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Denkmäler bei der Rudelsburg

Denkmäler der corpsstudentischen Verbände KSCV und VAC From Wikipedia, the free encyclopedia

Im Kaiserreich und nach dem Ersten Weltkrieg errichteten die corpsstudentischen Verbände KSCV und VAC vier bedeutende Denkmäler vor der Rudelsburg (Sachsen-Anhalt). Mitte Juli 1951 wurden sie in der DDR gesprengt.[1] Die verfallenen und zugewachsenen Reste wurden nach der deutschen Wiedervereinigung bis 2007 freigelegt und so weit wie möglich erneuert und ersetzt.

Zwischen den Weltkriegen

Kaiserobelisk

DEM ANDENKEN SEINER MAJESTÄT DES HOCHSELIGEN KAISERS WILHELM I.
IN TREUE UND VEREHRUNG. DIE DEUTSCHEN CORPSSTUDENTEN. PFINGSTEN 1890

Zu Ehren vom 1888 verstorbenen ersten Kaiser des preußisch-deutschen Kaiserreichs wurde der sog. Kaiserstein am 25. Mai 1890 enthüllt. Geschaffen wurde der Obelisk von Ernst Paul, Dresden. Es repräsentiert die Phase des Wilhelminismus der deutschen Corps. In der DDR zugewachsen, wurde er 1990 vom KSCV freigeschlagen und von 1996 bis 1998 restauriert. Das Porträtrelief und die Widmung waren 1953 zerstört worden und wurden neu angefertigt.

Gefallenendenkmal 1870/71

Kranz des Kösener Gefallenendenkmals

Zu Ehren der im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Corpsstudenten ließ der KSCV das Gefallenendenkmal errichten. Überliefert sind Namen und Corpszugehörigkeiten von 145 Gefallenen.[2] Das Denkmal wurde allein vom Aktivenverband finanziert, weil es noch keinen Verband Alter Corpsstudenten gab. In nur zwei Monaten fertiggestellt, war es das erste spezifisch studentische Denkmal für den Krieg von 1870/71 im Deutschen Reich. Es wurde beim Kösener Congress 1872 geweiht.

Sein ursprünglich 14,5 m hoher Aufbau war symbolisch: Die vier Ecken der Plattform stellten die deutschen Königreiche, die 24 Baluster die Bundesstaaten dar. Das Postament zeigte allseits Inschriften auf Marmorplatten mit der Widmung und den Namen der 138 (oder 234) Gefallenen. Die 6,50 m hohe Siegessäule mit dem Horaz-Zitat Dulce et decorum est pro patria mori trug den vergoldeten Reichsadler mit einer Spannweite von 2,30 m.

In der DDR wurde die Säule 1953 zerstört. Der Sockel ist erhalten (s. Commons). Auf Bitten des VAC-Denkmalbeauftragten suchten und fanden Bundeswehr-Pioniere aus Weißenfels 2000 die oberen Säulenteile in der Saale.[3] Der Adler ist wohl zersprungen. Schweres Bergegerät konnte wegen der stark frequentierten und elektrifizierten Saaletalbahn nicht herangeführt werden. Einzelteile von einem der Kränze wurden von einem Schweizer Studentenhistoriker in der DDR-Zeit am Sockel des Denkmals gefunden und aufgelesen; als Schweizer Staatsbürger war es ihm möglich, unbehelligt in die DDR einzureisen. 1977 schenkte der Schweizer Studentenhistoriker die Bruchteile dem jetzigen Eigentümer. Dieser ließ die Bruchstücke durch einen Steinmetz wieder zusammenfügen. Die ursprünglich vier Immortellenkränze waren mit Bändern umflochten und schmückten die Eckpfostenknäufe der Balustrade.

Erste Sanierungsmaßnahmen am Sockel wurden 1995/96 eingeleitet. 2007 wurde die Restaurierung mit der Anbringung neuer Granittafeln mit den Namen der Gefallenen abgeschlossen. Auf eine vollständige Rekonstruktion wurde verzichtet, um die Geschichtsspur der Zerstörung Anfang der 1950er Jahre sichtbar zu lassen.[4]

Jung-Bismarck-Denkmal

Rudelsburg Junger Bismarck

Das Jung-Bismarck-Denkmal von 1895/96 wurde als erste Gemeinschaftsleistung des Verbandes Alter Corpsstudenten (VAC) errichtet, und zwar aus Anlass des 80. Geburtstages von Fürst Otto von Bismarck, selbst Alter Herr des Corps Hannovera Göttingen. Von den unzähligen Bismarck-Denkmälern Deutschlands war dies das einzige, das den ersten kaiserlichen Reichskanzler in Bronze als lässig dasitzenden jungen Mann mit dem Couleurband um die Brust und einem studentischen Korbschläger in der Hand zeigte. Dazu gehörte natürlich auch sein Hund in Studentenzeiten, eine deutsche Dogge namens Ariel. Das Konzept, Bismarck als jungen Mann in legerer Haltung darzustellen, erzeugte kontroverse Diskussionen, war aber von ihm selbst am 27. April 1895 genehmigt worden. Die Ausführung erfolgte durch den Bildhauer Norbert Pfretzschner. In der DDR wurde dieses Denkmal 1951/1952 durch die FDJ zerstört. Der Grundstein mit Urkunden und der Studentenmütze Bismarcks wurde noch zu DDR-Zeiten von ostdeutschen Verbindungsstudenten aus dem Sockel geborgen und nach der Wiedervereinigung dem Kösener SC-Verband übergeben. Am 29. Mai 1998 haben Corpsstudenten des Corps Hannovera Göttingen an der Stelle des alten Bismarck-Denkmals ein Erinnerungsmal gestiftet.

