Der Haschischraucher
tadschikisches Märchen (AaTh 945 II)
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Der Haschischraucher ist ein tadschikisches Märchen (AaTh 945 II).[1]
Handlung
Eine heiratsunwillige Prinzessin stellte als Bedingung für eine Heirat mit ihr, dass die Brautwerber sie in einer Nacht dreimal wecken sollen, aber so, dass es ihr gefällt. Viele Prinzen scheiterten an diese Aufgabe, bis ein Haschischraucher von der Bedingung erfuhr. Dieser trat in die Gemächer der Prinzessin ein, setzte sich vor den Herd, legte etwas Haschisch in die Schale einer Wasserpfeife und begann mit dieser zu sprechen. Er selbst gab dem Großväterchen Wasserpfeife, das schlafen wollte, seine Stimme und erwiderte, dass es nicht schlafen könne, da die Prinzessin sicherlich schon irgendein Mahl für sie zubereiten würde. Da erwachte die Prinzessin, bereitete das Mahl, woran sich satt gegessen wurde und Großväterchen Wasserpfeife begann zu erzählen.
Einst waren ein Zimmermann, ein Weber und ein Gelehrter auf den Weg in eine Stadt und als es Nacht wurde, schlugen sie ein Lager auf, wobei sie abwechselnd Wache stehen wollten. Die erste Wache übernahm der Zimmermann, der sich aus langer Weile einen Holzblock nahm und eine weibliche Figur daraus schnitzte. Danach weckte er den Weber, der die zweite Wache übernahm, die Holzpuppe entdeckte und für sie Kleider schuf, damit auch sein Können gesehen werde. Während der dritten Wache des Gelehrten, sprach dieser dann ein langes Gebet, sodass die Holzfigur lebendig wurde und sich mit ihm zu unterhalten begann. Als der Zimmermann und der Weber dann aufwachten und den Gelehrten sich mit einer Frau unterhalten sahen, entstand eine Schlägerei zwischen den dreien. Der Haschischraucher fragte Großväterchen Wasserpfeife daraufhin, wem die Frau gehören müsse, worauf die aufgewachte Prinzessin antwortete, dass der Gelehrte sie bekommen müsse, genauso, wie sie die seine werden solle und sie schlief wieder ein.
Da erzählte der Haschischraucher von drei tüchtigen Burschen, von denen der erste sehr weit sehen konnte, der zweite sehr treffsicher war und der dritte die Fähigkeit hatte, alles Ferne mit seiner Hand zu erreichen. In der Stadt Sarandeb begab es sich dann, dass ein Dev die Königstochter entführte. Da entdeckte der Weitsichtige den Dev mit der Königstochter am Himmel fliegen, woraufhin der Treffsichere den Dev erschoss und der dritte Bursche die Königstochter mit seiner Hand aus dem Himmel nahm und sie vorsichtig auf dem Boden absetzte. Der dankbare König übergab den dreien dann seine Tochter, woraufhin ein Streit um sie entbrannte und ein Richter dazu befragt wurde, der meinte, dass die Prinzessin selbst gefragt werden müsse, wen sie erwählen wolle. Der Haschischraucher fragte Großväterchen Wasserpfeife daraufhin, wen sie denn ausgewählt habe und die aufgewachte Prinzessin meinte, dass derjenige, der sie aus dem Himmel nahm, sie bekommen solle, genauso, wie sie die seine werden wolle. So also erfüllte der Haschischraucher die Bedingung der Prinzessin und bestieg er auch des Königs Thron.[1]
Hintergrund
Das Märchen wurde zwischen 1920 und 1930 in Schugnan von I. Sarubin aufgezeichnet und bekam in Isidor Levins Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker (1986) den Titel Der Haschischraucher. Verglichen werden kann die Nr. 43 in dem Werk Skazki Narodov Pamira (Moskau 1976). Zum Typ nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen gibt Levin an: vgl. (EbBo 63–I, 3–5; III, 4); EbBo 291 V. Zudem wird auf U. Nowaks Beiträge zur Typologie des arabischen Volksmärchens (Freiburg im Breisgau 1969, 119) verwiesen.[1]
Literatur
- Isidor Levin (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker. Eugen Diederichs Verlag, 1986, S. 7–13, 327. Übersetzt von Gisela Schenkowitz.