Denzler AG
Ehemaliges Unternehmen in Kempten
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Die Denzler AG war ein deutsches Unternehmen in der Textilindustrie mit Sitz im Ortsteil Sankt Mang von Kempten (Allgäu). Der Betrieb der Zwirnerei wurde Anfang der 1990er Jahre aufgegeben.
| Denzler AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1864 1889 (als Aktiengesellschaft) |
| Auflösung | 1991 |
| Auflösungsgrund | Betriebsaufgabe |
| Sitz | Kempten (Allgäu), Deutschland |
| Branche | Textile Fadenbildung, Netzherstellung |
Unternehmensgeschichte
Das Unternehmen hatte seine Ursprünge in der Schweiz: Die Brüder Heinrich und Friedrich Denzler aus Nänikon kamen durch familiäre Kontakte nach Kempten. Im Mai 1864 erwarben die beiden dort die Grundstücke rechts der Iller sowie eine Staustufe unterhalb von Drahtzug. Es wurden ein Wehr und ein Kanal sowie ein kleines Turbinenhaus für ein Wasserkraftwerk gebaut. Mit dieser Anlage wurde die Mechanische Baumwollzwirnerei Gebr. Denzler mit 2000 Spindeln betrieben.
Im Jahr 1868 wurden Webzwirne, Näh- und Fischernetzzwirne hergestellt. Zwei Jahre später erwarben die Gebrüder Denzler auf der gegenüber liegenden Illerseite eine Holzschleiferei und schlossen dem Betrieb damit eine Holzstoff-Erzeugung an, die 1898 aufgegeben wurde.

1889 wurde das Unternehmen unter der Firma Mechanische Baumwollzwirnerei Kempten vorm. Gebr. Denzler in eine Aktiengesellschaft mit 400.000 Mark Aktienkapital umgewandelt[1], Vorstand wurde der Sohn von Heinrich Denzler. Zwischen 1890 und 1910 verdoppelte sich die Spindelanzahl auf 16.000 Stück. Vor dem Zweiten Weltkrieg fanden dort 300 Arbeiter Beschäftigung. Ab 1890 wurden für sächsische, Vorarlberger, Schweizer und nordfranzösische Kunden Stickzwirne hergestellt. Wegen des stetigen Wachstums wurde die Leistung des Wasserkraftwerks auf 400 PS ausgebaut.
1925 übernahm das Unternehmen eine Fischnetzfabrik für Hochsee- und Binnenfischerei. Die technische Ausstattung, und somit auch Voraussetzung, stammt aus einer in Konkurs gegangenen Fabrik in Danzig. Mit der Nähfadenproduktion wurde 1932 begonnen. 1938 wurde das Sortiment um Cordzwirn erweitert. Im Dezember 1939 wurde die geänderte Firma Zwirnerei Denzler AG in das Handelsregister eingetragen.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Werk an eine Treuhandverwaltung und wartete nur noch die Betriebsausstattung. Im Jahr 1946 baute die Zwirnerei Denzler AG einen Fabriksaal und erweiterte die Cordzwirnerei, als neues Geschäftsfeld kam die Kistenmacherei hinzu.
Bei einem Großbrand im April 1959 wurde die Zwirnerei fast völlig zerstört. Man entschied sich in der Zeit danach, die Nähfadenproduktion einzustellen um sich dem gestiegenen Bedarf an Luxusgütern anzupassen. In den 1960er Jahren wurden in den Produktionsräumen entlang der Iller Feinzwirne, Synthetik-Garne für Webereien, Wirkereien und Strumpfwarenfabriken hergestellt. Das Portfolio an Netzen wurde stetig erweitert, nach Fischnetzen gehörten beispielsweise auch Gardinen-, Dekorations- und technische Netze zum Sortiment. 1961 erfolgte die Verkürzung der Firma zu Denzler AG. Zusammen mit einer Zweigniederlassung in Bremerhaven hatte die Aktiengesellschaft insgesamt 200 Arbeitskräfte. „Denzler’s Fischman“ galt in der Zeit als internationaler Qualitätsbegriff.
Gegen Ende der 1970er Jahre baute das Kemptener Unternehmen für Kunert aus Immenstadt im Allgäu eine neue Fabrik. In den vermieteten Fabrikhallen entstanden Herrenstrümpfe.
Mit der Reduktion der Fischfangquoten in den 1980er Jahren erwies sich die Fischnetzherstellung als unrentabel und wurde 1985 eingestellt. Sechs Jahre später wurde der Betrieb der Denzler AG vollständig aufgegeben. Die Betriebsgebäude wurden teilweise durch Möbelmärkte und durch die Ott Hydromet übernommen. Der Schornstein wurde 1998 gesprengt. Der Denzler-Park, ein kleiner Bürgerpark mit der denkmalgeschützten Denzler-Villa, wurde 2000/2001 durch das Wohnungsbauunternehmen BSG Allgäu von der letzten Unternehmens-Eigentümerfamilie Nef übernommen.
Literatur
- Ralf Lienert: Sankt Mang Blicke. Geschichte der Gemeinde 1818–1972. Eine Bestandsaufnahme 30 Jahre nach der Gemeindegebietsreform. Kempten 2002, ISBN 3-936208-27-1, S. 216–220.