Das Judenmädchen

afghanisches Märchen (AaTh 325 + 938) From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Judenmädchen ist ein afghanisches Märchen (AaTh 325 + 938).[1]

Handlung

Der Sohn eines Padischahs verliebte sich in ein Judenmädchen und suchte es heimlich auf, als ihr Vater nicht zu Hause war. Dieser ertappte ihn jedoch und verfolgte ihn, bekam ihn aber nicht zu fassen. Nach einigem Streit wurde eine Ehe zwischen den beiden Liebenden vereinbart und so wurde das Judenmädchen die zweite Frau des Sohns des Padischahs. Nach einiger Zeit kam ein Greis zum Padischah und fragte diesen, wann er sein Königreich als nötiger erachte, im Alter oder in der Jugend. Als er darauf mit „im Alter“ antwortete, riet ihm der Greis den Thron freizumachen und der Padischah folgte dem Rat.

Zusammen mit seiner Frau sowie mit seinem Sohn und dessen zwei Frauen machte sich der Padischah auf den Weg in die Fremde. Sie gelangten in eine Steppe und dort stellte der Padischah seinen Sohn vor die Wahl, entweder mit seinen Eltern oder mit seinen beiden Frauen mitzugehen. Er meinte, dass sie nicht zusammen weiterziehen können, denn wenn Fremde die beiden hübschen Mädchen sehen würden, alle anderen mit Sicherheit den Tod fänden. Der Sohn des Padischahs entschied sich dafür bei seinen Eltern zu bleiben und so verließ er seine beiden Frauen.

Nachdem die beiden Frauen gemerkt hatten, dass sie auf sich allein gestellt waren, verkleidete sich das Judenmädchen als Prinz und so zog es mit seiner „Frau“ weiter in ein fremdes Königreich. Dort wurde der König auf den „Prinzen“ aufmerksam und nachdem das Judenmädchen, mithilfe eines magischen Greises, einen Löwen gebändigt hatte, gab dieser ihm seine Tochter zur Frau. Auf der Suche nach ihrem Mann, fand das Judenmädchen diesen verarmt vor und so kaufte es sich den Laufjungen als seinen Diener. Sie gab sich dann zu erkennen, woraufhin der Sohn des Padischahs in Tränen ausbrach. Anschließend suchten sie den Padischah auf, der sich als Tagelöhner verdingte und sehr für sein Verhalten schämte, und zusammen mit dessen Frau sowie den beiden „Frauen des Judenmädchens“ kehrten sie in die Heimat zurück.

Dort war das Volk verwirrt, da es keinen Herrscher mehr hatte, also verkündete der Padischah seine Rückkehr. Das Judenmädchen aber offenbarte der Königstochter, dass sie eine Frau sei und gab sie, mit deren Einverständnis, ihrem Mann zur Frau, sodass der Sohn des Padischas nun, mit den beiden und seiner zweiten Frau, die ebenfalls eine Prinzessin war, drei Frauen hatte.[1]

Hintergrund

Das Märchen stammt aus dem Dorf Gas im afghanischen Teil des Pamir-Gebirges und wurde in A. Grünbergs Mundžanskij jazyk (Moskau 1967) veröffentlicht. Grünberg zeichnete es 1967 nach dem Bauern Hoki auf, der es auf Mundžanisch erzählte. In Isidor Levins Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker (1986) erhielt es den Titel Das Judenmädchen. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953) bekam es die Typen 169 und 136.[1]

Literatur

Einzelnachweise

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