Daniel Rebour
französischer Zeichner und Journalist
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Daniel Robert Marcel Rebour (* 11. November 1908 in Le Havre; † 12. Mai 1987 in Dieppe)[1] war ein französischer Zeichner und Journalist. Er schuf Tausende von detaillierten technischen Illustrationen von Zweirädern, deren Teilen und Zubehör für Versand- und Firmenkataloge sowie für Werbung.
Biographie
Familie und Privates
Daniel Rebour wurde als Sohn von Pauline, geborene Boyenval, und Raoul Rebour in Le Havre geboren. Er hatte zwei Geschwister, Rodolpho (1907–1999) und Alice (1904–1924). Beide Eltern waren als Lehrer tätig; die Mutter engagierte sich politisch für Frauenrechte und der Vater als Herausgeber einer feministischen Zeitschrift. 1912 zog die Familie nach Courbevoie bei Paris, wo beide Eltern in verschiedenen Bereichen tätig waren: der Vater unter anderem als Autor, Lokalpolitiker und Herausgeber, die Mutter als engagierte Frauenrechtlerin und Anwältin.[1] Rebour heiratete drei Mal, zuletzt 1948 Simone Francais. Die Ehe dauerte bis zu seinem Tod.[2]
Rebour war ein begeisterter Fahrradfahrer. In seiner Jugend bestritt er Amateurrennen, später fuhr er täglich mit dem Rad zur Arbeit. Während des Zweiten Weltkriegs startete er regelmäßig bei Radwanderfahrten, wie etwa beim Poly de Chanteloup. Ab 1944 nahm er oft gemeinsam mit seiner Frau Simone auf dem Tandem an solchen Fahrten teil.[3] 1949 stellte Simone Rebour mit 6:57 Stunden einen Rekord über einen 200 Kilometer-Brevet auf.[4]
Werdegang
Im Alter von zwölf Jahren begann Rebour, sich für technische Objekte aller Art zu interessieren. So berichtete sein Bruder Rodolpho, dass Daniel eine alte Glocke der Gemeinde repariert habe.[5] Daniel Rebour besuchte das Lycée Pasteur in Neuilly-sur-Seine, wo er zwei Jahre jünger war als seine Klassenkameraden, zu denen auch sein Bruder Rodolpho gehörte. Mit 15 Jahren begann er zum Ärger seiner Mutter die Schule zu vernachlässigen, um in einem Fahrradgeschäft zu arbeiten. 1925 schloss er die Schule ab.[1] Zu dieser Zeit schufen die beiden Brüder erste Zeichnungen, zu denen ihr Vater die Texte verfasste. Ein erster Text wurde im August 1925 in der bekannten Sportzeitschrift L’Auto veröffentlicht. Die Brüder wechselten anschließend auf die École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris, die Daniel Rebour 1928 abschloss.[2]
Ab 1928 besuchte Rebour die „École supérieure d’art et design“ in Rouen und begann, als Testfahrer für die Wochenzeitschrift Moto Revue zu arbeiten. 1930, im Alter von 21 Jahren, wurde er Leiter der Illustrations-Abteilung und Mitglied der Chefredaktion dieses Magazins. Technische Illustrationen wurden Fotografien vorgezogen, da sie „klarer und ausdrucksstärker“ waren. Noch 1975 schrieb der japanische Radsport-Journalist Chizuka Imai: „The touch of each line in the illustration is so sharp that even the texture of the material is expressed in a way that photographs cannot come even come close to.“ („Die Linienführung in der Illustration ist so präzise, dass sogar die Materialstruktur auf eine Weise zum Ausdruck kommt, an die Fotos nicht einmal annähernd herankommen.“)[6] Aber Rebour zeichnete auch andere Motive wie etwa Karikaturen von Männern aus der Motorradszene und Szenen von Rennen.[2]
Mitte der 1930er Jahre hatte die französische Motorradindustrie eine Flaute, und die Verkaufszahlen der Moto Revue waren rückläufig. 1936 wechselte Rebour zur neuen Zeitschrift Sidecar Revue, die später in Les sports motorisés umbenannt wurde, aber schon 1937 schließen musste. Rebour arbeitete im Anschluss drei Jahre lang als freier Zeichner und schuf in dieser Zeit auch die Bronzeskulptur eines Motorradfahrers.[2] Ab 1939 illustrierte Rebour Kataloge für das Unternehmen Tecalemit, das Autoteile produzierte. Nach der Besetzung von Paris durch die deutsche Wehrmacht folgte er dem Unternehmen in das unbesetzte Biarritz, wo er seine spätere Frau Simone kennenlernte.[7]
