Danny Seagren

US-amerikanischer Schauspieler, Tänzer und Puppenspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Daniel Morley Seagren (* 15. November 1943 in Minneapolis, Minnesota; † 10. November 2025 in Little River, Horry County, South Carolina) war ein US-amerikanischer Schauspieler, Tänzer und Puppenspieler. Er war der erste Darsteller, der die Figur Spider-Man real im Fernsehen verkörperte. Er war von 1969 bis 1982 vor der Kamera und als Synchronsprecher aktiv.[1][2][3]

Leben

Seagren war der Sohn von Carol Christine Linner und Morley Raymond Seagren und der Bruder von Stephen Linner Seagren. Er absolvierte zunächst eine klassische Tanz- und Ballettausbildung. 1968 zog er nach New York City.[4][5][4][6]

Seinen Ruhestand verbrachte er in Little River im US-Bundesstaat South Carolina. Seagren starb fünf Tage vor seinem 82. Geburtstag. Er wurde von seiner Lebensgefährtin Kate Vereau, seinem Bruder, dessen Frau und seinem Neffen überlebt. Er selbst blieb kinderlos und war nie verheiratet.[7]

Karriere

In New York City lernte Seagren Jim Henson kennen, den Schöpfer der Muppets und der Fraggles.[7]

Henson bildete Seagren im Puppenbau und in der Puppenführung aus und legte damit den Grundstein für dessen lange Karriere im Kinderfernsehen und in der Unterhaltung. In der Originalversion der Sesamstraße (englisch Sesame Street) war er Teil der Puppenspieler der beliebten Figur Ernie und führte deren rechte Hand. Gelegentlich vertrat er Caroll Spinney (1933–2019), den Hauptdarsteller der Figur Bibo (englisch Big Bird). So trat Seagren 1968 in der Ed Sullivan Show als Rentier in Jim Hensons Version des weihnachtlichen „Reindeer Bit“ auf. Bei weiteren Auftritten in der Sendung verkörperte der ausgebildete Tänzer Bibo in einer Tanznummer zusammen mit Vogelbeobachtern um so für das damals neue Kinderformat vor einem Millionenpublikum zu werben. Außerdem vertrat er Spinney in den Folgen 83 und 86 der Sesame Street, als dieser krank war, übernahm die Rolle von Bibo auch für Besetzungsfotos und war mit der menschlichen Besetzung der Sesame Street auf Werbetournee durch die Vereinigten Staaten, um die zweite Staffel zu bewerben. Insgesamt wirkte Seagren von 1969 bis 1972 in 35 Folgen der Sendung mit sowie in verschiedenen Muppet-Fernsehfilmen, darunter The Great Santa Claus Switch und Die Muppetmusikanten von Bremen.[1][7]

In der Fernsehserie Who’s Afraid of Opera? sprach er in den Jahren 1972 und 1973 Rudi in acht Folgen und steuerte Puppenmodelle zu.[1][2][3]

Durch Kontakte, die er bei seiner Arbeit beim Children’s Television Workshop (CTW) gewonnen hatte, kam es 1974 zu einem Vorsprechen beim Produzenten von The Electric Company, Andrew Ferguson, für die Rolle des Spider-Man. Seagren sagte in einem Interview aus dem Jahr 2017, er habe das Kostüm angezogen und sei auf einen Aktenschrank geklettert. Als Ferguson in den Raum kam, „sprang ich über seine Schulter — aber nicht ganz über seinen Kopf — und landete auf dem Schreibtisch in der Mitte des Raumes. Ich weiß nicht mehr, ob er geschrien hat, aber er sagte: ‚Oh, mein Gott.‘ Ich machte noch ein paar weitere Bewegungen und er sagte: ‚Du hast den Job.‘“ Er wurde so der erste Schauspieler, der Spider‑Man in einer Realverfilmung darstellte. In der Kindersendung spielte er an der Seite von Rita Moreno und Morgan Freeman im beliebten Segment Spidey Super Stories die Hauptrolle. Da die Serie Kindern das Lesen erleichtern sollte, hatte er keine Dialoge; stattdessen erschienen Sprechblasen im Bild (englisch Remedial Reading). Seagren entwickelte eine eigene körperliche Ausdrucksweise für die Rolle, die stark von Tanz und pantomimischen Bewegungen geprägt war. Dank Chroma‑Key-Technik wurde er in Comicbuch-Szenen eingeblendet – damals eine Neuheit. Bis zum Ende der Dreharbeiten im Jahr 1977 blieb er in insgesamt 29 Folgen der Darsteller der Figur. Marvel Comics veröffentlichte begleitend zur Sendung Spidey Super Stories als Comic‑Ableger, der bis 1982 mit insgesamt 57 Ausgaben veröffentlicht wurde – gut fünf Jahre nach dem Produktionsende. The Electric Company selbst wurde bis ins Jahr 1985 wiederholt.[1][7]

