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David Emanuel Daniel Europaeus

finnischer Linguist From Wikipedia, the free encyclopedia

David Emanuel Daniel (Taneli) Europaeus (* 1. Dezember 1820 in Savitaipale; † 15. Oktober 1884 in Sankt Petersburg) war ein finnischer Sprachwissenschaftler, Folklorist und Archäologe.

David Emanuel Daniel (Taneli) Europaeus

Leben und Werk

Europaeus wurde als Sohn des Pfarrers Peter Adolf Europaeus und seiner zweiten Frau Sofia Peijo, die dem Bauernstand entstammte und dreißig Jahre jünger war als ihr Mann, geboren. Diese „unstandesgemäße“ Ehe soll einerseits seine Position in Wissenschaftskreisen erschwert haben[1], sorgte andererseits aber für eine Nähe zum Volk, zumal seine Mutter ausschließlich Finnisch sprach.[2] Er besuchte die Kreisschule in Käkisalmi und anschließend das Gymnasium in Viipuri. 1844 bestand er die Prüfung zur Hochschulreife in Helsinki, wo er sich im gleichen Jahr an der Universität einschrieb. Einen Universitätsabschluss hat er jedoch nie gemacht.

Zwischen 1845 und 1854 unternahm Europaeus insgesamt sieben Sammelreisen nach Karelien, um Volksdichtung aufzuzeichnen. Er arbeitete mit Elias Lönnrot zusammen, der von ihm für sein Kalevala den wichtigen Kullervo-Zyklus erhielt. Mit seinem Material konnte Lönnrot die ursprünglich nur 534 Verse umfassende Episode in der zweiten Auflage des Kalevala (1849) auf 2.496 Verse erweitern, was das „historische Verdienst des … ‚ewigen Studenten‘“ Europaeus ist.[3] Außerdem veröffentlichte er 1847 Teile des gesammelten Materials in einer „Kleinen Verslehre“, die seinerzeit auch in Deutschland rezipiert wurde und Wilhelm Schott dazu diente, die finnische Volksdichtung generell vorzustellen.[4] In diese Zeit fallen auch seine vergleichenden Forschungen zu den finnougrischen Sprachen[5], die er darüber hinaus mit den indoeuropäischen Sprachen in einem Urverwandtschaftsverhältnis sah. Hier ist er sogar als „Bahnbrecher der Theorie der indouralischen Verwandtschaft“ bezeichnet worden.[6]

Nicht weniger bedeutend war die Zeitung Suometar, die er 1847 gemeinsam mit seinen Kommilitonen August Ahlqvist, Paavo Tikkanen und Antero Warelius gründete. Damit wurde er einerseits zu einer wichtigen Person innerhalb der Fennomanie-Bewegung, die ihn jedoch später aus ihren Reihen ausschloss. Schuld hieran waren diverse Konflikte und auch eine gewisse psychische Instabilität von Europaeus.[7]

Europaeus wirkte auch als Übersetzer und legte beispielsweise 1847 eine finnische Fassung der Elemente des Euklid vor.[8] Die Übersetzung erfolgte aus dem Schwedischen. 1852–53 publizierte er zudem ein schwedisch-finnisches Wörterbuch, das zu einem Großteil auf Lönnrots Sammlungen beruhte und umfangreicher und niveauvoller als seine Vorgänger war.[9] Ferner war er als Archäologe aktiv und unternahm in den 1870er Jahren sieben Ausgrabungsreisen in finnougrischen Gebieten Russlands.

Europaeus lebte Zeit seines Lebens in prekären Verhältnissen, hatte niemals eine längere feste Anstellung und hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten und gelegentlichen Stipendien über Wasser. Er war nie verheiratet, hat keine Nachkommen und starb vereinsamt in einem Sankt Petersburger Armenkrankenhaus.[10]

Kritik

Europaeus stieß trotz seiner unumstrittenen Verdienste bereits zu Lebzeiten auf viel Kritik. Er war sehr von sich selbst eingenommen und verscherzte es sich daher mit vielen Gelehrten seiner Zeit, allen voran mit Lönnrot.[11] Manche seiner Theorien wurden auch im Ausland belächelt, wie die anonyme, höchstwahrscheinlich aber von Wilhelm Schott stammende[12] Rezension seines Werks Vorläufiger Entwurf über den Urstamm der indoeuropäischen Sprachfamilie und seine vor-indoeuropäischen Abzweigungen zeigt.[13]

Werke (Auswahl)

  • Pieni runon-seppä eli kokous paraimmista Inkerinmaan puolelta kerätyistä runo-lauluista ynnä johdatuksia runon tekoon. Clouberg, Vipuri 1847.
  • Ruotsalais-suomalainen sanakirja. 1 osa. SKS toimituksia 16 osa, 1 jako. Helsinki 1852.
  • Komparativ framställning af de finsk-ungerska språkens räkneord, till bevis för Ungrarnes stamförvandtskap med Finnarne, och den indogermaniska folkstammens urförvandtskap med den finsk-ungerska. Helsingfors 1853.
  • Ruotsalais-suomalainen sanakirja. 2 osa. SKS toimituksia 16 osa, 2 jako. Helsinki 1853.
  • Karjalan kevätkäkönen: runolaulukirja: parhaista Kalevalan ja Kantelettaren ja muutamista muista runolauluista kokoon pantu. Frenckell, Helsinki 1854.
  • Kirjoituksia Suomen kansan tärkeimmistä asioista, suurimmaksi osaksi syrjä-sensuureista paenneita. 1 nios, Onko Suomen kansa voimihinsa päästettävä vain eikö?. Helsinki 1862.
  • Vorläufiger Entwurf über den Urstamm der indoeuropäischen Sprachfamilie und seine vor-indoeuropäischen Abzweigungen, namentlich die finnisch-ungarische. H. C. Friis, Helsingfors 1863.
  • Tietoja suomalais-ugrilaisten kansain muinaisista olopaikoista. SKS, Helsinki 1868–1870.
  • Die Stammverwandtschaft der meisten Sprachen der Alten und Australischen Welt. Die Zahlwörtertabelle 1, Die Zahlwörter der finnisch-ungarischen Sprachen; bewiesen von D. E. D. Europaeus. St. Petersburg 1870.
  • Ett fornfolk med långskallig afrikansk hufvudskålstyp i norden, bestämdt till språk oeh nationalitet, jemte finsk-ungerska omdömen. Helsingfors 1873.
  • Die Stammverwandtschaft der meisten Sprachen der Alten und Australischen Welt. Die Zahlwörtertabelle 2, Die Indo-europäischen Sprachen; bewiesen von D. E. D. Europaeus; nach Bopp, Sleicher, Kuhn, Ascoli, Fick u. a. lautgesetzlich bestimmt. St. Petersburg 1878.

Literatur

Einzelnachweise

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