Der Traum der Prinzessin

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Der Traum der Prinzessin ist ein afghanisches Märchen.[1]

Handlung

Ein junger Königssohn begegnete unter einem Maulbeerbaum einem armen Mann, der ein Bild betrachtete, auf dem ein hübsches Mädchen zu sehen war. Er verliebte sich in das Mädchen und wollte dem Mann das Kunstwerk abkaufen, doch dieser lehnte ab; das Bild sei nicht zu verkaufen. Vor dem König berichtete der Mann dann, dass er aus einem anderen Königreich stamme, er einst wohlhabend war und er sich in die dortige Prinzessin verliebt hatte, die jedoch alle Männer, die sie traf, tötete und sogar männliche Tiere nicht verschonte. Er gab daraufhin sein gesamtes Vermögen dafür her, das Bild anfertigen zu lassen, damit er wenigstens etwas von ihr hatte, weshalb es unverkäuflich sei. Sodann begab sich der Königssohn, zusammen mit dem Sohn des Wazir, in jenes Königreich, um die Schöne für sich zu gewinnen.

In der Nähe der Stadt suchten sie die Amme der Prinzessin auf, der, auf Anraten des schlauen Wazirssohnes, schöne Geschenke mitgebracht wurden, woraufhin diese sich erkenntlich zeigen wollte und ihr die Bitte vorgetragen wurde, herauszufinden, warum die Prinzessin männliche Wesen hasst. Am nächsten Tag befragte die Amme die Prinzessin darüber, jedoch wurde sie weggejagt. Also gab sie später vor im Sterben zu liegen und dass es für die Prinzessin noch nicht zu spät wäre, um Verzeihung zu bitten. Am vermeintlichen Sterbebett offenbarte diese der Amme dann ihren Traum.

Als junges Mädchen träumte sie, dass sie ein Reh wäre und zusammen mit anderen Rehen sowie einem Rehbock auf einer Wiese graste. Da kam ein Jäger und die Rehe flüchteten, nur der Rehbock blieb in einem Loch hängen. Also holte sie Wasser vom Fluss und schüttete es aus ihrem Maul in das Loch, sodass der Rehbock freikam und sie gemeinsam weiterflohen. Doch dann blieb sie in einem Loch stecken; der Rehbock jedoch lief einfach weiter, woraufhin der Jäger sie erschoss. Seitdem traute die Prinzessin keinem männlichen Wesen mehr und hasste sie alle.

Nachdem der Königssohn und der Wazirssohn dies von der Amme vernommen hatten, ersann letzterer eine List. Er ließ ein großes Haus bauen und die Wände mit verschiedenen Bildern der Geschichte bemalen. Jedoch ließ er noch zusätzliche Bilder anfertigen, auf denen zu sehen war, wie der Bock mit Wasser in seinem Maul zurückkam, das Reh aber schon tot war und der Bock daraufhin seinen Kopf solange gegen einen Felsen schlug, bis dieser zersprang.

Als die Prinzessin die Bilder sah, wurde sie zornig und wollte sowohl die Amme als auch den Königssohn töten, jedoch musste sie ihrem Vater versprechen den Königssohn zu verschonen; erst dann würde er ihn rufen lassen. Der Wazirssohn hatte den Königssohn derweil genau angewiesen, was er zu sagen hatte. Also gab dieser vor der Prinzessin vor, dass die Bilder seinen eigenen Traum erzählen und er sich sehr freue sie lebendig zu sehen, sodass er sich nicht mehr jede Nacht den Schädel zerschmettern müsse. Sie sah ein, dass sie das Ende des gemeinsamen Traumes nicht miterlebt haben konnte, da sie ja aufgewacht war und so fand sie das Vertrauen in die Männer wieder. So wurde ein großes Hochzeitsfest gefeiert und die Männer brauchten nicht mehr in Angst zu leben. Zurück in seinem Reich übernahm der Königssohn dann den Thron seines Vaters.[1]

Hintergrund

Das Märchen stammt aus dem Papageienbuch (Rosen 337 ff. und Giese Nr. 36) und erhielt in Gisela Borcherdings Granatapfel und Flügelpferd – Märchen aus Afghanistan (Kassel 1975) aus der Reihe Das Gesicht der Völker den Titel Der Traum der Prinzessin. Nach Borcherding sei das Märchen „offensichtlich volksläufig“ geworden. Varianten existieren auch im Turkmenischen und Kirgisischen (Gustav Jungbauer: Märchen aus Turkestan und Tibet, Jena 1923, Nr. 14; 313 f.).[1]

Im Papageienbuch, in der Geschichte von der schönen Prinzessin von Griechenland, ist es die Prinzessin von Griechenland, die ein Pfauenmännchen dabei beobachtet, wie es, aufgrund eines Feuers, im Gegensatz zu dem Pfauenweibchen, seine Jungen im Stich lässt und deshalb nicht heiraten will. Der König von China schickt daraufhin seinen Vezier, der der Prinzessin, über die gemalten Bilder, eine ähnliche Geschichte mit Antilopen erzählt, in der das Weibchen seine Jungen im Stich lässt. Diese soll der König von China erlebt haben und deshalb ebenfalls nicht heiraten wollen, also begehrt die Prinzessin von Griechenland nach ihm.[2]

Literatur

Einzelnachweise

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