Daniel und der Weltmeister
Film (1963)
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Daniel und der Weltmeister ist ein Kinderfilm von Ingrid Meyer (später Ingrid Reschke) von 1963, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Wera und Claus Küchenmeister. Er war der erste längere DEFA-Spielfilm einer Regisseurin.
| Film | |
| Titel | Daniel und der Weltmeister |
|---|---|
| Produktionsland | DDR |
| Erscheinungsjahr | 1963 |
| Länge | 52 Minuten |
| Produktionsunternehmen | DEFA-Studio für Spielfilme, KAG „Berlin“ |
| Stab | |
| Regie | Ingrid Meyer |
| Drehbuch |
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| Musik | Hans-Joachim Geisthardt |
| Kamera | Rudi Müller |
| Schnitt | Christa Stritt |
| Besetzung | |
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Handlung
Daniel ist ein etwa fünfjähriger Junge, der einmal ein solch erfolgreicher Radrennfahrer wie Täve Schur werden möchte. Um zu trainieren, ist er nur mit seinem Dreirad unterwegs, und wenn es nur vom Bett über das Bad zum Küchentisch ist. Dort wartet das Problem, denn er möchte nicht seine Milch zum Frühstück trinken. So lässt er sich immer wieder neue Tricks einfallen, um sich davor zu drücken. Das treibt er so weit, bis seine Mutter das Dreirad einschließt.
Um seiner Mutter zu beweisen, dass man als Weltmeister keine Milch trinken muss, macht er sich in seinen Gedanken mit seinem Dreirad auf den Weg zu Täve, um sich die Bestätigung dafür zu holen. Dieser Weg führt ihn durch die halbe DDR, denn Täve ist vielbeschäftigt – er ist ja auch Abgeordneter der Volkskammer der DDR –, und Daniel bekommt viele Hinweise von Leuten, wo er ihn finden könnte. So kommt er an einer Kuhweide vorbei, wo ein Melker gerade bei der Arbeit ist. Die ihm angebotene frische Milch lehnt er natürlich ab, was die Kühe sehr böse werden lässt. Aber er bekommt noch den Tipp, Täve in Leipzig zu suchen. Hier entdeckt er das Schlagwerk am Krochhochhaus, welches er nach Wunsch beliebig oft schlagen lassen kann. Als ihm einfällt, dass er ja zu Täve will, wird er zur Deutschen Hochschule für Körperkultur geschickt, wo dieser studiert, um seinen Trainerschein zu machen. Doch hier trifft er viele Sportler verschiedener Sportarten, nur keinen Radsportler. Dafür bekommt er aber einen neuen Hinweis, wo er weitersuchen könnte.
Auf seinem weiteren Weg kommt Daniel an einer Brückenbaustelle vorbei, deren Arbeiter sehr unglücklich sind, da ein Rad im Antrieb ihres Krans defekt ist. Die Brücke muss aber fertiggestellt werden, denn darüber sollen in kurzer Zeit Radfahrer in einem Rennen fahren. Schweren Herzens gibt Daniel ihnen das vordere Rad seines Dreirades, und der Kran kann damit repariert und somit der Brückenbau beendet werden. Daniel muss nun zu Fuß weiter, doch in einem Stahlwerk erhält er ein neues Vorderrad und den Hinweis, wo ein Straßenrennen mit Täve stattfindet. Um dieses noch zu erreichen, helfen ihm seine bisherigen Bekannten durch starkes Pusten, wodurch er eine hohe Geschwindigkeit erreicht und gemeinsam mit Täve im Ziel eintrifft.
Als Täve nach dem Sieg überraschend zu einer Flasche Milch greift und auch Daniel davon zu trinken gibt, ist dieser nun auch zwangsläufig davon überzeugt.
Hintergründe
Daniel und der Weltmeister war der Diplomfilm von Ingrid Meyer (die bei der Uraufführung bereits Ingrid Reschke hieß) an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Er wurde in Zusammenarbeit mit der Künstlerischen Arbeitsgruppe „Berlin“ wahrscheinlich bereits 1962 einige Zeit vor der Erstaufführung gedreht, zum Teil auf Agfa-Color. Er war der erste längere DEFA-Film einer Regisseurin.[1]
Die Premiere war am 6. Oktober 1963 im Berliner Kino Babylon, danach wurde er einige Wochen in Kinderfilmprogrammen in Kinos gezeigt.[2] 2016 zeigte ihn das Zeughauskino in Berlin wieder[3] und 2019 wurde ein Vortrag über ihn bei der DEFA-Kinderfilm-Tagung in Halle (Saale) gehalten.[4]
Rezeption
Mehrere Rezensionen lobten die ungewöhnliche Verknüpfung von Märchenmotiven mit Alltagssituationen und die geschickte Umsetzung mit Rückblenden und verschiedenen Aufnahmetechniken. Allerdings wurde dem Film nicht die verdiente Aufmerksamkeit wie bei Produktionen für Erwachsene zuteil.
Der Berliner Filmrezensent Günter Sobe bezeichnete ihn nach der Uraufführung 1963 als
„ein modernes Märchen. Es ist das erste Mal, daß so etwas bei der DEFA gelang. Seit dem „Kleinen Kuno“ von Jung-Alsen gibt es überdies keinen DEFA-Kinderfilm, der so wohltuend einheitlich und künstlerisch überzeugend gestaltet wurde (...) Der große Vorzug der Daniel-Geschichte ist, daß hier der Alltag märchenhaft überhöht erscheint, ohne daß er primitiv versimpelt oder gar filmwunschgemäß zurechtgebogen wäre. (...) Der durchgehende Märchenton aber wurde mit einem technischen Kniff erreicht, nämlich, daß der Daniel mit einem anderen Objektiv aufgenommen wurde als ein Großteil der übrigen Handlung und beides dann zusammenkopiert wurde (...) Den Kindern macht der hübsche bunte Film viel Spaß. (...)“[5]
Der Filmhistoriker Jan Gympel ergänzte 2016
„Bemerkenswert ist die originelle, einen Verfremdungseffekt erzielende Idee, den kleinen Titelhelden die meiste Zeit nicht nur vor einer Rückprojektion agieren, sondern auch mit den dort zu sehenden Figuren und Geschehnissen interagieren zu lassen. Dieses Experiment steht im Kontrast zu dem Off-Kommentar, der auch in seinem tantenhaften Tonfall höchst konventionell wirkt. (...) Es wäre zu diskutieren, ob die allgemeine Geringschätzung von Kinderfilmen – die daher von der Filmgeschichtsschreibung auch nur in Ausnahmefällen beachtet werden – dazu beitrug, daß Frauen zunächst vor allem auf diesem Gebiet die Machtposition des Regiestuhls erobern konnten. .“[6]
Literatur
- Daniel und der Weltmeister In: F.-B. Habel: Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-349-7, S. 724.