Ein Nachguss des ursprünglichen Denkmals wurde am 1. April 2006 durch den KSCV im Beisein von Curt Becker, dem Justizminister von Sachsen-Anhalt, eingeweiht. Bildhauer war Andreas Belser aus Traunstein, die Gussarbeiten hatte die Kunstgießerei Otto Strehle in Winhöring bei Altötting ausgeführt.[5] Bei der feierlichen Einweihung waren zahlreiche Mitglieder des Corps Hannovera anwesend, die auch maßgeblich an der Realisierung und der Finanzierung des Nachgusses beteiligt waren. Durch Souvenirjäger oder Vandalismus wurde das Denkmal jedoch bereits wieder beschädigt.

In den Zaun um das Denkmal sind alle Zirkel derjenigen Corps eingelassen, die für den Nachguss gespendet haben, der Zaun gehört also zum Werk.

Löwendenkmal

SEINEN BRÜDERN DIE MEHR ALS ZWEITAUSEND 1914–1918 FÜR DEUTSCHLAND FIELEN
SCHUF DIESES DENKMAL DER KÖSENER S.C.

Im Steinbruch vor der Rudelsburg, auf dem Gelände der früheren Vorburg, wurde 1926 das Löwendenkmal errichtet. Es ehrt die 2.360 Kösener Corpsstudenten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Es zeigt im Relief einen überdimensionalen von Lanzen getroffenen, aber kampfbereiten, nach Westen gewendeten Löwen. Geschaffen wurde das Löwendenkmal von dem Berliner Bildhauer Hermann Hosaeus, den der Berliner Architekt Erich Blunck unterstützte. Die Philipp Holzmann AG übernahm die Bauausführung. Bei der Einweihung am 26. Oktober 1926 waren alle 116 Corps vertreten. Zugegen waren Max Le Blanc (Universität Leipzig) und Paul Menzer (Universität Halle) sowie die Bürgermeister von Bad Kösen und Naumburg.

Der Gedenkspruch stammt von Theodor Körner:

Sie hielten aus in Kampf und Sturmeswettern
Und standen treu bei Tugend, Recht und Pflicht.
Das Schicksal kann die Heldenbrust zerschmettern,
Doch einen Heldenwillen beugt es nicht.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde das eingewachsene Denkmal freigelegt, restauriert und mit neuen Gedenktafeln für die Gefallenen beider Weltkriege versehen.

Allianzstein

Von den Mitgliedsverbindungen der Rudelsburger Allianz wurde 1997 ein Gedenkstein zum zehnten Jubiläum des ersten öffentlichen Auftritts von Studentenverbindungen in der DDR auf der Rudelsburg errichtet. Bereits 1987 war neben dem Bismarck-Denkmal ein kleiner Betonstein gegossen worden. Dieser „alte Allianzstein“ befindet sich auch heute noch an der ursprünglichen Stelle.

Corpsverbandshaus

Das Corpsverbandshaus war ein im frühen 20. Jahrhundert geplantes Kongressgebäude mit Ehrenhalle und des Archivs des Kösener Senioren-Convents-Verbandes (KSCV) in Bad Kösen, das jedoch nicht über die Planungsphase hinausgelangte.

Bereits 1899 beschloss der Abgeordnetentag des an den KSCV angeschlossenen Verbands Alter Corpsstudenten (VAC) die Einrichtung einer „Sammelstelle für corpsstudentische Archivalien“ – zunächst vor allem für Bücher und Graue Literatur. 1903, im Hinblick auf das bevorstehende 50. Verbandsjubiläum, regte Jean Louis Sponsel (1858–1930) – Direktor des Grünen Gewölbes, des Münzkabinetts und des Historischen Museums Dresden, Mitglied der Corps Normannia Berlin und Rhenania Bonn sowie späterer Vorsitzender des VAC (1905–1909) – erstmals den Bau eines eigenen Archiv- und Kongressgebäudes in Bad Kösen an.[6]

Hintergrund war auch, dass man mit der Verköstigung im „Mutigen Ritter“ und den dortigen Preisen nicht mehr zufrieden war. Hinzu kamen Platzprobleme. Auch die Stadt zeigte sich den Plänen gegenüber aufgeschlossen, da der Bau außerhalb der Congresstage als Kurhaus hätte genutzt werden können.[7]

