertageseinrichtung und begab sich dann in ein Fitnessstudio, dass er um 10:38 verließ und dann nachhause fuhr.[12] Als er dann in seine Garage fuhr folgte ihm der Täter und schoss ihm in den Kopf, während er noch im Wagen saß und telefonierte. Ein Nachbarin hatte die Schüsse gehört sah einen silbernen Toyota Prius sich vom Tatort entfernen. Er rief die Polizei an.[7] Das Opfer wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo Markel am folgenden Tag starb.[9]
Der Mord war von zwei Männern ausgeführt worden, die von einer Geliebten von Markels Ex-Schwager hierfür angeheuert worden waren. Die Frau war ihrerseits von dem Ex-Schwager und dessen Mutter engagiert und bezahlt worden. Motiv war das Bedürfnis die beiden Kinder in Südflorida bei den Großeltern mütterlicherseits zu haben. In den folgenden elf Jahren wurden fünf Personen wegen des Mordes in mehreren Strafprozessen verurteilt.[7] Der Fall war Gegenstand nicht nur der Berichterstattung, sondern auch von Sondersendungen im Tru-Crime-Formats und Gegenstand eines Tru-Crime-Podcasts.[13]
Der Toyota Prius konnte mit Hilfe von Aufnahmen von Überwachungskameras als ein am 16. Juli 2014 in Miami von einem Luis R. gemieteter Leihwagen identifiziert werden.[12] Hierdurch geriet neben dem Mitglied der Gang Latin Kings auch sein Jugendfreund Sigfredo G. in Verdacht. Handydaten der beiden und GPS-Daten des Fahrzeuges zeigen, dass beide vor der Tat nach Tallahassee reisten und zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes waren.[14]
Strafverfahren gegen Täter
Am 25. Mai 2016 wurde Sigfredo G. in Hallandale Beach wegen Drogenbesitzes und wegen eines Haftbefehls wegen des Mordes verhaftet.[15] Im Juni 2016 ließ eine Gran Jury die Anklagen gegen Sigfredo G. und Luis R. zu. Luis R. befand sich zu dem Zeitpunkt wegen anderer Straftaten bereits in Polizeigewahrsam.[16]
Nachdem Luis R. mit der Staatsanwaltschaft einen Deal erreicht hatte bekannte er sich im Oktober 2016 für schuldig einen Mord zweiten Grades begangen zu haben. Er erklärte sich bereit zu kooperieren und gegen andere Tatbeteiligte auszusagen. Im Gegenzug wurde ihm, dem unter Umständen die Todesstrafe drohte, eine geringere Strafe in Aussicht gestellt. Nach dem Schuldbekenntnis wurde auf eine neunzehnjährige Freiheitsstrafe ernannt, die gleichzeitig mit einer bandenkriminalitätsbezogenen Strafe von zwölf Jahren abgeleistet werden sollte.[14]
Ausgehend von der Annahme, dass jemand aus der Familie der Ex-Frau den Mord in Auftrag gegeben hatte, begann das FBI Überwachungsmaßnahmen. Telefon- und andere Gespräch von Familienmitgliedern mit Kathrine M. wurden abgehört. Ein Beamter gab sich als Erpresser aus und trat an Markels Ex-Schwiegermutter mit einer fingierten Schweigegeldforderungen heran, um die Kommunikation über die Tat in der Familie zu fördern.[11]
Am 1. Oktober 2016 wurde Kathrine M., eine ehemalige Geliebte eines Schwagers von Daniel Markel und Mutter der Kinder von Sigfredo G. unter dem Vorwurf, sie habe Luis R. und Sigfredo G. für den Mord im Auftrag der Familie seiner Ex-Frau angeheuert, im Broward County festgenommen, von wo sie zur Strafverhandlung an das Leon County ausgeliefert wurde. Bankdaten zeigten einen erheblichen Anstieg an Bareinzahlungen auf ihr Konto in den zwölf Monaten nach der Tat und Telefondaten zeigten zahlreichen Kontakte vor dem Mord zu Markels Schwager einerseits und Luis R. andererseits.[12] Zur Festnahme beigetragen hatte die Aussage des nun kooperativen Luis R.[14] Gegen Sigfredo G. und Kathrine M. wurde gemeinsam verhandelt. Nach elf Verhandlungstagen sprach die Jury ihn am 11. Oktober 2019 schuldig wegen Mordes ersten Grades, sprach ihn aber im Anklagepunkt der Anstiftung frei. Die Jury konnte sich nicht einigen sie zu verurteilen. Der Richter erklärte daraufhin den Prozess gegen sie für fehlgeschlagen (Mistrial).[17] Die Staatsanwaltschaft beantragte zwar die Todesstrafe, die Jury entschloss sich jedoch dazu nur eine lebenslange Freiheitsstrafe für ihn zu verhängen.[18]