Parallel zur Ausstrahlung der Serie trat Seagren, oft an Wochenenden, landesweit als Spider‑Man auf Messen, Einweihungen oder ähnlichen Veranstaltungen auf. Er ließ sich mit Erlaubnis sein eigenes Kostüm anfertigen, um diese Auftritte unabhängig durchführen zu können. Dabei traf er auch regelmäßig auf andere Darsteller des Genres, beispielsweise Adam West und Burt Ward, aber auch auf den Schöpfer der Figur selbst, Stan Lee.[5]

Nach Spider‑Man arbeitet Seagren Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre für das 1984 eingestellte Kinderformat Captain Kangaroo – erneut als Puppenmacher und Puppenspieler. Er war auch als Berater und für den Entwurf und Bau von Puppen tätig, unter anderem 1981 für The Story of Babar, the Little Elephant (Children’s Theatre Company, Minneapolis) und 1982 für die Kinderserie Miss Peach of the Kelly School, für die er mit einem Daytime Emmy Award ausgezeichnet wurde.[7] Ab Mitte der 1980er-Jahre arbeitete er im Show- und Theaterbereich auf der Bühne als Tänzer, Darsteller und vereinzelt als Puppenspieler. 1996 war er noch einmal als Puppenmacher für Kids for Character hinter der Kamera aktiv.[1]

In den 2010er-Jahren wurde er von Fans wiederentdeckt und es kam zu Auftritten auf Comic-Messen wie der Comic-Con. Im Jahr 2017 führte der Journalist Mark Edlitz, Autor des 2015 erschienenen Buches How to Be a Superhero, ein Interview über Seagrens frühe Karriere, seine Entdeckung und seine Arbeit als erster Spider-Man.[5][8]

Auszeichnungen

  • 1980: Daytime Emmy Award in der Kategorie „Special Classification – Individual Achievement“ (deutsch Sonderkategorie – Individuelle Leistung) für die Thanksgiving-Folge The Annual Thanksgiving Turkey Day Raffle (deutsch Die jährliche Thanksgiving‑Truthahn‑Tombola) der Fernsehserie Miss Peach of the Kelly School.[1]

Filmografie (Auswahl)

  • 1968–1972: Sesamstraße (Fernsehserie)
  • 1970: The Great Santa Claus Switch (Fernsehfilm)
  • 1971: Der Froschprinz (Fernsehfilm)
  • 1972: Die Muppetmusikanten von Bremen (Fernsehfilm)
  • 1972–1973: Who’s Afraid of Opera? (Fernsehserie)
  • 1974–1977: The Electric Company: Spidey Super Stories (Fernsehserie)
  • 1981: The Story of Babar, the Little Elephant (Video)
  • 1982: Miss Peach of the Kelly School (Fernsehserie)
  • 1996: Kids for Character (Video)

Literatur

  • Dale Jacobs: Graphic Encounters: Comics and the Sponsorship of Multimodal Literacy. Bloomsbury Publishing USA, 2013, ISBN 978-0-8264-4424-0 (englisch, google.com).
  • Jason Sacks, Keith Dallas: American Comic Book Chronicles: The 1970s. TwoMorrows Publishing, 2014, ISBN 978-1-60549-056-4, S. 146 (englisch).
  • John Edgar Browning, Caroline Joan (Kay) Picart: Dracula in Visual Media: Film, Television, Comic Book and Electronic Game Appearances, 1921–2010. McFarland, 2014, ISBN 978-0-7864-6201-8 (englisch, google.com).

Einzelnachweise

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