Das Topfkind

afghanisches Märchen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Topfkind ist ein afghanisches Märchen (AT 425* Q).[1]

Handlung

Ein Bauer konnte mit seiner Frau kein Kind bekommen, also verließ er sie und wanderte umher, bis er einen alten Mann traf, der ihm zwei Mandeln gab, die, würden er und seine Frau sie essen, für ein Kind sorgen würden. Die unglückliche Frau gebar jedoch einen Topf, worüber die Leute noch mehr lachten als über die vorherige Kinderlosigkeit. Als der Topf dann aber guten Palau hervorbrachte und niemals leer wurde, sodass auch die Nachbarn stets satt wurden, verstummte ihr Gelächter.

Eines Tages verlangte es den Topf dann nach der Königstochter, also schickte er seinen Vater zum König, um für ihn zu werben. Mit der erfüllten Bedingung, vierzig mit Gold, Silber und Edelsteinen beladene Kamele aufzubringen, traten Vater und Topf dann vor den König, woraufhin der Topf meinte, dass die Schätze dem König geschenkt seien, er aber allein mit der Prinzessin sprechen wolle, wonach sie eine Entscheidung treffen möge.

In einem kleinen Häuschen und allein zu zweit, spaltete sich der Topf dann auf und ein wunderschöner Jüngling trat aus ihm heraus. Die Prinzessin fiel ihm in die Arme, jedoch hielten sich der König und der Vater nicht an die Abmachung mit dem Topf und wagten einen Blick durch das Fenster, woraufhin der Jüngling verschwand. Die Prinzessin begab sich daraufhin auf die Suche nach ihm und wanderte so lange, bis ihr Kettenhemd dünn und ihr eiserner Stock ganz kurz geraten waren. Dann fand sie ihren Geliebten und in dessen Königreich wurde Hochzeit gehalten. Die beiden neugierigen Väter aber hörten nie wieder etwas von ihren Kindern.[1]

Hintergrund

Das Märchen stammt aus Gisela Borcherdings Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan (Kassel 1975) aus der Reihe Das Gesicht der Völker und erhielt im Deutschen den Titel Das Topfkind. Erzählt wurde es von einer alten Hazara.[1]

Borcherding nennt als Vergleiche zu den Freiersproben Goldkugel 5f., Georgios A. Megas’ Die Märchen der Weltliteratur – Griechische Volksmärchen (Düsseldorf / Köln 1965, II, Nr. 19 und 20), Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Berlin 1968, Nr. 9), Gustav Jungbauers Märchen aus Turkestan und Tibet (Jena 1923, 40), G. J. Ramstedts Kalmückische Sprachproben. Mémoires de la Société Finno-ougrienne XXVII (Helsinki 1909/1919, Nr. 17) und das Märchen Vierzig Meter Haar aus ihrem eigenen Werk. Der übernatürliche Gatte, der hier ein Topf ist und normalerweise eine Schlange, Krebs, Eselskopf usw. ist, sei ungewöhnlich und könnte von Boratavs Nr. 19 beeinflusst sein (AT 591: Der stehlede Topf; Wolfram Eberhards und Boratavs Typen türkischer Volksmärchen, Typ 173).[1]

Literatur

  • Gisela Borcherding (Samm. und Hrsg.): Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan. Das Gesicht der Völker, Bd. 43. Erich Röth-Verlag, Kassel 1975, S. 129–136, 184–185.

Einzelnachweise

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