Am 18. Mai 2022 begann ein erneuter Prozess gegen Kathrine „Katie“ M. wegen der Vorwürfe des Mordes ersten Grades an Daniel Markel, der Anstiftung zum Mord und wegen Verschwörung.[19] Der Prozess hatte schon im Oktober 2021 beginnen sollen, war aber unter anderem wegen der COVID-19-Pandemie verschoben worden.[20] Die Staatsanwaltschaft stützte sich auf die Aussagen von Luis G., Bankunterlagen, die einen Einkommensanstieg bei ihr anzeigten, Telefondaten, und ein abgehörtes Gespräch zwischen ihr und Markels Schwager in einem Restaurant. Hierdurch belegte die Staatsanwaltschaft ihre These, dass Kathrine M. als Verbindung zwischen den beiden Auftragsmördern und den Hintermännern aus der Familie von Markels Ex-Frau gehandelt habe. Am 27. Mai 2022 sprach die Jury sie schuldig in allen drei Anklagepunkten.[19] Eine, unter anderem auf eine mögliche Verletzung des 5. Verfassungszusatzes gestützte, Berufung von Kathrine M. wurde im Sommer 2025 abgewiesen.[21]
Strafprozesse gegen Auftraggeber
Während der Prozess gegen Katherine „Katie“ M. noch bevorstand, wurde im April 2022 Markels Ex-Schwager verhaftet und wegen Anstiftung und Verschwörung zum Mord an Markel, sowie wegen Mordes ersten Grades angeklagt.[22] Am 23. Oktober 2023 begann der Strafprozess mit der Auswahl der Geschworenen[23] und am 26. Oktober 2023 wurden die Eröffnungsplädoyers gehalten[24]. Katie M. sagt in dem Strafprozess gegen den Ex-Schwager aus, dass der Angeklagte sie erstmals bei einer Halloweenparty 2013 angesprochen habe, ob sie jemanden kenne, der jemanden schädigen könne. Es sei ihr klar gewesen, dass er seinen Schwager meinte. Im folgenden Sommer habe er deutlicher gedrängt, das zu erledigen. Luis R. bestätigte, dass sie ihn und Sigfredo G. für $ 100.000 angeheuert habe. Das Geld sei vom Angeklagten bezahlt worden und zwischen ihm, Kathrine M. und Sigfredo G. zu gleichen Teilen aufgeteilt worden. Der Angeklagte selbst hatte behauptet, dass die drei selbstständig gehandelt hätten, Zahlungen seien nur wegen Erpressungen erfolgt.[25] Auch Aufzeichnungen von 2016 vom FBI angehörten Gesprächen wurden abgespielt.[26] Nach sieben Verhandlungstagen sprach ihn die Jury am 6. November 2022 in allen Punkten für schuldig.[27] Am 12. Dezember 2023 wurde das Strafmaß auf lebenslänglich festgesetzt.[28] Im Januar 2025 legte der Ex-Schwager aus formalen Gründen Rechtsmittel gegen die Strafhöhe ein.[29] Das Rechtsmittel wurde abgewiesen, da die Fehler keine Auswirkungen gehabt hätten.[30] Eine im Oktober 2024 außerdem eingelegte und auf einen angeblichen Interessenkonflikt seines Anwaltes gestützte Berufung wurde im Januar 2025 vom Berufungsgericht abgewiesen.[31]
Nachdem ihr Sohn am 6. November 2022 schuldig gesprochen war, hatte Markels Ex-Schwiegermutter mit ihm ein Telefongespräch über ein überwachtes Telefon. In der Konversation äußerte sie, dass sie Erkundigungen über Länder ohne Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten eingeholt habe. Am 13. November wurden die Schwiegereltern am Miami International Airport festgehalten, im Besitz von Einweg-Flugtickets nach Vietnam, das kein Auslieferungsabkommen mit den USA hat. Die Schwiegermutter wurde darauf hin verhaftet.[32] Gegen Markels Schwiegermutter wurde als Fünfte ein Strafprozess geführt. Der Prozess sollte im September 2024 beginnen, aber bereits zu Beginn der Auswahl der Geschworenen legte der Hauptverteidiger Dan Rashbaum das Mandat wegen eines möglichen Interessenkonflikts nieder. Er hatte bereits ihren Sohn im Markel-Fall verteidigt.[33] Drei Wochen später schloss der Richter die verbliebenen Verteidiger aus, da eine ethische Mauer zwischen ihnen und Rashbaum nicht gewährleistet sei.[34]