Die Reaktionen innerhalb des VAC fielen allerdings geteilt aus, sodass man sich zunächst lediglich auf die Erstellung einer Machbarkeitsstudie verständigte. Vorbehalte bestanden unter anderem deshalb, weil befürchtet wurde, es könnte hier ein Konkurrenzbau zur Rudelsburg entstehen. 1904 wurde der Architekt Wilhelm Kreis (1873–1955) mit der Ausarbeitung von Entwürfen beauftragt. Er legte zwei neubarocke Varianten für ein Corpsverbandshaus mit Ehrenhalle vor. Die geplante Ehrenhalle entsprach seiner für diese Zeit charakteristischen monumentalen Formensprache und weist bereits deutliche Parallelen zu dem wenige Jahre später in der Lößnitz bei Kötzschenbroda errichteten Bismarckturm auf. Das Bauvorhaben sollte vermutlich ein eigenes architektonisches Symbol des Corpsstudententums schaffen und den von den Burschenschaften initiierten Memorialbauten ein vergleichbares repräsentatives Monument entgegensetzen.[8] Für den Bau waren bereits zwei Grundstücke in der Nähe des „Mutigen Ritters“ zum Erwerb ausgewählt worden. Die veranschlagten Baukosten beliefen sich – je nach Ausführung – auf 200.000 bis 250.000 Mark. Kurioserweise sah das von der Altherrenschaft ersponnene Finanzierungskonzept vor, dass die Hauptlast des Bauvorhabens nicht etwa von ihnen selbst, sondern von den Aktiven getragen werden sollte. Die Aktiven lehnten die Belastung – wenig überraschend – entschieden ab und bezeichneten das Vorhaben als überflüssigen „Prachtbau“. Immerhin war vorgesehen, erst nach vollständiger Aufbringung der erforderlichen Mittel mit dem Bau zu beginnen, doch blieben zwei Spendenaufrufe weit hinter den Erwartungen zurück: Bis 1909 kamen lediglich 42.000 Mark zusammen, während der Kapitalbedarf inzwischen auf 550.000 Mark veranschlagt wurde. Da eine tragfähige Finanzierung nicht zustande kam, schwand in den folgenden Jahren die Unterstützung für das Projekt. Auf dem Abgeordnetentag des VAC wurde es schließlich 1911 endgültig aufgegeben; zeitgleich scheiterten auch die Verhandlungen über den Erwerb der Rudelsburg.[9]

Der Verband tagte bis zu seiner Auflösung im Jahr 1935 weiterhin überwiegend im „Mutigen Ritter“ in Bad Kösen. Die dortigen Platzprobleme konnten nach dem Ersten Weltkrieg durch den Anbau eines Saales weitgehend gelöst werden. Finanziert wurde dieser Anbau u. a. aus den bereits vor dem Krieg für das geplante Corpsverbandshaus gesammelten Spenden, deren Wert durch die Inflation jedoch erheblich geschmälert worden war, sowie aus erneuten Spendensammlungen. Nach der Wiedergründung in der Bundesrepublik tagte man in den Huttensälen in Würzburg, und nach der Wiedervereinigung wieder in Bad Kösen. Archiv und Bibliothek wurden 1907 als Depositum an die Universitätsbibliothek Marburg übergeben, wo Wilhelm Fabricius die Bestände betreute; eine im selben Jahr erlassene Benutzungsordnung machte die Sammlung öffentlich zugänglich. Unter Carl Manfred Frommel 1928 erweitert, ging sie 1929 in die Hochschulkundliche Sammlung der Universität Frankfurt am Main über und gelangte 1935 an das neu gegründete Institut für Hochschulkunde in Würzburg. 1945 wurde das Institut neu organisiert; seit 1952 bildet das Kösener Archiv dort eine von drei Kösener Sammlungen, betreut durch einen Kustos des VAC. Seit 2014 befindet sich das IfH in einem eigenen Gebäude auf dem Campus Nord der Universität Würzburg.[10]

Literatur

  • Christian Kahlenberg: Trümmer in der Saale. Das Gefallenendenkmal der Kösener Corpsstudenten (1870/71). In: Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, 2002, Band 47, S. 313–319.
  • Rüdiger Kutz: Die Chronik der Rudelsburg und ihrer Denkmäler. München 1993 (Einst und Jetzt, Sonderheft).
  • Hans-Werner Kaller: Der Kösener SC-Verband, Bad Kösen und die Rudelsburg. In: Rolf-Joachim Baum (Hrsg.): »Wir wollen Männer, wir wollen Taten!« S. 299–310.
  • Hubertus Tim Adam: Nationale Totenbeschwörungen. Über den Umgang der DDR mit monumentalen Zeugnissen der deutschen Vergangenheit. In: Katrin Keller, Hans-Dieter Schmid (Hrsg.): Vom Kult zur Kulisse Das Völkerschlachtdenkmal als Gegenstand der Geschichtskultur. Leipzig 1995, S. 148–210.
  • Rolf-Joachim Baum: 175 Jahre Geschichte und Chronik des Kösener SC-Verbandes 1848–2023. Wachtberg 2023, S. 73 f., 84–87, 92.
Commons: Denkmäler bei der Rudelsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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