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Daniel Stelter (Ökonom)

deutscher Ökonom, Autor und Blogger From Wikipedia, the free encyclopedia

Daniel Stelter (* 29. Mai 1964 in West-Berlin) ist ein deutscher Ökonom und Sachbuchautor. Er schreibt als Kolumnist vorwiegend für Wirtschaftsmedien und publiziert das Medienformat Think Beyond The Obvious. Mit dem ehemaligen Welt-Herausgeber Ulf Poschardt betreibt er den Podcast Make Economy Great Again.

 Daniel Stelter
Daniel Stelter (2025)

Leben

Daniel Stelter studierte von 1984 bis 1988 Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule St. Gallen und wurde dort 1990 bei Fredmund Malik mit einer Dissertation zum Thema Unternehmensführung in Krisen promoviert.[1]

Im Jahr 1990 begann er seine berufliche Karriere in München bei der Boston Consulting Group (BCG).[2] Seit 1998 leitete er dort als Partner die Corporate Development Practice in Deutschland und Europa, ab 2003 trug er hierfür die globale Verantwortung. Von 2009 bis 2013 war er Mitglied des weltweiten Executive Committee des Unternehmens.

Er schreibt u. a. Kolumnen für die Wirtschaftswoche und den Cicero.[3] 2015 publizierte Der Spiegel eine Diskussion zwischen ihm und dem Ökonomen Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Zustroms von Flüchtlingen.[4]

Seit 2013 betreibt Stelter den Blog und Podcast Think Beyond The Obvious, der zeitweise auch bei Gabor Steingarts The Pioneer erschien.[5] Seit 2024 publiziert Stelter mit Ulf Poschardt den Welt-Podcast Make Economy Great Again.[6]

Er wurde 2010 mit dem getAbstract International Book Award für sein Buch Accelerating out of the Great Recession ausgezeichnet, der jährlich auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird.[7]

Stelter ist verheiratet und hat drei Kinder.

Rezeption

In seiner Besprechung von Ein Traum von einem Land – Deutschland 2040 beschreibt Hans-Jürgen Jakobs im Februar 2021 im Handelsblatt Daniel Stelter als „glasklar“ in der Analyse, „bei der Therapie und dem Reformkatalog“ sei er „ungemein fleißig, aber nicht nachhaltig erhellend“. Der präsentierte Maßnahmenkatalog wirke in Teilen diffus und lasse in der konkreten Umsetzung Fragen offen. Stelters Ansatz, Deutschlands Wirtschaft produktiver zu machen, wird als ambitioniert, aber mit Schwächen in der methodischen Darstellung beschrieben. Außerdem falle Stelters Bias auf – er scheine überall Sozialismus und „Neodirigismus“ zu spüren: Die Grünen wollten den Deutschen ihr Einfamilienhäuschen wegnehmen, die Journalisten hätten eine „tendenziell ablehnende Haltung gegenüber unserer Wirtschaftsordnung“. Stelter lasse hingegen in seiner Analyse die Fehlleistungen von Wirtschaftsführern in der Finanzkrise und Autokrise unter den Tisch fallen. Laut dem Text im Handelsblatt habe sich der Staat entgegen Stelters Einschätzung „unter dem jahrelangen Mantra der Deregulierung regelrecht verzwergt“. Dies spiele bei Stelter jedoch keine Rolle – er ziehe keine Lehren aus Dieselgate und dem Wirecard-Betrugsskandal.[8]

