Der Polizeiinspektor

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Der Polizeiinspektor ist ein türkisches Volksmärchen.[1]

Handlung

Ein junges Waisenmädchen aus Istanbul kaufte auf dem Markt einen Ballen Stoff , doch als sie bezahlen wollte, ließ sich ihre Tasche nicht öffnen. Sie bot dem Kaufmann an, die Tasche da zu lassen, um von zu Hause den Schlüssel zu holen, kam jedoch nicht wieder. Der Kaufmann brach daraufhin die Tasche auf, die voller gewöhnlicher Steine war.

Das Mädchen begegnete einem Hodscha, der sie zur Frau nehmen wollte und bereit war, sich dafür scheiden zu lassen. Also verlangte sie von ihm, sich auszuziehen, zu ein paar Bäumen zu laufen und dreimal zu schwören, dass er sich scheiden lassen werde. Sie nahm seine Kleidung an sich und verschwand. In Männerkleidung begab sie sich dann zum Haus des Hodscha und überreichte seiner Frau Uhr und Rosenkranz, und sagte, ihr Mann habe sie geschickt, weil er zweihundert Lira benötige. Sie verschwand mit dem Geld. Der nackte Hodscha aber fand im Hause seiner Frau keinen Einlass mehr.

Als der Sohn des Padischahs von seinem Studium in Ägypten zurückkehrte, begab sich auch das schöne Mädchen an die Küste, um ihn zu empfangen. Er schenkte ihr eine Juwelenschatulle, mit der sie ebenfalls verschwand. Während einer Versammlung, bei der auch das als Mann verkleidete Mädchen zugegen war, sprach der Padischah dann das Thema über das verschwundene Mädchen an, worüber auch der Kaufmann und der Hodscha zu berichten wussten. Da erklärt der Polizeiinspektor, er werde dem Mädchen einen Streich spielen, sollte er aber scheitern, werde er seinen Bart abrasieren und als Frau umhergehen.

Das Mädchen lockte ihn zu einem Treffen in ein Badehaus, wofür er sich Frauenkleidung und einen Schleier anlegen sollte. Danach ging sie zur Wache, zeigte ihn an, und wurde er von den Gendarmen verprügelt und ins Gefängnis geworfen. Später gab sie sich für seine Tochter aus und bewirkte, dass er zu Hause gesund gepflegt werden konnte. Seiner Frau erzählte sie, ihr Mann habe noch eine andere Frau. Danach verschwand sie erneut. Einige Zeit später betäubte sie die beiden Badeverwalterinnen mit einem Schlafmittel und lockte den Polizeiinspektor, der sich Hoffnungen auf ein anderes schönes Mädchen machte, abermals ins Bad. Sie betäubte ihn, rasierte ihm Bart und Augenbrauen ab, schminkte ihn, steckte ihn in ein Brautkleid und legte ihn zwischen die beiden Badeverwalterinnen auf eine Matte, band alle fest zusammen und ließ die Matte gegenüber dem Palast aufhängen.

Am nächsten Morgen versammelten sich alle Einwohner von Istanbul vor dem Palast, um über das seltsame Gebilde zu rätseln. Der Padischah ließ es herunterholen, und nach einer Weile erkannte man die Badeverwalterinnen und den Polizeiinspektor. Ob des öffentlichen Drucks, musste der Polizeiinspektor die ganze Wahrheit darüber berichten, wie es zu diesem Ereignis gekommen war, woraufhin der Padischah das Mädchen lobte und ihm gebot hervorzutreten. Da gab sich das Mädchen zu erkennen, das die entwendeten Dinge der vier besiegten Männer bei sich hatte. Auf die Frage des Padischahs hin, warum sie den Polizeiinspektor, den Pascha des Landes, in Verruf gebracht habe, antwortete sie, dass dieser ihr einen Streich hatte spielen wollen und sie den Spieß lediglich umgedreht hat. Da wollten die vier Männer sie alle zur Frau haben, sie aber entschied sich für den Kaufmann, der ihr am meisten gefiel.[1]

Hintergrund

Das Märchen wurde erstmals in Zaman zaman içinde (Nr. 22) veröffentlicht und erhielt im Deutschen in Pertev Naili Boratavs Türkische Volksmärchen (Berlin 1970) den Titel Der Polizeiinspektor. Aufgezeichnet wurde es 1947 in Ankara von Fräulein Nezahat Aydın nach deren Mutter Emine Aydın. In Wolfram Eberhards und Boratavs Typen türkischer Volksmärchen ist der Typ nicht untersucht. Er ähnelt aber TTV 368, wobei Boratav ihn als 368 A führt. Im Aarne-Thompson-Uther-Index fehlt das Motiv.[1]

Literatur

  • Pertev Naili Boratav (Hrsg.): Türkische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1970, S. 297–308, 358. Übersetzung von Doris Schultz und György Hazai.

Einzelnachweise

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