Der Fremde (2025)

Spielfilm von François Ozon aus dem Jahr 2025 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Fremde (Originaltitel: L’Étranger, internationaler Titel: The Stranger) ist ein französischer Spielfilm von François Ozon aus dem Jahr 2025. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Albert Camus. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der nach dem Tod seiner Mutter keine emotionale Reaktion zeigt und später in ein tragisches Ereignis verwickelt wird. Die Hauptrolle übernahm Benjamin Voisin. Die Uraufführung des Films fand Anfang September 2025 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig statt. Der reguläre Kinostart in Deutschland war am 1. Januar 2026.

TitelDer Fremde
OriginaltitelL’Étranger
ProduktionslandFrankreich
OriginalspracheFranzösisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Der Fremde
Originaltitel L’Étranger
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 120 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie François Ozon
Drehbuch François Ozon
Produktion François Ozon
Musik Fatima Al Qadiri
Kamera Manuel Dacosse
Schnitt Clément Selitzki
Besetzung
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Handlung

Algier im Jahr 1938: Meursault ist ein junger Mann in den Dreißigern. Er wird in eine Gemeinschaftszelle in einem Gefängnis gesperrt. Auf Nachfrage eines Mithäftlings gibt er an, dass er einen Araber getötet habe. In Rückblenden wird gezeigt, wie es dazu kam. Meursault erhält die Nachricht, dass seine Mutter im Altersheim gestorben ist. Er verreist für die Beerdigung am nächsten Tag, bleibt die ganze Zeit über aber emotionslos. Am Tag nach der Beerdigung hat er noch einen weiteren freien Tag von der Arbeit und lernt am Strandbad Marie kennen, was direkt in eine Beziehung mündet. Auf Nachfrage seines Arbeitgebers, ob er für eine neue Filiale in Paris arbeiten will, lehnt Meursault ab. Er ist zufrieden und hat keinerlei Ambitionen. Marie will wissen, ob Meursault sie liebt, was für Meursault aber irrelevant erscheint.

Der Nachbar von Meursault, Raymond, ist ein Zuhälter und schlägt regelmäßig eine Frau, eine junge Algerierin. Als das ganze Wohnhaus solch einen Vorfall mitbekommt, ist Marie entsetzt, dass Meursault das nicht schlimm findet. Der Bruder der geschlagenen Frau lauert Raymond regelmäßig auf, was auch Meursault mitbekommt. Raymond, Meursault und Marie fahren gemeinsam zu einem Strand und werden dabei von dem Bruder und weiteren Männern beobachtet. Am Strand kommt es zu einem Zusammentreffen und einer Rangelei, wobei der Bruder der misshandelten Frau Raymond mit einem Messer verletzt. Nach einem kurzen Rückzug gehen Meursault und Raymond wieder raus, um die Angreifer zur Rede zu stellen. Meursault nimmt die Pistole von Raymond an sich, um bei einem Angriff in Notwehr zu schießen. Es kommt aber zu keinem Angriff und Raymond geht wieder. In Anwesenheit von Meursault zieht der Bruder der misshandelten Frau unaufgeregt sein Messer, was Meursault blendet, der darauf einen Schuss abfeuert. Obwohl sein Gegenüber bereits tot ist, feuert er noch viermal.

Schließlich beginnt der Gerichtsprozess, dem Meursault ohne Anteilnahme beiwohnt. Er streitet die Tat nicht ab, allerdings wird im Prozess über verschiedenste Zeugenaussagen der Charakter von Meursault näher beleuchtet. Die Jury kann für die Tat keine mildernden Umstände erkennen, weshalb das Gericht die Todesstrafe verhängt. Im Gefängnis verweigert Meursault, der sein Begnadigungsersuchen abwartet, ein Gespräch mit dem Priester, der aber eines Tages trotzdem erscheint. Im Gespräch versucht Meursault klarzumachen, dass ihm Gottes Segen egal ist. Der Priester will Meursault umstimmen und für ihn beten, woraufhin Meursault ungeduldig und handgreiflich wird.

Hintergrund

François Ozon (2022)

Es handelt sich nach Luchino Viscontis Der Fremde (1967) um die zweite Verfilmung von Camus’ Roman. Der französische Regisseur François Ozon hatte anfänglich Zweifel, das berühmte Werk verfilmen zu können. Zuvor hatte er weniger bekannte oder anerkannte Literatur für das Kino adaptiert. Für Ozon stellte Der Fremde eine Herausforderung dar, da das Buch aus dem Jahr 1942 ein großes Lesepublikum hatte. Er habe sich dennoch mit „einer gewissen Unbeschwertheit“ in die Arbeit gestürzt. Familiär gab es durch einen Großvater mütterlicherseits Verbindungen nach Algerien. Dieser habe als Untersuchungsrichter in Bône (heute Annaba) gearbeitet und sei im Jahr 1956 einem Attentat entgangen. Daraufhin habe sich Ozons Familie für eine Rückkehr nach Frankreich ausgesprochen. Für die Vorbereitung auf das Projekt sichtete der Filmemacher Dokumente aus Archiven und traf Historiker und Zeitzeugen. Ihm sei dabei klargeworden, „inwieweit französische Familien alle eine Verbindung zu Algerien haben und dass ein schweres Schweigen immer noch oft unsere gemeinsamen Geschichten“ abwäge.[3]

Der Film spielt zwar in Algier, wurde aber in Tanger (Marokko) gedreht. Gründe dafür waren, wie Ozon in einem Interview erklärt hat, Probleme wegen der angespannten Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich.[4]

Veröffentlichung

Die Weltpremiere von Der Fremde erfolgte am 2. September 2025 im Rahmen des 82. Internationalen Filmfestivals von Venedig.[5] Der Beitrag, auch unter seinem englischsprachigen Titel The Stranger bekannt, wurde in den Hauptwettbewerb aufgenommen.[6]

Der reguläre Kinostart in Frankreich erfolgte am 29. Oktober 2025. Der Film wird von Gaumont verliehen.[7] In Deutschland erfolgte der Kinostart am 1. Januar 2026 durch den Weltkino Filmverleih.[8]

Kritik

Marius Nobach gab dem Film im Filmdienst 4 von 5 Sternen: „Der Blick der Kamera erschafft in exquisiten Schwarz-weiß-Bildern aber einen latenten Widerspruch zur Kälte des Protagonisten, was dem Film eine große innere Spannung verleiht.“ Dadurch würde der Regisseur Meursaults Empathielosigkeit als abschreckendes Beispiel interpretieren.[9] Jenni Zylka weist in Die Tageszeitung darauf hin, dass der Film den Rassismus und Klassismus der Kolonialmacht deutlich aufzeige und die Darstellung der Schauplätze eine bestechende Haptik habe.[10]

Auszeichnungen

François Ozon wurde mit Der Fremde zum vierten Mal in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig eingeladen. Auch gelangte das Werk in die Vorauswahl zum Europäischen Filmpreis 2026.[11]

Literatur

Einzelnachweise

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