Der Film des Königs

Film von Carlos Sorín (1986) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Film des Königs (Originaltitel: La película del rey) ist eine argentinische biografische Komödie aus dem Jahr 1986 unter der Regie von Carlos Sorín, der das Drehbuch gemeinsam mit Jorge Goldenberg verfasste. Es ist Soríns Debütfilm, in dem Ulises Dumont, Julio Chávez, Villanueva Cosse, Roxana Berco, Miguel Dedovich und Ana María Giunta die Hauptrollen spielen.

TitelDer Film des Königs
OriginaltitelLa película del rey
ProduktionslandArgentinien
OriginalspracheSpanisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Der Film des Königs
Originaltitel La película del rey
Produktionsland Argentinien
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 1986
Länge 107 Minuten
Stab
Regie Carlos Sorín
Drehbuch Carlos Sorín, Jorge Goldenberg
Produktion Perla Lichteisntein, Gustavo Sierra, Ezequiel Ábalos, Axel Pauls
Musik Carlos Franzetti
Kamera Esteban Pablo Courtalón
Schnitt Alberto Yaccelini
Besetzung
  • Ulises Dumont: Arturo
  • Julio Chávez: David
  • Villanueva Cosse: Desfontaine
  • Roxana Berco: Lucía
  • Miguel Dedovich: Oso / Orélie Antoine de Tounens
  • Ana María Giunta: Madama
  • David Llewellyn: Lachaise
  • Ricardo Hamlin: Maxi
  • Marilia Paranhos: Lula
  • Rubén Szuchmacher: Mapudungun-Dolmetscher
  • Eduardo Hernández: Rosales
  • Rubén Patagonia: Quilapán
  • César García: Bonanno
  • Carlos Rivkin: Rogelio
  • Marcela Luppi: Visagistin
  • Fernando Bravo: Journalist
  • Diego Varzi: Staatssekretär
  • Susana Tanco: Laura
  • Mónica Tosser: Sekretärin
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Der in Eastmancolor gedrehte Film feierte am 28. August 1986 seine Premiere. In Deutschland kam er im Juni 1987 in die Kinos und wurde am 12. März 1992 im ZDF ausgestrahlt.[1]

In einer vom Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken im Jahr 2000 durchgeführten Umfrage zu den 100 besten Filmen des argentinischen Kinos belegte der Film den 15. Platz. In einer neuen Auflage der Umfrage, die 2022 von den Fachzeitschriften La vida útil, Taipei und La tierra quema organisiert und auf den Internationalen Filmfestspielen von Mar del Plata vorgestellt wurde, belegte der Film den 30. Platz.

Handlung

Der junge Filmemacher David Vass aus Buenos Aires ist besessen davon, gemeinsam mit seinem Produktionsleiter Arturo eine epische Verfilmung über den Aufenthalt des französischen Abenteurers Orélie-Antoine de Tounens im Patagonien des 19. Jahrhunderts zu realisieren. Der Start des Filmprojekts ist vielversprechend, die Produktion scheint einen soliden Geldgeber zu haben, und es werden hervorragende Schauspieler dabei sein. Das Büro in Buenos Aires, in dem das Projekt vorbereitet wird, strahlt reges Treiben aus, verfügt über ein Team von Fachleuten und bietet beste technische Voraussetzungen.

Ein Problem taucht auf, als bei der Suche nach dem perfekten Darsteller für die Rolle des Königs alle professionellen Bewerber abgelehnt werden. David begibt sich dann auf die Straße, um eine passende Person für diese Rolle zu finden. Schließlich entdeckt er auf einem Kunsthandwerkermarkt einen Hippie, den er für perfekt geeignet hält, und kann ihn davon überzeugen, die Rolle zu übernehmen. David ist jetzt zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht. Er versammelt die Darsteller und die Crew, um sich auf die Reise nach Südargentinien vorzubereiten, wo der Film gedreht werden soll.

Doch dann zieht sich sein Geldgeber überraschend mit dem Filmgeld zurück und flieht ins Ausland. Weil David plötzlich niemanden mehr bezahlen kann, springen alle professionellen Nebendarsteller ab. Er lässt sich nicht unterkriegen und macht sich erneut auf die Suche nach mehreren Leienschauspielern als Ersatz. Dazu werden auf der Straße Personen mit geeignetem Aussehen angesprochen und für das Projekt gewonnen. Die Rolle der Madama wird von einer echten Prostituierten gespielt werden, die im Hafengebiet gefunden wurde. Ein Bauarbeiter, der auf einer Straße arbeitet, wird für die Rolle des Mapuche-Häuptlings gewonnen und so weiter. Die Reise nach Patagonien findet schließlich statt, wenn auch mit deutlich weniger Mitteln als geplant. Schon während der langen Zugreise wird für den Film geprobt und an den Rollen gearbeitet. Als sie den Drehort erreichen, sind sie so pleite, dass sie sich keine ordentliche Unterkunft leisten können. Schließlich kommen sie in einem religiös geführten Waisenhaus unter.

Wenn die ersten Szenen in der atemberaubenden Landschaft der patagonischen Wüste gedreht werden, scheint der Film, endlich Gestalt anzunehmen. Zunächst arbeiten sie mit 100 indianischen Statisten zusammen, aber eines Tages stehen diese jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. David muss sich deshalb überlegen, wie dieses Problem bei den Aufnahmen kaschiert werden kann. Leider wird die gesamte Gruppe aus dem Waisenhaus geworfen, nachdem sich einige der Schauspieler unangemessen verhalten haben. Da die ohnehin schlecht bezahlte Crew nicht bereit ist, in Zelten zu übernachten, beschließt sie, das Projekt aufzugeben und nach Buenos Aires zurückzufahren. Die Darsteller schließen sich ihnen an.

