Denuvo
Kopierschutz-Software
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Denuvo ist eine Kopierschutz-Software, die von der österreichischen Denuvo Software Solutions GmbH entwickelt wurde. Die Gesellschaft wurde durch Management-Buy-out von DigitalWorks, einem Geschäftsbereich von Sony DADC und Entwickler des Kopierschutzsystems SecuROM, geschaffen.[1] Am 23. August 2018 gab das Unternehmen bekannt, von nun an auch ein Anti-Cheat-Tool zu entwickeln.[2] Denuvo Software Solutions GmbH wurde im Januar 2018 von Irdeto übernommen; das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt 45 Mitarbeiter.[3]
| Denuvo | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Hauptentwickler | Irdeto |
| Entwickler | Denuvo Software Solutions GmbH |
| Erscheinungsjahr | 23. September 2014 |
| Betriebssystem | Microsoft Windows |
| Kategorie | Digitale Rechteverwaltung, Anti-Cheat-Tool |
| Lizenz | Proprietäre Software |
| irdeto.com/denuvo | |
Die Entwicklung der Software begann 2014; als erstes mit Denuvo geschütztes Spiel gilt FIFA 15.[4] Seit der Übernahme durch Irdeto wird die Produktlinie unter der Bezeichnung Denuvo by Irdeto vermarktet und umfasst neben dem Kopierschutz auch Anti-Cheat-Produkte sowie Schutzmechanismen gegen Emulatoren.[5][6]
Technik
Denuvo begrenzt Möglichkeiten zum Debuggen, Reverse Engineering sowie Verändern (Manipulieren) von Dateien, welche von DRM-Systemen genutzt werden. Ein Umgehen der Systeme soll damit verhindert werden, sodass nur durch eine rechtmäßig erworbene Softwarelizenz die Software ausgeführt werden kann. Die Software stellt eine Art Umgehungsschutz für andere Schutzkonzepte dar.[7]
Der Hersteller ist daher der Ansicht, dass es sich bei der Software um keine DRM-Lösung handele, da sie bestehende DRM-Lösungen wie Steam oder Origin lediglich schütze.[7] Mit Denuvo geschützte Spiele erfordern in der Regel eine Online-Aktivierung; laut Endnutzerlizenz kann eine Lizenz dabei auf bis zu fünf Geräten innerhalb von 24 Stunden aktiviert werden.[8]
Produkte
Im März 2019 kündigte Denuvo ein eigenes Anti-Cheat-System an.[9] Dieses wurde im Mai 2020 per Update erstmals in Doom Eternal eingesetzt; die Kontroverse um den Kernel-Treiber und die spätere Entfernung werden im Abschnitt Sicherheit behandelt.[10]
Im August 2022 stellte Denuvo zudem eine Schutzlösung gegen die Ausführung von Nintendo-Switch-Spielen in Emulatoren vor. Laut Hersteller soll diese auf Originalhardware keine Leistungseinbußen verursachen.[11][12] Im August 2023 wurde das Produkt nach Unternehmensangaben veröffentlicht.[13]
Auf der Game Developers Conference 2024 stellte Irdeto zudem TraceMark for Gaming vor, eine Anti-Piraterie-Lösung zum frühen Erkennen und Zurückverfolgen von Leaks.[14] Nach Angaben des Unternehmens umfasst das Portfolio inzwischen neben Anti-Cheat auch verhaltensbasierte Bot- und Cheat-Erkennung unter der Bezeichnung Behavioral Anti-Cheat beziehungsweise Unbotify.[5]
Kritik
Anfängliche Berichte deuteten an, dass sich Denuvo „zum Selbstschutz kontinuierlich ver- und entschlüsselt“.[15] Ferner behaupteten einige Kunden, dass Denuvo die Lebensdauer von Solid-State-Drives verkürze, da übermäßig Daten auf die Laufwerke geschrieben würden.[15][16] Der Hersteller teilte daraufhin mit, dass die Software „nicht kontinuierlich Daten auf Datenträgern ver- und entschlüsselt.“ Dies böte „in Bezug auf die Sicherheit oder Leistung keine Vorteile.“[16]
