Demografischer Wandel
gleitende Änderung der Zusammensetzung einer Bevölkerung
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Der demografische Wandel beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung einer Gesellschaft.[1][2]
Definition
Der Begriff Demografischer Wandel bezeichnet die Struktur und Entwicklung der Bevölkerung eines bestimmten Landes oder einer Region unter Berücksichtigung von Altersstruktur, Geburtenzahlen und Sterbefällen. Er wird durch Migrationsbewegungen und durch die Alterung der Bevölkerung beeinflusst.[3]
Weitere beteiligte Faktoren
Demografischer Wandel wird v. a. bei der langfristig erkennbaren Populationsdynamik eines Landes zur Kenntnis genommen und diskutiert. Davon zu unterscheiden ist der Begriff des demografischen Übergangs. Dieser beschreibt eine bestimmte Abfolge verschiedener Phasen des demografischen Wandels über längere Zeiträume. In zahlreichen Ländern der westlichen Welt ist insbesondere die Alterung der Bevölkerung in Folge des demografischen Wandels im Gespräch.
Allgemeine Dimensionen des demografischen Wandels
Der Ausdruck demografischer Wandel kann sich auf folgende Bevölkerungsveränderungen beziehen:
- die Gesamtzahl ihrer Mitglieder
- ihre zahlenmäßige Struktur nach:
- Altersgruppen
- dem Verhältnis von Geschlechtern,
- den Anteilen von Inländern, Ausländern und Eingebürgerten an der Bevölkerung,
- der Geburten- und Sterbefallentwicklung,
- den Zuzügen und Fortzügen.
Demografischer Wandel in Deutschland
Im Jahr 2019 lebten etwa 83 Millionen Menschen in Deutschland, darunter 42 Millionen Frauen und 41 Millionen Männer. Nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes könnte die Bevölkerung bis 2060 auf etwa 74 Millionen sinken. Hauptursache ist die seit den 1970er Jahren sinkende Anzahl von Geburten. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland insgesamt 778.000 Kinder geboren, während im gleichen Zeitraum knapp 940.000 Personen verstarben. Die Sterbefälle übersteigen damit die verzeichneten Geburten um mehr als 160.000, ein Trend, der in Deutschland bereits seit den 1970er Jahren erkennbar ist.[4]
Die Altersstruktur zeigt eine zunehmende Alterung der Gesellschaft. Der Anteil der über 67‑Jährigen stieg von 11 % (1970) auf 19 % (2018), während der Anteil der unter 20‑Jährigen deutlich sank. Das Durchschnittsalter erhöhte sich von 43,9 Jahren im Jahr 2011 bis 2020 auf 45,7 Jahre. Parallel dazu nahm der Anteil der Erwerbstätigen zwischen 1998 und 2019 leicht ab. Die Altersstruktur (früher auch Alterspyramide genannt) näherte sich am ehesten einer sogenannten, in Industriestaaten verbreitenden, Urnenform an. Diese Form ist typisch bei sinkenden Geburtenzahlen in Kombination mit einer hohen Lebenserwartung (siehe auch Fertilitätsrate). Dabei steigt nicht nur das Durchschnittsalter, der Anteil der jüngeren Altersgruppen nimmt gleichzeitig immer weiter ab. Während der Anteil der unter 20-Jährigen 1970 (in Westdeutschland) noch bei 29,7 Prozent der Bevölkerung lag, betrug deren Anteil in Deutschland 2018 nur noch 18,4 Prozent.[5]
Gleichzeitig stieg der Anteil der Menschen über 67 zwischen 1970 und 2018 von 11,1 auf 19,2 Prozent an. Dabei hat sich der Anteil der über 85-Jährigen von 1970 bis 2018 mehr als vervierfacht. In knapp fünfzig Jahren stieg er von 0,6 auf 2,7 Prozent, was Ende 2018 insgesamt 2,3 Millionen Personen in der Altersgruppe ab 85 entsprach.[6]
Auswirkungen des steigenden Durchschnittsalters
Dieser Strukturwandel wirkt sich auf den sogenannten Generationenvertrag aus, da immer weniger Erwerbstätige immer mehr Menschen im Rentenalter mit versorgen sollen. Der Anteil der Erwerbstätigen sank in zwanzig Jahren von 68,2 Prozent (1998) kontinuierlich auf 64,6 Prozent im Jahr 2019.[7]
Der demografische Wandel wird sich auch auf den Immobilienmarkt auswirken: Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre besitzen einen großen Teil der Eigenheime. Mit dem altersbedingten Eigentumsübergang in den kommenden Jahren könnte ein erhöhtes Immobilienangebot entstehen. In strukturschwachen Regionen wird ein großes Überangebot erwartet mit sinkenden Preisen, während Ballungsräume voraussichtlich weniger betroffen sind.[8]
Demografischer Wandel im ländlichen Raum Österreichs
Das ECOnet Team rund um den Politologen Peter Filzmaier analysiert Auswirkungen des demografischen Wandels im ländlichen Raum in Österreich.[9] Die Studien sehen ein allgemeines Bevölkerungswachstum von 9 Prozent und keinen Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum bis 2050 kommen. Jedoch ist mit einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung um 5 Prozent zu rechnen, wenn die aktuellen Altersgrenzen der Erwerbstätigkeit identisch bleiben. Die reine Veränderung der Bevölkerungsstruktur stellt also nur in ihren Implikationen ein Problem für die Gesellschaft in unserer heutigen Betrachtungsweise dar.
Demographischer Wandel in der Schweiz
In Regionen mit überdurchschnittlich alter Bevölkerung (zum Beispiel im Speckgürtel um Basel herum[10]) haben Gemeinde durch hohe / steigende Kosten für Alters- und Pflegeheime sowie für Spitex hohe Haushaltsdefizite.