Darci Bessone
Brasilianischer Anwalt und Politiker
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Darci Bessone de Oliveira Andrade (* 12. November 1910 in Montes Claros, Minas Gerais; † 6. Dezember 1997 in Belo Horizonte, Minas Gerais) war ein brasilianischer Rechtsanwalt und Politiker, der unter anderem 1985 als Generalberater des Präsidenten der Republik Mitglied des Kabinetts war.
Leben
Darci Bessone de Oliveira Andrade, Sohn von José Bessone de Oliveira Andrade und Maria Fróis de Oliveira Andrade, absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Juristischen Fakultät der Universität Minas Gerais (UMG), der heutigen Bundesuniversität Minas Gerais UFMG (Universidade Federal de Minas Gerais), und schloss dieses 1933 ab. Im Anschluss war er als Rechtsanwalt tätig und schloss 1940 seine Promotion zum Doktor der Rechte mit der Dissertation „Do direito do comerciante à renovação do arrendamento“ ab, einer Abhandlung über das Recht des Kaufmanns auf Mietvertragsverlängerung. Er lehrte zudem ab März 1942 selbst als außerordentlicher Professor an der UMG. Im Oktober 1943 gehörte er zu den Unterzeichnern des „Manifesto dos mineiros“, ein Dokument, das von einer Gruppe Intellektueller und Politiker aus Minas Gerais verfasst wurde, die gegen die Diktatur des Estado Novo (1937–1945) protestierten und die Errichtung einer demokratischen Regierung forderten. 1945 gehörte er zu den Gründern der Nationalen Demokratischen Union UDN (União Democrática Nacional), einer konservativen Partei, die gegen die Regierung von Staatspräsident Getúlio Vargas[1] opponierte.
Er war von 1947 bis 1950 Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Minas Gerais und wurde 1951 Generalstaatsanwalt der Stadt Belo Horizonte. Nachdem er seine Habilitation mit der Schrift „Promessa de compra e venda de imóveis“, eine Abhandlung über Kauf- und Verkaufsversprechen von Immobilien, beendet hatte, nahm er 1952 den Ruf als ordentlicher Professor für Zivilrecht an der UMG an und übernahm 1958 den Lehrstuhl für Handelsrecht an der Nationalen Rechtsfakultät der Universität von Brasilien, den er bis 1959 innehatte. Im Laufe des Jahres 1958 war er zudem Präsident der Handelsbank Banco Mercantil de Minas Gerais SA. Während der Amtszeit von Gouverneur José de Magalhães Pinto (1961–1966)[2] fungierte er zwischen Mai 1962 und Januar 1963 als Staatssekretär für Finanzen des Bundesstaates Minas Gerais und war außerdem zwischen 1962 und 1964 Vorsitzender der Sektion Minas Gerais der Brasilianischen Anwaltskammer OAB (Ordem dos Advogados do Brasil). 1964 war er Präsident des Anwaltsinstituts von Minas Gerais und hatte unter Gouverneur Magalhães Pinto von August 1964 bis Juli noch die Position des Staatssekretärs für wirtschaftliche Entwicklung von Minas Gerais inne.
Während der Militärdiktatur (1964–1985) war Bessone in der Wirtschaft tätig und unter anderem Präsident der Unternehmensgruppe Conjunto Brasileiro de Empreendimentos S.A. (1967 bis 1984), des Fliesenherstellers Azulejos Várzea da Palma S.A. PALMASA (1969 bis 1984), der Brauerei Companhia Itacolomi de Cerveja (1969 bis 1973), der Beratungsgesellschaft CBE Projetos, Consultoria e Assistência (1970) und von Pavam (1970). Neben diesen Tätigkeiten war er zwischen 1969 und 1970 auch Vizepräsident des Finanzdienstleisters Inconfidência S.A. Crédito, Financiamento e Investimentos.

Auf Einladung von Tancredo Neves,[3] dem am 15. Januar 1985 indirekt von der Demokratischen Allianz (Aliança Democrática) – einer Koalition der Brasilianischen Demokratischen Bewegung PMDB (Partido do Movimento Democrático Brasileiro) und der abtrünnigen Gruppe der Sozialdemokratischen Partei PDS (Partido Democrático Social) innerhalb der Liberalen Front (Frente Liberal) gewählten Präsidenten, sollte er das Amt des Generalberaters (Consultor-geral da República interino) im Range eines Kabinettsmitglieds übernehmen, zögerte zunächst und gab schließlich dem Drängen seines Freundes nach, der ihm versicherte, er brauche eine vertrauenswürdige Person an seiner Seite. Bessone trat das Amt des Generalberaters der Republik am 15. März an und löste Ronaldo Poletti ab. Nach Tancredos Tod reichte er seinen Rücktritt bei Staatspräsident José Sarney[4] ein. Der Präsident nahm das Angebot an, bat ihn jedoch, die Ernennung eines Nachfolgers abzuwarten. Diese erfolgte Ende August 1985, als der ehemalige Senator Paulo Brossard[5] sein Amt antrat. Er selbst zog sich daraufhin aus dem öffentlichen Leben zurück und nahm seine Anwaltstätigkeit wieder auf.
Darci Bessone de Oliveira Andrade war mit Branca Pacheco de Oliveira Andrade verheiratet, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. Sein Sohn, Leopoldo Bessone (1942–2013),[6] war mehrmals Mitglied der Abgeordnetenkammer für Minas Gerais, Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung und im Kabinett Sarney zwischen 1988 und 1989 Minister für Agrarreform und Entwicklung.
Veröffentlichungen
- Do direito do comerciante à renovação do arrendamento, („Über das Recht des Kaufmanns auf Mietvertragsverlängerung“), Dissertation, 1940
- Promessa de compra e venda de imóveis („Kauf- und Verkaufsversprechen von Immobilien“), Habilitation, 1952
- Aspectos da evolução da teoria dos contratos, („Aspekte der Entwicklung der Vertragstheorie“)
- Contribuição ao serviço jurídico do Estado no domínio da economia capitalista, („Beitrag zum Rechtsdienst des Staates im Bereich der kapitalistischen Wirtschaft“)
- Transmissão do domínio e relações patrimoniais dos entes públicos, („Eigentumsübertragung und Vermögensverhältnisse öffentlicher Einrichtungen“)
- A questão dos limites com o Espírito Santo, („Die Grenzfrage mit Espírito Santo“)
- A desapropriação do Banco Hipotecário, („Die Enteignung der Hypothekenbank“), 2 Bände
- Em defesa de Furnas, („Zur Verteidigung von Furnas“)
- Promessa de compra e venda, („Kauf- und Verkaufsversprechen“)
- Compra e venda com reserva de domínio („Kauf und Verkauf unter Eigentumsvorbehalt“)
- Do contrato, („Über den Vertrag“)
- O mundo — o Brasil — o homem, („Die Welt – Brasilien – der Mensch“)
- Venceslau Brás — um pescador na Presidência, („Venceslau Brás – Ein Fischer im Präsidentenamt“)
Weblinks
- Darci Bessone de Oliveira Andrade. Fundação Getulio Vargas Centro de Pesquisa e Documentação de História Contemporânea do Brasil (FGV CPDOC) (portugiesisch).