Weitere Berichte von Nutzern deuten am Beispiel von Devil May Cry 5 darauf hin, dass der Kopierschutz bei einzelnen Spielen möglicherweise für Leistungseinbußen und verlängerte Ladezeiten verantwortlich ist. Bei Tests variieren diese aufgrund der Unterschiede zwischen den verschiedenen Systemkonfigurationen jedoch sehr stark. In der Regel sollte Denuvo das Spielerlebnis auf neueren Geräten nicht beeinflussen, auf schwachen Rechnern kann es jedoch zu bemerkbaren Problemen kommen.[17][18]
Ende 2018 verwiesen weitere Analysen auf mögliche Performance-Nachteile durch Denuvo. Ars Technica und ExtremeTech berichteten über höhere Frameraten und kürzere Ladezeiten in Vergleichstests ohne den Kopierschutz.[19][20]
Als weitere Beispiele für mögliche Leistungseinbußen wurden unter anderem Tekken 7, Sonic Mania Plus und Resident Evil Village genannt.[21][22][23][24]
Der Journalist Richard Leadbetter kam für Eurogamer zu dem Schluss, dass eine Version von Resident Evil Village ohne Capcoms Denuvo-geschützte Schutzmechanismen deutlich besser lief als die Verkaufsversion; ein späterer Patch verbesserte die Leistung wieder auf ein vergleichbares Niveau.[25]
2026 erklärte Denuvo-Produktmanager Andreas Ullmann, prominente Fälle wie Resident Evil Village und Tekken 7 seien auf fehlerhafte Implementierungen zurückzuführen. Bei Resident Evil Village habe Capcom zusätzliche Schutzmechanismen integriert, bei Tekken 7 sei Denuvo auf den falschen Quellcode angewendet worden.[26]
Aus Performance-Gründen wurde der Denuvo-Kopierschutz des Spiels Humankind vor der Veröffentlichung entfernt.[27]
Im November 2021 führte zudem eine abgelaufene Denuvo-Domain zeitweise dazu, dass mehrere Spiele nicht gestartet werden konnten.[28] Ebenfalls im November 2021 traten auf Systemen mit Intel-Alder-Lake-Prozessoren Kompatibilitätsprobleme auf, die laut Hersteller im Januar 2022 behoben wurden.[29][30]
Im Oktober 2024 eröffnete Denuvo einen offiziellen Discord-Server, um das Verhältnis zu Entwicklern, Publishern und Spielern zu verbessern. Nach Berichten wurde der Server nach kurzer Zeit vorübergehend geschlossen, nachdem zahlreiche DRM-kritische Nutzer ihn mit Beschwerden überflutet hatten.[31][32]
Sicherheit
Die chinesische Release Group 3DM berichtete Anfang Dezember 2014, Denuvo erfolgreich umgangen zu haben. Dabei gab die Gruppe an, dass Denuvo einen 64-Bit-Verschlüsselungsalgorithmus mit unverwechselbaren hardwaregebundenen kryptografischen Schlüsseln auf Basis der Systemhardware verwende.[33] Kurze Zeit später veröffentlichte die gleiche Gruppe einen Crack für das Computerspiel Dragon Age: Inquisition, welches Denuvo zum Schutz von Origin verwendet.[34] Darauf angesprochen, bestätigte Denuvo, dass „jedes geschützte Spiel irgendwann geknackt“ wird.[34] Aufgrund der Dauer von mehr als 30 Tagen zwischen Veröffentlichung des Spiels und dem Crack könnten Publisher Denuvo jedoch als Erfolg werten, da die meisten rechtmäßigen Käufe eines Spieles innerhalb der ersten 30 Tage nach Veröffentlichung stattfinden.[35]
Im Januar 2016 erklärte die Mitgründerin der Gruppe 3DM, den Versuch, Just Cause 3 zu knacken, vorerst aufzugeben, und stellte die These auf, dass der Crack-Schutz von PC-Spielen in wenigen Jahren kaum noch zu umgehen sein werde. Kurz darauf kündigte 3DM eine einjährige Pause bei der Veröffentlichung von Cracks an.[36][37][38]
Im August 2016 wurde von der Warez-Gruppe „CONSPIR4CY“ (CPY) ein Crack für das Spiel Rise of the Tomb Raider veröffentlicht. Der Crack basiert auf einem kurz zuvor veröffentlichten und bereits gepatchten Exploit zur Demo des Spieles Doom. Gepatchte Denuvo-geschützte Spiele werden dabei als Doom-Demo erkannt.[39]
Anfang 2017 wurde Denuvo bei Resident Evil 7: Biohazard innerhalb von weniger als fünf Tagen nach Release geknackt.[40] Der Crack erfolgte erneut durch die Warez-Gruppe „CONSPIR4CY“ (CPY).
