David Harold Stern
US-amerikanisch-israelischer Wirtschaftswissenschaftler, Theologe
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David Harold Stern (hebräisch דוד הראולד שטרן; geboren 31. Oktober 1935 in Los Angeles; gestorben 8. Oktober 2022 in Jerusalem) war ein in Amerika geborener messianisch-jüdischer Theologe, der nach seiner Alija in Israel lebte. Stern war promovierter Wirtschaftswissenschaftler der Princeton University, Hochschullehrer an der UCLA. Später erwarb er einen Master of Divinity am Fuller Theological Seminary.
Leben und Wirken
David Stern stammte aus einer der frühen jüdischen Pionierfamilien in Los Angeles. Er war der dritte Sohn von Marion Ella Stern, geborene Levi (1899–1976)[1] und Harold Melrose Stern (1892–1982). Die Familie Stern gehörte zu den ersten zwanzig jüdischen Familien, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Los Angeles niederließen und an der Gründung des Wilshire Boulevard Temple beteiligt waren. Sterns Großeltern waren Jacob Stern (1859–1934), geboren in Gleicherwiesen im Herzogtum Sachsen-Meiningen, und Sarah Laventhal (1870–1933)[2]. Jacob Stern galt als eine prägende Persönlichkeit der frühen Hollywood-Geschichte.[3][4][5]
Ein Ausgangspunkt von Sterns späteren spirituellen und existenziellen Suche lässt sich auch auf ein Erlebnis im Alter von fünfzehn Jahren, auf der Junior High School zurückführen. Nach einem Gespräch mit einer Lehrerin über seine persönliche Situation begann Stern auf deren Empfehlung hin eine psychoanalytische Behandlung, die sich über mehrere Jahre erstreckte.
Sein Studienweg verlief zunächst ohne feste fachliche Orientierung. Stern studierte Mathematik (ein Semester), Politikwissenschaft (ein Jahr) sowie kurzzeitig Philosophie, bevor er sich für Wirtschaftswissenschaften entschied. Im Alter von neunzehn Jahren schloss er sein Studium an der University of California (UCLA) in Los Angeles mit Auszeichnung ab. Anschließend erwarb er einen Masterabschluss sowie einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University; seine Dissertation behandelte das Verhandlungsverhalten (englisch The Effects of Personality, Perception, and Power on the Bargaining Process and Outcome: A Field Theory and Political Analysis of a Negotiation Simulation, 1976). Mit vierundzwanzig Jahren wurde Stern als jüngstes Mitglied des Lehrkörpers an die „Graduate School of Management“ der UCLA berufen.
Neben seiner akademischen Tätigkeit widmete sich Stern verschiedenen sportlichen Aktivitäten, darunter Surfen, Wasserski und Bergsteigen. 1963 erschien der von ihm mitverfasste Surfing Guide to Southern California, der 1998 neu aufgelegt wurde. Zeitweise lebte er am Topanga Beach, in unmittelbarer Nähe zu einem bekannten Surfgebiet. Darüber hinaus beschäftigte sich Stern intensiv mit Musik. Er spielte mehrere Instrumente – darunter Klavier, Klarinette, Gitarre, Blockflöte und Orgel – und komponierte gelegentlich Stücke im Stil von Joseph Haydn. Früh erwarb er zudem ein John Broadwood & Sons-Klavier aus dem Jahr 1805 und engagierte sich in verschiedenen wohltätigen Aktivitäten.
Trotz seiner beruflichen Laufbahn blieb für Stern die Frage nach dem Sinn des Lebens zentral. Schließlich gab er seine Professur auf und wandte sich verstärkt religiösen Fragen zu. 1972 kam Stern während eines Aufenthalts in einem Motel in Kalifornien intensiver mit dem Christentum in Berührung. Dort fand er evangelistisches Material, das ihn zu einer christlichen Kommune in Smartsville in Kalifornien[6] führte. Durch Begegnungen mit deren Mitgliedern setzte er sich zunehmend mit dem Neuen Testament auseinander, insbesondere mit dem Römerbrief, Röm 10,9 EU. Kurz darauf ließ er sich im Yuba-Fluss taufen.
