David Heschler
deutscher Bildhauer (1611–1667)
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David Heschler (* 24. September 1611 in Memmingen; † 22. Juni 1667 in Ulm) war ein deutscher Bildhauer und Bildschnitzer. Der bedeutende Künstler des süddeutschen Frühbarocks war hauptsächlich in Ulm tätig. Er wurde erst in den letzten Jahren wiederentdeckt, nachdem er noch vor wenigen Jahrzehnten in der kunstgeschichtlichen Literatur nicht einmal Erwähnung fand.

Leben
David Heschlers Vater war der Memminger Bildhauer Siegmund Heschler. Bei ihm erhielt David seine Ausbildung zum Bildhauer. Seine Wanderjahre führten ihn nach Rom, vielleicht auch nach Augsburg und Florenz.[1] Sonst ist über Heschlers Gesellenzeit wenig bekannt.
Im November 1640 erhielt David Heschler das Bürgerrecht der Stadt Ulm.[2][1] Dort lebten schon seit 1634 seine Eltern, die wahrscheinlich vor den Schweden aus Memmingen flohen. Er heiratete Maria Anna Kienlin, Tochter des Goldschmieds Marx Kienlin, und erwarb die Meisterwürde. Er ging 1641/42 mit Erlaubnis des Rats für einen Jahresaufenthalt nach Zürich. Dort arbeitete er an einem nicht näher bekannten Auftrag. In dieser Zeit wurde sein Sohn, der ebenfalls David hieß, geboren.[2][1]
Zurück in Ulm leitete Meister Heschler eine eigene Werkstatt, die sehr erfolgreich war. Seine in Holz und Elfenbein gefertigten Kleinplastiken konnte er weit über Ulm hinaus veräußern. Zu seinen Gesellen gehörten mehrere Elfenbeinschnitzer, die später als Meister bekannt wurden.[2] So gehörte zwischen 1658 und 1664 der schweizerisch-deutsche Bildhauer und Bildschnitzer Johann Ulrich Hurdter zu seinen Schülern, der später in Ulm erfolgreich tätig war.[3]
Zwei Söhne von David Heschler wurden ebenfalls Bildschnitzer, David d. J. und Marx Sigmund. Sie starben nur wenige Jahre nach dem Vater, ohne die Meisterwürde erlangt zu haben.[2]
Werk
Heschler war ein hochgeschätzter Meister der Kleinplastik. Neben religiösen Themen bediente er den Zeitgeschmack mit allegorisch-sinnbildlichen oder mythologischen Darstellungen.[4] Dies bezeugen nicht nur die erhaltenen Werke aus Elfenbein und Holz, sondern auch historische Quellen. Beispielsweise lobte Joseph Furttenbach eine 1651 aus Elfenbein geschnitzte „Kreuzabnahme Christi“, an der Heschler zwei Jahre gearbeitet hatte, als von außerordentlicher Qualität.[2]
Zu seinen Frühwerken gehören die auf 1630–1635 datierte Ecce-Homo-Gruppe (Museum Ulm) sowie eine signierte und auf 1635 datierte Elfenbeinskulptur, die seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen gilt.[2][5] Einige seiner Kleinplastiken stehen in bekannten Museen (Auswahl):
- Herkules und Cacus, 1635–1655, staatliches Museum Schwerin,[6]
- Christus an der Geißelsäule, 1640–1650, Württembergisches Landesmuseum,[7]
- Neptun und Amphitrite, um 1650, Bayerisches Nationalmuseum,[4]
- Das solomonische Urteil, 1650–1660, Württembergisches Landesmuseum,[8]
- Relief mit Kreuzabnahme Christi, um 1660, Dänisches Nationalmuseum.[4]
Auch größere Skulpturen in Holz gehörten zu Heschlers Repertoire: 1661/62 lieferte er die (nicht erhaltenen) Bildhauerarbeiten für den Hochaltar der Basilika St. Vitus in Ellwangen. Auch ein hölzerne Figur des Gekreuzigten (Kruzifixus) in der Pfarrkirche St. Ulrich in Pfuhl gilt als Heschlers Werk.[2]