Trotz dieses letzten vernichtenden Schlags gibt David den Film nicht auf. Er beschließt, Schaufensterpuppen als Statisten einzusetzen und rechtfertigt dies mit einer abenteuerlich konstruierten konzeptionellen Erklärung. Obwohl sein Aussehen gar nicht zur Rolle passt, spielt David ernsthaft mit dem Gedanken, die Perücke des verschwundenen Hauptdarstellers anzuziehen und die Rolle des Königs selbst zu übernehmen. Die langen, atmosphärischen und surrealen Aufnahmen der Schaufensterpuppen inmitten der beeindruckenden Weiten der kargen patagonischen Landschaft werden zum Vermächtnis des Projekts.

Die historische Figur

Der echte Antoine de Tounens in Mapuche-Tracht, um 1860

Der französische Abenteurer Orélie-Antoine de Tounens hat sich im Jahr 1860 mit Billigung des indigenen Volkes der Mapuche selbst zum „König von Patagonien und Araukanien“ ernannt. Dieser neue Staat sollte eine konstitutionelle Monarchie mit einer von ihm geschriebenen Verfassung sein. Kurz darauf wurde De Tounens von den chilenischen Behörden verhaftet und inhaftiert. Nachdem ihn ein Gericht für verrückt erklärt hatte, wurde er nach Frankreich ausgewiesen. Später versuchte er wiederholt, nach Araukanien zurückzukehren, um sein Königreich zurückzufordern. Jedoch wiesen ihn die Regierungen Argentiniens und Chiles jedes Mal aus.[2]

Verwandte Produktionen

La Nueva Francia

Im Jahr 1971 nahm sich der argentinische Grafiker und Werbedesigner Juan Fresán (1936–2004) vor, die Geschichte von Orélie Antoine de Tounens mit einem sehr geringen Budget und ohne professionelle Schauspieler zu verfilmen. Das Projekt dieses Films mit dem Titel La Nueva Francia (Das neue Frankreich) war eine persönliche und originelle Sichtweise auf das Leben des falschen französischen Königs und andere tragische Ereignisse der patagonischen Geschichte. Neben Fresán war auch Jorge Goldenberg sowohl bei der Regie als auch bei der Erstellung des Drehbuchs beteiligt. Carlos Sorín war in diesem Projekt Kameramann.[3]

Die Hauptrolle des französischen Exzentrikers wurde einem „Hippie“-Handwerker vom Kunsthandwerkermarkt „Plaza Francia“ in Buenos Aires anvertraut: Goran Nicolic, der keine Theatererfahrung hatte und von Fresán aufgrund seiner äußerlichen Ähnlichkeit mit dem angeblichen patagonischen Monarchen ausgewählt worden war. In anderen Rollen traten exzentrische Figuren aus der Boheme des Buenos Aires der 70er Jahre auf. Der Film blieb unvollendet, zunächst aus Geldmangel und später, weil sein Schöpfer aus politischen Gründen ins Exil gehen musste.[3]

Fünfzehn Jahre später ließ sich Carlos Sorín von diesem gescheiterten Projekt inspirieren, das er erlebt hatte, und gab mit Der Film des Königs sein Regiedebüt. Er schrieb das Drehbuch für diesen Film gemeinsam mit Jorge Goldenberg, der damals ebenfalls mitgewirkt hatte.[3]

Andere Projekte

1983 drehte Narcisa Hirsch den auf 16-mm-Film gedrehten Mittellangfilm mit dem Titel Orelie Antoine, König von Patagonien.[2] Ein weiteres Projekt mit dem Titel Ich, Antoine de Tounens, König von Patagonien wurde 1988 von Lita Stantic produziert und mit deutschem, französischem sowie italienischem Kapital finanziert. Es konnte jedoch nicht zu Ende geführt werden.[4]

Im Jahr 2011 drehte Lucas Turturro den Dokumentarfilm Ein König für Patagonien (Un rey para la Patagonia) über das Leben und Werk von Juan Fresán. Dabei griff er auf historisches Material sowie auf Berichte von Personen zurück, die 1972 mit Fresán nach Viedma gereist waren, um dort La Nueva Francia zu drehen. Er verwendete darüber hinaus Darstellungen von Tounens und seinen Stellvertretern, die teilweise von denselben Schauspielern verkörpert wurden, die in Fresáns Film mitgewirkt hatten.[5]

Auszeichnungen

Cóndor de Plata Preise des argentinischen Verbands der Filmkritiker 1987

  • Bester Debütfilm für Carlos Sorín
  • Bester Nebendarsteller für Villanueva Cosse
  • Bester Nebendarstellerin für Ana María Giunta
  • Beste Nachwuchsdarsteller für Miguel Dedovich
  • Bestes Drehbuch für Carlos Sorin y Jorge Goldenberg

Goya 1987

  • Bester ausländischer Film in spanischer Sprache für Carlos Sorín

Internationales Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films 1987

  • Gran Premio Coral für Carlos Sorin

Internationale Filmfestspiele von Venedig 1986

  • Bester Debütfilm für Carlos Sorín
  • Nominierung für den Goldener Löwe in der Kategorie Bester Film für Carlos Sorín

Einzelnachweise

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