Daniel Mellem
deutscher Schriftsteller
From Wikipedia, the free encyclopedia
Daniel Mellem (geboren 1987 in Hamburg) ist ein deutscher Schriftsteller.
Leben und Werk
Mellem studierte Physik in London und an der Universität Hamburg, wo er 2016 bei Michael Rübhausen über mitochandriale Netzwerke promovierte. Danach arbeitete er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig an seinem ersten Romanprojekt Die Erfindung des Countdowns, für das er 2017 mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet wurde. 2018 war er Teilnehmer der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung im Herrenhaus Edenkoben.[1]
Der biographische Roman Die Erfindung des Countdowns erschien 2020 als Originalausgabe bei dtv. Er behandelt weitgehend chronologisch das Leben des Raketenpioniers Hermann Oberth. Der Titel bezieht sich auf eine Episode der Entstehung von Fritz Langs Film Frau im Mond von 1929, bei der Oberth als Berater fungierte und die Idee des Herunterzählens bis zum Start der Rakete bei 0, später bekannt geworden als Countdown, gehabt haben soll. Kritisiert wurde der Roman etwa von Martin Halter in der FAZ als eine konventionelle Abschilderung der Lebensstationen des stets im Schatten von Wernher von Braun stehenden Oberth. In der Süddeutschen Zeitung urteilt Nicolas Freund:
„Ein historischer Roman, leicht zu lesen, mit einem abseitigen Thema, aber ohne allzu störende Exkurse oder Thesen. Mellem studierte […] am Literaturinstitut in Leipzig, und auch diese Schule merkt man seinem Text an. Fast programmatisch führt der Roman genau jenes filmische Erzählen vor, das den Schreibschulschülern immer vorgeworfen wird. Die Dramaturgie dieses Romans ist mehr an Hollywood-Biografien, als an Literatur geschult.“[2]
2026 erschien Mellems zweiter Roman Einstein im Bade bei Kein & Aber, der sich ebenfalls einem Wissenschaftsthema widmet, und zwar der 86. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, die vom 19. bis 25. September 1920 in Bad Nauheim stattfand, bei der zahlreiche Nobelpreisträger teilnahmen[3], darunter Albert Einstein und Philipp Lenard, ein Gegner der Einsteinschen Relativitätstheorie und Vertreter einer „deutschen Physik“, der sich später von den Nazis vereinnahmen ließ. Zwischen Einstein und Lenard kommt es zu einer denkwürdigen Auseinandersetzung. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines Herrn Kleeberger, seines Zeichens Direktor des Hotels „Rastender Kranich“ im mit über 2000 Teilnehmern des Treffens restlos ausgebuchten Bad Nauheim. Kleeberger versucht nun im Namen von Ruhe und Harmonie, die Kontrahenten miteinander zu versöhnen – aber auch mit dem Ziel, Werbung für sein Hotel zu machen. Es kommt zum Showdown zwischen dem Juden Einstein und dem Antisemiten Lenard, der aber weder zu einem Duell noch zu einem Ergebnis führt, während die Situation im Hotel weiter auf den Abgrund zu treibt. Katharina Stegelmann schreibt in Der Spiegel:
„Der Autor zeichnet seinen liebenswerten Ich-Erzähler als einen aus der Zeit gefallenen Mann, der aus moralischen Gründen über seinen Schatten springt […]. Wie Mellem die Figur durch ihre Sprache lebendig werden lässt, bereitet viel Vergnügen. Und obwohl der Roman vor 100 Jahren spielt, passt er in unsere Zeit von Disruption und unversöhnlichen Standpunkten.“[4]
Ähnlich äußert sich Annemarie Stoltenberg im NDR:
„Daniel Mellem ist das Kunststück gelungen, heiter und mit bewundernswerter Leichtigkeit von einer historischen Begebenheit zu erzählen. Wissenschaft, die von menschenverachtender Ideologie, verblendetem Nationalstolz und Ignoranz vereinnahmt werden sollte.“[5]
Auszeichnungen
- 2017 Retzhof-Preis für junge Literatur für das Romanprojekt Die Erfindung des Countdowns
- 2018 Hamburger Literaturförderpreis für einen Auszug aus dem Romanmanuskript Die Erfindung des Countdowns
- 2018 Stipendiat der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung zur Förderung junger Künstler[1]
Bibliografie
- Mitochondrial Networks. Dissertation Universität Hamburg 2016. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Hamburg 2017 (online).
- Die Erfindung des Countdowns. Roman. dtv, München 2020, ISBN 978-3-423-28238-3. E-Book: ISBN 978-3-423-43767-7.[6]
- Hörbuch: Die Erfindung des Countdowns. Ungekürzte Lesung mit Sebastian Rudolph. Der Audio Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7424-1703-9 (CD), ISBN 978-3-7424-1703-9 (MP3).
- Einstein im Bade. Kein & Aber, Zürich & Berlin 2026, ISBN 978-3-0369-5087-7 (E-Book: ISBN 978-3-0369-9541-0).
Weblinks
- Literatur von und über Daniel Mellem im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Daniel Mellem bei Perlentaucher
- Daniel Mellem, Verlagsseite von Kein & Aber
- Daniel Mellem, Verlagsseite von dtv