Im August 2025 wurde erneut gegen die Ex-Schwiegermutter der Prozess eröffnet, sie war erneut angeklagt wegen Mordes ersten Grades, sowie wegen Verschwörung und Anstiftung zum Mord. Das Strafverfahren gegen sie wurde von der Presse neben hochkarätigen Prozessen wie gegen Sean „Diddy“ Combs und Luigi Mangione als einer der sensationellsten Prozesse des Sommers 2025 angesehen.[11] In dem im Fernsehen übertragenen Prozess sagten Luis R. Und Kathrine M. aus. Er erklärte, dass er gewusst habe, dass Daniel Markel wegen des Sorgerechts erschossen worden sei. Er habe aber nicht gewusst, wer die Angeklagte sei. Kathrine M. beschrieb die Übergabe der $ 100.000 und, dass das Geld feucht gewesen sei, da die Ex-Schwiegermutter es noch gewaschen habe. Sie habe nach der Tat 44 Gehaltsschecks von der Zahnarztpraxis des Ex-Schwiegervaters erhalten, ob wohl die dort nie gearbeitet habe. Diese seien stets von der Ex-Schwiegermutter unterschrieben gewesen. Den Geschworenen wurden Auszüge der Kommunikation der Angeklagten mit Familienmitgliedern präsentiert und vom FBI abgehörte Gespräche wurden abgespielt. Zwei Mitgefangene der Ex-Schwiegermutter sagten aus, dass sie ihnen gegenüber die Tat eingeräumt habe. Sie habe sie zu bestechen versucht auszusagen, dass Kathrine M. die Tat allein geplant habe und sie dann erpresst habe. Eine der beiden Zeuginnen legte ein von der Ex-Schwiegermutter verfasstes Papier vor, in der sie diese Geschichte zum Auswendiglernen niedergeschrieben hatte. Auch ihr ältester Sohn, der sich 2016 mit der Familie wegen des Mordes überworfen hatte, sagte zur dominierenden Rolle seiner Mutter in der Familie aus.[35] Die Verteidigung rief zahlreiche Charakterzeugen und den Scheidungsanwalt von Markel’s Ex-Frau auf. Der Anwalt beschrieb den Sorgerechtsstreit als weniger feindselig, als öffentlich dargestellt. Die Schwiegermutter verzichtete auf eine Aussage in eigenen Sache. Nach der zweiwöchigen Strafverhandlung Sprachen die Geschworenen sie nach dreistündiger Beratung am 6. September 2025 in allen Anklagepunkten für schuldig.[36] Die Verteidigung beantragte wegen angeblichen Fehlverhaltens von zwei Geschworenen und Parteilichkeit des Richters, noch vor der Festsetzung der Strafhöhe, eine Neuaufnahme des Prozesses. Das Gericht wies den Antrag ab.[37] Am 13. Oktober 2025 wurde die Strafe für den Mord auf lebenslänglich, ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung festgelegt. Für die Anstiftung und die Verschwörung zum Mord wurde die Schwiegermutter zu je dreißig Jahren Freiheitsentzug verurteilt, zu verbüßen nach der lebenslangen Gefängnisstrafe.[38] Am Dienstag, dem 4. November legten ihre Strafverteidiger Berufung dem Grunde und der Höhe der Verurteilung nach ein.[39]
Folgen
Im Juni 2022 fertigte Gouverneur Ron DeSantis das Gesetz HB 1119, auch bekannt als Markel Act, aus, dass von dem Fall angeregt war. Mit dem Gesetz wurden in Florida Großeltern Besuchsrechte eingeräumt, wenn sie die Eltern eines verstorbenen Elternteils sind und für den anderen Elternteil ein Verschulden am Tod des verstorbenen Elternteils gerichtlich festgestellt wurde.[40]
Populärkultur
Unter der Regie von Stephen Schuster wurde die 2017 ausgestrahlte Fernsehdokumentation Marked for Murder in der Reihe People Magazine: Investigativ über den Mordfall gedreht.[41] Der Fall wurde 2023 in einer Episode von 20/20 auf ABC[42] sowie 2021 und 2024 in Dateline auf NBC in zwei Folgen behandelt.[43] Anfang 2026 griff 20/20 den Fall erneut auf.[10]
Der erfolgreiche Podcast Over my Dead Body befasste sich 2019 mit dem Mordfall.[4] Der National Law Enforcement Officers Memorial Fund veröffentlicht 2025 einen zweiteiligen Podcast in der Serie Law and Disorder names The Murder of Dan Markel: Finding the Truth.[44]
Der Roman We Would Never der US-amerikanischen Autorin Tova Miris ist an dem Kriminalfall angelehnt. Markel war ein Bekannter der Autorin.[45]
Veröffentlichungen
- Privilege or Punish: Criminal Justice and the Challenge of Family Ties