Zu den bereits 2017 am Veröffentlichungstag oder kurz danach umgangenen Spielen zählten unter anderem Middle-earth: Shadow of War und FIFA 18.[41][42] Im Februar 2018 gelang ein Crack von Assassin's Creed Origins trotz der Kombination mit VMProtect und Uplay-DRM.[43] Im November 2018 wurde Hitman 2 bereits vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin geknackt.[44] 2019 wurden unter anderem Devil May Cry 5, Metro Exodus und Resident Evil 2 innerhalb der Veröffentlichungswoche geknackt.[45] Für 2019 wurden außerdem Cracks von Far Cry New Dawn, Football Manager 2019 und Soulcalibur VI innerhalb der Veröffentlichungswoche berichtet.[45] Bei Rage 2 entfernten die Entwickler Denuvo kurz nach Veröffentlichung der Steam-Version wieder.[46]
Am 5. Juni 2017 veröffentlichte die neue Warez-Gruppe „STEAMPUNKS“ den ersten Denuvo-Lizenzgenerator für das Spiel Dishonored 2. Die Dateien des Spiels werden dabei nicht verändert, stattdessen wird eine Lizenz erstellt, die von Denuvo als gültig erkannt wird und damit den Schutz umgeht.[47]
Im April 2019 veröffentlichte die russische Zeitschrift Хакер („Hacker“) einen Artikel, in dem die innere Struktur des DENUVO-Schutzes am Beispiel von EA Origin beschrieben und die Methode zur Erzeugung von Lizenzschlüsseln beschrieben wird.[48]
Der Denuvo-Schutz für das Spiel Wolfenstein: Youngblood wurde im August 2019 bereits 21 Tage nach der Veröffentlichung des Spiels geknackt.[49]
Im Mai 2020 führte id Software Denuvo Anti-Cheat per Update in Doom Eternal ein. Die Kritik richtete sich vor allem gegen den Kernel-Treiber und den Einsatz auch im Einzelspieler-Modus; wenige Tage später kündigte das Studio die Entfernung des Systems an, während Denuvo Anti-Tamper im Spiel verblieb.[50][51][52]
2023 berichtete TechSpot, dass die Crackerin Empress den Schutz von Hogwarts Legacy rund zwölf Tage nach Veröffentlichung entfernt habe.[53] 2024 analysierte der Reverse-Engineering-Experte Maurice Heumann den Denuvo-Schutz in Hogwarts Legacy und kam zu dem Schluss, dass sich keine signifikante generelle Beeinträchtigung der Gesamtleistung nachweisen lasse.[54]
Im März 2026 berichteten mehrere Medien über hypervisorbasierte Verfahren, mit denen sich Denuvo auf Systemebene umgehen lasse. Dabei würden Sicherheitsfunktionen von Windows deaktiviert und zusätzliche Software mit sehr weitreichenden Rechten installiert, was als erhebliches Sicherheitsrisiko beschrieben wurde.[55][56][57]
Im selben Jahr berichteten Medien über mehrere schnelle Umgehungen neuer Denuvo-Versionen, darunter Doom: The Dark Ages, Resident Evil Requiem, Mafia: The Old Country und Lego Batman: Legacy of the Dark Knight.[58][59][60][61]
Spieleerhaltung
Die Debatte um die langfristige Spielbarkeit digital vertriebener Spiele ist eng mit Denuvo verknüpft. Wenn Aktivierungsserver abgeschaltet werden oder Infrastrukturfehler auftreten, können betroffene Titel zeitweise unspielbar werden, wie der Ausfall im November 2021 zeigte.[28] Im Zusammenhang mit dieser Debatte wurde auch auf Motive von Crackern wie Empress verwiesen, die in einem Interview die Erhaltung von Spielen nach dem Support-Ende als Beweggrund nannte.[62]
Weblinks
- Offizielle Website (englisch)
- Denuvo im PCGamingWiki (englisch)