Demis Hassabis

britischer KI-Forscher, Neurowissenschaftler und Schachspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Demosthenes „Demis“ Hassabis (* 27. Juli 1976 in London) ist ein britischer KI-Forscher, Neurowissenschaftler, Computerspiel- und Softwareentwickler, Schachspieler sowie 2010 Mitbegründer des in London gegründeten Unternehmens DeepMind Technologies. Im Jahr 2024 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie verliehen.

Demis Hassabis (2024)

Leben und Karriere

Demis Hassabis wurde als Sohn eines griechisch-zyprischen Vaters und einer aus Singapur stammenden Mutter in London geboren.[1][2][3] Er studierte ab 1994 Informatik am Queens’ College der University of Cambridge und erhielt 1997 seinen Abschluss mit doppelter Auszeichnung („double first-class honours“).[4] Er wurde 2009 am University College London in kognitiver Neurowissenschaft promoviert.[5]

Im Alter von 15 Jahren arbeitete Hassabis für das britische Computerspiel-Entwicklungsstudio Bullfrog Productions und war für die KI von Populous II verantwortlich.[4] Weitere Bullfrog-Titel mit seiner Beteiligung sind Syndicate und Theme Park. 1997 wechselte er zu Lionhead Studios, dem neuen Unternehmen des Bullfrog-Gründers Peter Molyneux, wo er an der Entwicklung von Black & White beteiligt war. Ein Jahr später gründete er in London sein eigenes Entwicklungsstudio Elixir Studios, das 2003 und 2004 die Spiele Republic The Revolution und Evil Genius veröffentlichte, bevor es 2005 geschlossen wurde. Hassabis verließ daraufhin die Computerspiele-Industrie und widmete sich der Forschung.[6]

Hassabis (links) und Blaise Agüera y Arcas im Jahr 2014

Die von Hassabis mitgegründete Firma DeepMind Technologies wurde 2014 für rund 400 Millionen US-Dollar von Google übernommen.[7] Das Unternehmen arbeitete an einer Lösung für das Brettspiel Go und schuf AlphaGo,[8] welches 2016 den südkoreanischen Profispieler Lee Sedol besiegte.[9] Die Weiterentwicklung AlphaZero wurde 2017 veröffentlicht und ist in der Lage, selbst lernend Brettspiele zu meistern. DeepMind entwickelt ab 2016 die KI-Software AlphaFold, die seit 2020 als Durchbruch bei der Vorhersage der Proteinstruktur basierend auf der Aminosäuresequenz des Proteins gilt. 2021 gründete Hassabis das KI-Unternehmen Isomorphic Labs zur Medikamentenentwicklung als Spin-off von DeepMind.[10]

Im Jahr 2024 wurde Hassabis gemeinsam mit John M. Jumper der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Sie erhielten die Auszeichnung für ihre Vorhersagen von komplexen Proteinstrukturen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig wurde David Baker für seine Forschungen auf dem Gebiet des computergestützten Proteindesigns geehrt.[11]

Schach

Im Schach war Hassabis mit 13 Jahren der Zweitplatzierte hinter Judit Polgár in der Elo-Weltrangliste unter 14 Jahren und trägt seit 2002 den Titel Meisterkandidat. Er spielte von 1998 bis 2001 in der Division 1, der höchsten Spielklasse der Four Nations Chess League. In der Saison 1998/99 spielte er für die Mannschaft von Home House, in der Saison 1999/2000 für die Mannschaft von Index-IT, die durch den Zusammenschluss von Home House mit den Invicta Knights entstand, und in der Saison 2000/01 für die zweite Mannschaft von Beeson Gregory, die wiederum durch den Zusammenschluss von Index-IT mit The AD's entstand.

Privatleben

Hassabis lebt mit seiner Familie im Norden Londons.[12][13] Zudem ist er seit seiner Kindheit ein leidenschaftlicher Anhänger des FC Liverpool.[14] Hassabis ist die Hauptfigur der Dokumentation The Thinking Game, die 2024 beim Tribeca Festival uraufgeführt wurde. Der Film stammt vom selben Regisseur wie die preisgekrönte Dokumentation AlphaGo (2017), die das berühmte 1-Million-Dollar-Herausforderungsmatch 2016 in Seoul, Südkorea, zwischen Lee Sedol und AlphaGo dokumentiert.

Auszeichnungen

Mitgliedschaften

Schriften (Auswahl)

  • Demis Hassabis, Eleanor Maguire: Deconstructing episodic memory with construction. In: Trends in Cognitive Sciences. Band 11, Nr. 7, Juli 2007, S. 299–306, doi:10.1016/j.tics.2007.05.001, PMID 17548229.
  • Hassabis, D., & Maguire, E. A. (2009): The construction system of the brain. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences, 364(1521), S. 1263–1271.
  • Daniel L. Schacter, Donna Rose Addis, Demis Hassabis, Victoria C. Martin, R. Nathan Spreng, Karl K. Szpunar: The Future of Memory: Remembering, Imagining, and the Brain. In: Neuron. Band 76, Nr. 4, November 2012, S. 677–694, doi:10.1016/j.neuron.2012.11.001, PMID 23177955, PMC 3815616 (freier Volltext).
  • Hassabis, D., Kumaran, D., Summerfield, C., & Botvinick, M. (2017): Neuroscience-inspired artificial intelligence. In: Neuron, 95(2), S. 245–258. doi:10.1016/j.neuron.2017.06.011.
Commons: Demis Hassabis – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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