Denis Flageollet

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Denis Flageollet (* 1962 in Gérardmer, Département Vosges) ist ein französischer Uhrmacher und Mitbegründer der unabhängigen Uhrenmarke De Bethune.[1] Neben seiner Tätigkeit als technischer und künstlerischer Leiter der Manufaktur engagiert sich Flageollet für den Erhalt und die Weitergabe uhrmacherischer Kenntnisse durch Initiativen und Programme.[2][3]

Werdegang

Denis Flageollet stammt aus einer Familie von Uhrmachern in vierter Generation. Er studierte Uhrmacherei und Mikromechanik am Technicum von Le Locle in der Schweiz und begann seine berufliche Laufbahn mit der Restaurierung historischer Zeitmesser im Musée d’Horlogerie du Locle.[4]

1982 trat Flageollet der Werkstatt von Michel Parmigiani, einem selbständigen Uhrmacher in Fleurier, bei, wo er an der Restaurierung klassischer und komplizierter Uhren mitarbeitete und zur Entwicklung eines ultraflachen ewigen Kalenders für Breguet beitrug.[5] In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre machte er sich als Uhrmacher selbständig.[6]

1989 gründete Flageollet gemeinsam mit François-Paul Journe die Techniques Horlogères Appliquées (THA) in Sainte-Croix; weitere Uhrmacher, darunter Vianney Halter und Dominique Mouret, schlossen sich an. Als technischer und Produktionsleiter sowie Leiter der F&E richtete er die Werkstätten ein und übernahm die technische Leitung.[7] In seinen 12 Jahren bei THA entwickelte und fertigte er Uhrkomponenten, Pendeluhren und Kaliber für Marken und Privatkunden, darunter den Monopoussoir-CPCP-Chronographen für Cartier und die Breguet Sympathique Nr. 1 für Breguet.[8][9][10]

2002 gründete Denis Flageollet mit David Zanetta die Manufaktur De Bethune.[11][12]

Uhrmacherische Arbeit und technische Innovationen

Flageollet verfolgt einen Ansatz, der wissenschaftliche Forschung, handwerkliche Tiefe und ästhetische Vision miteinander verbindet.[13][14] Zu seinen Entwicklungen zählen die temperaturkompensierte Unruh aus Titan mit Platinringen (Patent 2004), die sphärische Mondphasenanzeige für Armbanduhren (Patent 2004) sowie ein Chronographensystem mit flexibler Kupplungsklinge (Patent 2014).[15][16][17]

2011 lancierte er das Projekt Résonique – ein Kofferwort aus „résonance“ (Resonanz) und „sonique“ (Schall) –, das sich mit mechanischer Resonanz bei sehr hohen Frequenzen befasst. Ziel war es, neue Wege der Zeitmessung jenseits klassischer Hemmungssysteme zu erforschen, unter anderem durch den Einsatz magnetischer Rotoren und oszillierender Siliziumelemente.[18]

Seit 2022 arbeitet er an dem Projekt Mecavers, einer monumentalen astronomischen Skulptur-Uhr mit über 70 mechanisch dargestellten Himmelskörpern – als Hommage an die Geschichte der Uhrmacherei und deren Leuchtfiguren wie Antide Janvier und Ferdinand Berthoud. Sie bildet verschiedene Zeitkonzepte, Planetensysteme und Mechaniken ab, unter anderem Sonnenwenden (Solstitien), Tagundnachtgleichen (Äquinoktien), die Zeitgleichung (Équation du temps) und weitere astronomische Phänomene, die in einem pädagogischen Kunstwerk vereint werden.[19]

Engagement für Ausbildung und Kulturerbe

Flageollet hebt in Interviews die kulturelle und philosophische Dimension der Uhrmacherei hervor. Er beschreibt sie als Disziplin, in der Mechanik, Ästhetik und Reflexion miteinander verbunden sind, und betont dabei betont die Bedeutung traditioneller Techniken sowie der intensiven Auseinandersetzung mit Materialien. Dazu zählen das Schmieden eigener Werkstoffe und das Färben von Metallen wie Titan. Die Arbeit mit einfachen Werkzeugen sieht er als Prozess der Konzentration und gestalterischen Freiheit.[6]

2014 gründete Denis Flageollet gemeinsam mit den Kunsthandwerkern François Junod und Nicolas Court das Programm „Secrets des Maîtres“, eine Reihe von Einführungskursen in Sainte-Croix.[20] Diese Meisterklassen richten sich an junge Uhrmacherinnen und Uhrmacher sowie Interessierte anderer kunsthandwerklicher Disziplinen und geben ihnen die Möglichkeit, traditionelle Techniken im Austausch mit erfahrenen Experten zu erlernen.[21] Ab 2021 wurde das Programm von der Vereinigung Mec-Art übernommen, deren Mitbegründer Flageollet ebenfalls ist.[22] Die Organisation widmet sich der Förderung und Vermittlung mechanischer Künste durch Bildungsangebote, Ausstellungen und interdisziplinäre Projekte.[23]

2019 initiierte Flageollet eine Zusammenarbeit mit der École cantonale d’art de Lausanne (ECAL), aus der der jährlich vergebene «Prix De Bethune» hervorging. Der Preis richtet sich an Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Design for Luxury & Craftsmanship“ und soll sie ermutigen, ihre Forschung im Bereich der Kunsthandwerke weiterzuführen.[24][25]

2020 wurden die mechanische Uhrmacherei und die Kunstmechanik in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen – ein Projekt, dem Denis Flageollet sich bereits 2014 mit dem Vorschlag zur Kandidatur angeschlossen hatte.[26]

Im Jahr 2023 war Flageollet an der Gründung des «Institut de la Mécanique d’Art» (IM’A) in Sainte-Croix beteiligt, einer unabhängigen Struktur, die sich den Berufen der Uhrmacherei und mechanischen Kunst widmet.[27] Das Institut vereint handwerkliche Tätigkeiten, Ausbildungsprogramme, Ausstellungen und Forschungsprojekte.[28][29]

Zudem wirkte Flageollet an der Einrichtung der «Maison de la Mécanique d’Art» in Genf mit, einem von der Vereinigung Mec-Art initiierten Ort zur Förderung der mechanischen Künste. Dort finden Ausstellungen, Konferenzen und Veranstaltungen statt, die die Berufe der mechanischen Kunst und Uhrmacherei sichtbar machen.[30] Flageollet war an der Eröffnungsausstellung «Mechanical Marvels» im Jahr 2024 beteiligt.[31]

Im Jahr 2023 war Flageollet in seiner Funktion als Mitbegründer und Chef-Uhrmacher von De Bethune an der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an der Manufacture Reuge SA in Sainte-Croix beteiligt. Das 1865 gegründete Haus ist auf Musikdosen und Automata spezialisiert. Ziel der Übernahme war es, diese Tradition der mechanischen Kunst zu bewahren und weiterzuentwickeln.[32][33][34]

Einzelnachweise

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