Der Garguf
jemenitisches Märchen (AaTh 311)
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Der Garguf ist ein jemenitisches Märchen (AaTh 311).[1]
Handlung
Sieben Mädchen beschlossen einmal ihre schönsten Kleider anzuziehen, um vom ‘Ilb-Baum Dó-um-Früchte zu pflücken. Als sie dort ankamen wollten die älteren sechs jedoch nicht auf den Baum steigen, da sie fürchteten ihre Tracht könne dabei Schaden nehmen, also schickten sie das jüngste Mädchen, das arm war und noch seine alten Kleider an hatte, auf den Baum, damit dieses ihnen die Früchte herunterwerfen möge. Nachdem sie ihre Körbe gefüllt hatten, halfen sie ihm jedoch nicht wieder herunter und ließen es allein auf dem Baum zurück.
Da kam ein Garguf des Weges, ein Afrit, den das Mädchen grüßte und um Hilfe bat und dieser antwortete ihr, dass er sie am Leben lassen werde, da sie ihn vor der Bitte gegrüßt hatte, woraufhin er seines Weges ging. Einige weitere Gargufs kamen an dem Baum vorbei, fraßen sie nicht auf, befreiten sie aber auch nicht, bis ihr der siebte schließlich anbot sie aufzufangen, wenn sie herunterspringen würde, wobei ihr jedoch verschiedenes drohen würde, je nachdem auf welchem seiner Finger oder ob sie auf seinem Daumen landen würde. Das Mädchen sprang und landete auf dem Mittelfinger, wodurch der Garguf sie zu seiner Frau und mit auf sein Schloss nahm. Dort zeigte er ihr alle Zimmer, bis auf eines, das zu betreten ihr verboten war.
Als der Garguf einmal unterwegs war, öffnete das Mädchen jedoch das Zimmer, in dem sie allerlei Menschenknochen fand. Von da an wurde sie ganz krank vor Angst, sodass der Garguf Verdacht schöpfte und eines Tages beschloss sie in die Wüste zu fliehen. Sie traf dort auf ihren Bruder, doch der Garguf holte sie ein, woraufhin er so tat als würde er sich über dessen Besuch freuen. Er lud ihn auf sein Schloss ein und ging gemeinsam mit ihm und seiner Frau heim. Später jedoch tötete er den Bruder und fraß ihn auf.
Das Mädchen sammelte daraufhin die Knochen ihres Bruders ein, legte sie in eine Grube und wässerte sie so lange, bis ein Baum daraus emporwuchs. Aus einem der Zweige entsprang dann ein kleiner Knabe, der ihr Bruder war, und den sie dem Garguf als seinen Sohn vorstellte. Als der Knabe zu einem Jüngling herangereift war, erzählte seine Schwester ihm all das Geschehene, woraufhin der Jüngling das Schwert des Gargufs nahm und ihm im Schlaf mit einem einzigen Schlag enthauptete. Mit Schmuck und Gold beladenen Eseln kehrten sie daraufhin heim.[1]
Hintergrund
Das Märchen wurde von Chāl Abdallah erzählt und bekam im Deutschen in Werner Daums Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Jemen – Mythen und Märchen aus dem Reich von Saba den Titel Der Garguf. Nach Daum ist der Name Garguf außerhalb des Jemens unbekannt.[1]
Literatur
- Werner Daum (Samm., Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Jemen – Mythen und Märchen aus dem Reich von Saba. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1983, S. 55–69, 263–264.