Im April 2026 erschien Stelters Buch Absturz: So retten wir Deutschland, das auf Platz vier in die Spiegel‑Bestsellerliste einstieg.[9] Götz Hamann von der ZEIT hält dem Buch in einem Artikel über „rechte Besteseller“ zugute, immerhin eine konkrete Reformagenda zu enthalten. Diese sei jedoch „weder neu noch originell“ – sie sei „eine Essenz allen liberalen, sozialstaatskritischen Denkens der vergangenen 25 Jahre: mehr arbeiten, länger arbeiten, weniger soziale Sicherheit, mehr eigenes Risiko, weniger Steuern, mehr Bildung, Rückbau des Staates, geringere Belastungen, mehr Freiheit“.[10] Eine Besprechung im Wirtschaftsmagazin Surplus attestiert dem Buch „gesamtwirtschaftliche Herausforderungen mit einer betriebswirtschaftlichen Logik anzugehen“. Stelter kümmere sich nicht um die Nachfrage. Sein Programm bestehe darin, intern abwerten zu wollen, „um die internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, und dabei Staat und Sozialsysteme [zu] schleifen“. Stelter gehe mit allen Parteien hart ins Gericht – die AfD komme in seinem Buch indes nicht vor. Sein „Kettensägenprogramm“ sei aus der Zeit gefallen, da billige fossile Energie nicht mehr zur Verfügung stehe und die „zuverlässig steigende Nachfrage aus dem Ausland“ weggefallen sei. Alternative Szenarien zur Stärkung des europäischen Binnenmarkts, wie im Draghi-Report beschrieben, würden von Stelter als „Realitätsleugnung“ betitelt. Stelter betreibe in seinem Buch ein „Stichpunkt-Stakkato“; es offenbare „einen gefährlichen Mangel an sorgfältiger Analyse“.[11] Der stellvertretende Chefredakteur des Hamburger Abendblatts empfiehlt das Buch, da es eine pointierte, faktenreiche und meinungsstarke Bestandsaufnahme der deutschen Wirtschaft sei sowie eine „Abrechnung mit den Schönrednern, Gesundbetern, Beschwichtigern“. Dabei müsse man seine Vorschläge nicht teilen, aber sie diskutieren.[12] Eine Rezension im Magazin Cicero bewertet Stelters Buch überwiegend positiv. Der Autor Thomas Hagenbucher hebt hervor, dass Stelter eine „schonungslose Bestandsaufnahme“ der wirtschaftlichen Lage Deutschlands vorlege und seine Argumentation auf zahlreiche ökonomische Kennzahlen stütze. Besonders hervorgehoben wird die klare und zugespitzte Darstellung struktureller Probleme wie stagnierende Produktivität, demografischer Wandel, hohe Energiepreise sowie bürokratische Hemmnisse. Stelter knüpfe damit an frühere Arbeiten an und sehe viele seiner bereits 2018 formulierten Warnungen bestätigt. Zugleich verweist die Rezension darauf, dass Kritiker dem Autor eine unzureichende Berücksichtigung externer Faktoren wie geopolitischer Krisen oder pandemiebedingter Effekte vorwerfen könnten. Insgesamt gelangt Cicero jedoch zu dem Urteil, dass das Buch einen erheblichen Erkenntnisgewinn zur wirtschaftlichen Lage Deutschlands biete und eine politische „Zukunftsagenda“ mit Reformvorschlägen etwa zu Staatsquote, Steuern, Bürokratie und Migration enthalte.[13]

Veröffentlichungen

  • mit David Rhodes: Accelerating Out of the Great Recession. McGraw-Hill, New York 2010, ISBN 978-0071718141.
  • Nach der Krise ist vor dem Aufschwung. Wie Unternehmen die stagnierende Wirtschaft für Überholmanöver nutzen. FinanzBuch Verlag, München 2010, ISBN 978-3-89879-609-5.
  • Die Billionen-Schuldenbombe. Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht zu Ende ist. Unter Mitarbeit von Veit Etzold, Ralf Berger & Dirk Schilder. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2013, ISBN 978-3-527-50747-4.
  • Die Krise … ist vorbei … macht Pause … kommt erst richtig: Was passiert mit unserem Geld? 77 Bilder zum Selberdenken und Mitreden. FinanzBuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-89879-875-4.
  • Eiszeit in der Weltwirtschaft. Die sinnvollsten Strategien zur Rettung unserer Vermögen. Campus Verlag, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-593-50514-5.
  • Das Märchen vom reichen Land. Wie die Politik uns ruiniert. FinanzBuch Verlag, München 2018, ISBN 978-3-95972-153-0.
  • Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise. Campus Verlag 2020, ISBN 978-3-593-51321-8.
  • Ein Traum von einem Land: Deutschland 2040. Campus Verlag, Frankfurt 2021, ISBN 978-3-593-51277-8.
  • Absturz: So retten wir Deutschland. Langen-Müller Verlag, München 2026, ISBN 978-3784437712.

Einzelnachweise

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