Nach dem Krieg bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1973 arbeitete Rebour als Illustrator und technischer Redakteur für die 1945 gegründete Zeitschrift Le Cycle, deren Chefredakteur er ab 1960 war. Der US-amerikanische Radsporthistoriker David V. Herlihy: „Zum Glück für die Radfahrer ließ er sich wieder zum Fahrrad locken.“[5] Zudem arbeitete er für verschiedene Fahrradproduzenten und -händler wie André Bertin, René Herse und den Werkzeughersteller VAR und illustrierte deren Kataloge von Shimano- und Campagnolo-Produkten. In der Zeitschrift wiederum erstellte er ganze Seiten zu bestimmten Themen wie etwa „Fahrräder bei der Tour de France“. Von 1945 bis 1973 publizierte Le Cycle rund 10.000 Zeichnungen von Rebour. Rund 6000 davon befassten sich mit dem Thema Fahrrad, rund 3000 mit dem Motorrad.[8] Rebours Blick für Details führte dazu, dass er Herstellern Verbesserungsvorschläge für Fahrradzubehör machen konnte.[9] Auch verfasste er für Le Cycle Artikel zu Motorrad-Themen unter dem Pseudonym „Paul Boyenval“ (Boyenval war der Geburtsname seiner Mutter). Er selbst nahm in den 1950er Jahren an Motorradrennen teil, wie etwa dem Bol d’Or.[10]
Nach Ansicht seines Bruders Rodolpho war Daniels „Geheimnis“ neben seinem Zeichentalent und seiner technischen Begabung dessen Perfektion: Er habe die besten Stifte genutzt, spezielle Tinte und Fotopapier für seine Zeichnungen, und wenn er einen Fehler machte, habe er die Zeichnung neu begonnen.[9] Als Vorlage für die Illustrationen nutzte er fotografische Schwarz-Weiß-Negative.[11]
Daniel Rebour starb 1987 im Alter von 78 Jahren, seine Frau 1991 im Alter von 82 Jahren. Sein Bruder Rodolpho überlebte ihn zwölf Jahre.[2] In einem Interview mit Herlihy aus dem Jahre 1995 zeigte sich dieser verärgert über die mangelnde öffentliche Anerkennung seines Bruders Daniel. Herlihys Fazit: „There was, after all, only one Daniel Rebour and his trademark signature is indelibly etched in the pages of cycling history.“ („Es gab schließlich nur einen Daniel Rebour, und sein unverwechselbarer Stil hat sich unauslöschlich in die Seiten der Radsportgeschichte eingegraben.“)[9]
Publikationen (Auswahl)
- als Paul Boyenval: La pratique de la Moto. Technique & Vulgarisation, Paris 1948. (sechs Auflagen bis 1973)
- La pratique du Vélo. Technique & Vulgarisation, Paris 1949.
- Cycle. Compétition Cyclotourisme. Technique & Vulgarisation, Paris 1962, Vorwort von Paul Delay.
- Cycles de compétition et randonneuses. Technique & Vulgarisation, Paris 1975.
Literatur
- Le Monde de Daniel Rebour. Illustrated Evolution of Sports Vehicles and Parts. 1950-1976. Velo Publishing, Tokyo 1977. (weitere Bände bis 2005)
- David V. Herlihy: Daniel Rebour. A name etched in hardware history. In: Bicycle Guide. März 1995, S. 93–94.
- Heiko Strömer: Daniel Rebour. Part 1: His Life and Work. In: Bicycle Quarterly. Nr. 87. Seattle 2024, S. 70–89.
- Heiko Strömer: Daniel Rebour. Part 2: His Technique and Influence. In: Bicycle Quarterly. Nr. 88. Seattle 2025, S. 69–87.
- Rob Van der Plas/Frank J. Berto: Rebour: The Bicycle Illustrations of Daniel Rebour. Van Der Plas Publications, 2017, ISBN 978-1-892495-81-5.
Weblinks
- The Daniel Rebour Files – Les Fichiers Daniel Rebour – Rebour Scans. In: flickr.com. Abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
- Daniel Rebour. In: flickr.com. Abgerufen am 24. Mai 2026 (englisch).
- Jan Heine: Daniel Rebour – Rene Herse Cycles. In: renehersecycles.com. 3. Mai 2026, abgerufen am 3. Mai 2026 (englisch).
- Daniel Rebour – Original Art – Horton Collection. In: hortoncollection.com. Abgerufen am 24. Mai 2026 (englisch).
- Leslie Reissner: Pez Bookshelf: The Bicycle Illustrations of Daniel Rebour. In: PEZ Cycling News. Abgerufen am 24. Mai 2026 (englisch).