Das Dorf am Meer

Buch von Anita Desai From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Dorf am Meer (englischer Originaltitel The Village by the Sea) ist ein Jugendroman der indischen Schriftstellerin Anita Desai, der 1982 beim britischen Verlagshaus Heinemann veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in einer Übersetzung von Dorothee Asendorf[1] erschien 1984 beim Dressler Verlag.[2]

Inhalt

Die Geschichte spielt in Thul, einem kleinen Dorf in Westindien, etwa 14 Kilometer von Bombay entfernt. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die um ihr Überleben kämpft. Die Hauptfiguren sind die 13-jährige Lila und ihr 12-jähriger Bruder Hari, die mit ihren beiden jüngeren Schwestern Bela und Kamal zusammenleben. Ihre Mutter ist schwer krank und bettlägerig, während der Vater, ein ehemaliger Fischer, der sein Boot wegen seiner Alkoholsucht verkaufen musste, oft Schulden bei den Dorfbewohnern macht. Daher müssen Lila und Hari die Verantwortung für die Familie übernehmen – eine enorme Belastung für die Kinder.

Als sich abzeichnet, dass in Thul eine Düngemittelfabrik entstehen soll, ist Hari hin- und hergerissen zwischen der Aussicht, mit der Arbeit in der Fabrik Geld zu verdienen und den gravierenden Veränderungen für den Ort, die ziemlich sicher das Ende vom Fischfang und dem traditionellen Reisanbau sowie eine enorme Umweltbelastung für die derzeit noch unberührte Natur bedeuten würden. Er beschließt, sich einem Protestmarsch anzuschließen, um in Bombay eine Petition gegen die Errichtung der Fabrik zu überbringen. Überwältigt von den Eindrücken der Großstadt und plötzlich alleingelassen findet Hari Unterstützung bei Jagu, einem freundlichen Restaurantbesitzer, der ihm eine Stelle anbietet. Die Arbeit ist sehr anstrengend, doch zumindest bekommt er dort Essen, hat ein Dach über dem Kopf und verdient Geld, mit dem er die in Thul zurückgelassene Familie unterstützen möchte.

Hari freundet sich mit Mr. Panwallah an, einem Uhrmacher, dessen Laden neben Jagus Restaurant liegt. Dieser schlägt Hari vor, ihm in seiner freien Zeit das Reparieren von Uhren beizubringen. Hari ist ein gelehriger Schüler und er fasst schon bald den Entschluss, nach Thul zurückzukehren und dort selbst Uhrmacher zu werden.

Unterdessen kämpft Lila im Dorf um das Überleben der Familie. Glücklicherweise erhalten sie und ihre kleinen Schwestern Hilfe von der wohlhabenden Familie De Silva, die ein Ferienhaus in der Nähe besitzt. Als der Zustand der Mutter sich verschlechtert, bringt das Mädchen sie mit Unterstützung der De Silvas ins Krankenhaus. Der wieder einmal völlig betrunkene Vater ist zuerst wütend, weil Lila die Mutter ohne seine Kenntnis ins Spital gebracht hat, doch als er zu seiner Frau ins Krankenhaus eilt, weicht er nicht mehr von ihrer Seite und während ihrer über mehrere Monate dauernden Behandlung gelingt es ihm, keinen Tropfen mehr anzurühren.

Als Hari zum Diwali-Fest nach Thul zurückkehrt, findet er eine völlig veränderte Situation vor: Seine Mutter ist auf dem Weg der Besserung, der Vater hat seine Alkoholkrankheit bezwungen und Lila, die im Haus der De Silvas für einen Feriengast Arbeit verrichtet, verdient dadurch so viel Geld, um die Familie erhalten zu können. Hari erzählt von seinen Plänen, eine kleine Uhrmacherwerkstatt im Dorf zu eröffnen, sobald die Fabrik erbaut und genügend Arbeiter nach Thul gezogen sind. Bis es soweit ist, beschließen Lila und Hari, die Ersparnisse aus Bombay zu nutzen, um einen Hühnerstall zu bauen. Dies soll der Familie ein geregeltes Einkommen sichern und Haris zukünftige Werkstatt finanzieren.

Auf dem Weg, Material für den Hühnerstall zu besorgen, trifft Hari auf den Feriengast, für den seine Schwester arbeitet. Dieser ist ein Naturforscher, der in der Umgebung Vögel beobachtet. Der Mann zeigt sich im Gespräch mit dem Jungen beeindruckt von Haris Plänen und er gibt ihm und seiner Schwester den Rat, sich immer wieder an die veränderten Umstände anzupassen und ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Rezeption

Nicholas Tucker schreibt in seiner Buchrezension: „Der Ort Thul existiert wirklich, die Autorin verbrachte dort häufig ihre Ferien. Ihre Position ist neutral: Sie bedauert die Umweltschäden, erkennt aber an, wie sehr die Menschen vor Ort auf die Einkommen angewiesen sind. Desai ist stets auf der Seite von Hari und Lila. Sie bewundert, wie die beiden die große Verantwortung ohne Klagen übernehmen und erzählt ihre fesselnde Geschichte mit dem Geschick einer geborenen Romanschreiberin.“[2]

Auszeichnungen

Der Roman wurde 1983 mit dem Guardian Children's Fiction Prize ausgezeichnet.[3][2]

Referenzen

Das Dorf am Meer ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.[2]

Ausgaben

  • The Village by the Sea. Heinemann, UK 1982 (englisch).
  • Das Dorf am Meer. Dressler, 1984.

Adaptionen

Das Buch wurde 1991 von der BBC als sechs-teilige TV-Serie unter dem Titel The Village by the Sea verfilmt.[3][4]

Einzelnachweise

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