Stern schloss sich der entstehenden messianisch-jüdischen Bewegung an, die die Kontinuität des Judentums für Gläubige an Jehoschua, (hebräisch יְהוֹשׁוּעַ Jehoschua) betonte. Er absolvierte eine theologische Ausbildung, darunter einen „Master of Divinity“ am Fuller Theological Seminary sowie Studien an der University of Judaism. In seiner späteren Arbeit setzte er sich für ein Verständnis des Judentums ein, das den Glauben an Jeschua oder Jehoschua mit der jüdischen Tradition verbindet.
Stern lehrte unter anderem am Fuller Theological Seminary, wo er einen der ersten Kurse über Judentum und Christentum anbot. 1979 emigrierte er nach Jerusalem, wo er als Autor und Übersetzer tätig war und weiterhin in der messianisch-jüdischen Bewegung engagiert blieb.[7]
Stern heiratete 1976 Martha Frankel Stern; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Er starb im Oktober 2022 in Jerusalem und wurde auf dem Friedhof Har HaMenuchot beigesetzt.[8]
Vollständige Jüdische Bibel
Sterns Hauptwerk ist die Complete Jewish Bible, eine englische Übersetzung des Tanachs und des Neuen Testaments, die er, wie viele messianische Juden, als „Brit Hadashah“ bezeichnete, abgeleitet vom hebräischen Begriff (hebräisch ברית חדשה ‚neuer Bund‘) so verwendet in Jeremia, (Jer 31 EU). Ein besonderes Merkmal von Sterns Übersetzung ist die weitverbreitete Verwendung von Transliteration anstelle von wörtlicher Übersetzung in der gesamten Bibel. Im Neuen Testament werden griechische Eigennamen oft durch transliterierte hebräische Wörter ersetzt. Stern selbst bezeichnet dies als eine „kosmetische Bearbeitung“. Zu den weiteren bemerkenswerten Merkmalen von Sterns Übersetzung gehört die Wiedergabe griechischer Ausdrücke, die sich auf „das Gesetz“ beziehen, als Bezugnahme auf „Tora-Legalismus“. Eine ausführlichere Erläuterung findet sich in seiner Arbeit Messianic Jewish Manifesto (deutsch: „Messianisch-Jüdischen Manifest“) und in seinem Werk Messianic Judaism: A Modern Movement With An Ancient Past (deutsch: „Messianisches Judentum: Eine moderne Bewegung mit antiker Vergangenheit“).
Werke
- Surfing Guide to Southern California. zusammen mit William Cleary. 1. Auflg., Fitzpatrick 1963 und Mountain & Sea 1998, ISBN 0-911449-06-X
- Restoring the Jewishness of the Gospel. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, 1988, ISBN 965-359-001-4
- Messianic Jewish Manifesto. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, 1988, ISBN 965-359-002-2
- Messianic Judaism: A Modern Movement With An Ancient Past. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, 2007, ISBN 1-880226-33-2
- Jewish New Testament: A Translation of the New Testament that Expresses its Jewishness. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, and Clarksville MD, 1989, ISBN 965-359-006-5
- The Jewish New Testament Commentary: A Companion Volume to the Jewish New Testament. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, 1992, ISBN 978-965-359-011-3
- Complete Jewish Bible. Jewish New Testament Publications, Jerusalem, September 1998, ISBN 965-359-018-9
- How Jewish Is Christianity? Hrsg. Louis Goldberg, Zondervan, 2003, ISBN 0-310-24490-0
- Das jüdische Neue Testament. SCM R. Brockhaus, Wuppertal 2020, ISBN 978-3-417-25412-9
- Kommentar zum jüdischen Neuen Testament. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1996, ISBN 3-7751-2592-2 in 3. Bänden
Weblinks
- David H. Stern in: Messianic Jewish Publishers