Der Delphin

From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Delphin (Le Dauphin) ist ein Feenmärchen (AaTh 675) von Marie-Catherine d’Aulnoy und erschien 1698 in Contes Nouveaux ou Les Fées à la Mode.

Inhalt

Der hässliche Prinz Alidor, von seinen Eltern abgelehnt, zieht heimlich fort. Ein Reisekamerad erzählt ihm vom Königreich des Waldes und der schönen Prinzessin Livorette. Dort nimmt man ihn gut auf. Nur Livorette verlacht ihn, dass er so hässlich ist. Er sucht die Einsamkeit, geht fischen, aber fängt nichts, sie spottet. Als er weiter hinaus fährt, ist plötzlich ein Delphin im Netz, der um Schonung bittet und ihm danken will. Er erhält das Boot voller Fisch. Der Delphin will ihm jeden Wunsch erfüllen. Nachdem Alidor verspricht, keine außer Livorette zu lieben, verwandelt er ihn in einen Kanarienvogel, den sie gern aufnimmt. Nur schlafen soll er bei ihren Haustieren. Der Delphin sagt, das soll sich erst ändern, wenn sie seine Verlobte wird. Dank seines Charmes stimmen sowohl Livorette glücklich als auch ihre Eltern lachend zu. Nachts sieht er sie schlafen und erwartet morgens auf einem Felsen den Delphin. Im Felsen wohnt die Fee Grognette, droht ihn zu verderben. Der Delphin fürchtet ihre Macht und rät Alidor, die Zeit zu genießen. Livorette erkrankt. Man glaubt dem Arzt nicht, dass sie schwanger ist, bis sie einen schönen Sohn bekommt. Die Gesandten, die um sie anhielten, verschwinden. Ihr Vater lässt sie samt Kind in einen Turm sperren. Alidor wird verrückt. Als nach vier Jahren jeder dem Kind ein Geschenk machen muss, kommt er als letzter aus seiner Höhle, hat nur eine Stecknadel, doch das Kind freut sich wie bei keinem sonst. Der König sieht es, lässt Vater, Mutter, Kind in einem Fass ins Meer werfen mit nur etwas Milch, Wein und Brot. Alidor isst Brot und Wein auf. Livorette wünscht von seinem Delphin eine Insel mit Palast, Garten, einem wunderbaren Baum und dass Alidor schön wird. Da herrschen sie im Überfluss. Aber Grognette bedroht Livorette beim Leben des Kindes, nur mit Erlaubnis ihrer Eltern zu heiraten. Den Vater ergreift von ständigen Vorwürfen der Mutter inzwischen die Reue. Auf Rat einer Waldfee segeln sie, erreichen schiffbrüchig auf dem Rücken des Delphins die Insel, ohne ihr Kind zu erkennen. Als Gäste dürfen sie den Baum mit Früchten aus Diamant und Rubinen beschauen. Die findet man dann in ihren Kleidern, sie wissen von nichts. Da eröffnet ihnen Livorette, wie ebenso unschuldig sie war. Sie heiraten und leben glücklich in Alidors Reich, ihr Sohn bleibt auf der Insel.

Bemerkungen

Nur heutige Leser denken wohl bei dem Delphin, der im Text als Fisch bezeichnet wird, gleich an Grimms Märchen Vom Fischer und seiner Frau. Der Moral gemäß, muss Alidor erst versprechen, Livorette zu heiraten. Sie wird schwanger, obwohl er ihr doch nur beim Schlafen zusah. Die Namen scheinen erfunden, der der Fee Grognette kommt wohl von „grogner“ („brummen“, „knurren“). Der Palast zeigt Livorettes Geschichte in Wandbildern, wie in Aulnoys Gracieuse und Percinet, Die weiße Katze. Der wunderbaren Baum mit Früchten aus Diamant, Rubin und Smaragd gleicht einem prunkvollen Lebensbaum.

Marc Soriano ordnet das Märchen AaTh 675 (Der faule Junge) zu.[1] Vgl. Basiles Peruonto. Walter Scherf beobachtet Einsicht in menschliches Verhalten hinter wohlanständiger Verschlüsselung. In der Schilderung der Flucht in die Ichauflösung und Wahnsinnsreden des Prinzen übertreffe sich die Autorin selbst. Keinesfalls sei der Text nur mit Basiles Peruonto und Straparolas Pietro pazzo gleichzusetzen. Durch Aufnahme ins Cabinet des fées und Friedrich Justin Bertuchs Blaue Bibliothek aller Nationen sei er in bürgerlichen Kinderstuben nicht nur in Frankreich verbreitet gewesen, eine Wirkung auf mündliches Erzählen aber nicht nachweisbar.[2]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI