Der Traum des Königs

libanesisches Märchen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Traum des Königs ist ein libanesisches Märchen.[1]

Handlung

Einst hatte ein König einen Traum, den er von seinem Wesir gedeutet wissen wollte. Dieser sollte ihm sagen, wie viele Sterne am Himmel stehen, was der Herr gerade tut und wo sich die Mitte der Welt befindet. Würde der Wesir die Antworten aber nicht vortragen können, so würde er enthauptet werden.

Der Wesir begab sich daraufhin auf eine Reise durch die Welt, um die Antworten zu finden und so kam er in ein armes Dorf, wo er in einem Haus einen etwa achtzigjährigen Mann vorfand, der an einem Webstuhl saß. An dem Webstuhl war ein Rohr befestigt, das bis auf das Dach hinauf reichte und dort Fähnchen schwang, während er webte, sodass das dort zum Trocknen ausgebreitete Korn vor den Spatzen sicher war. Auf dem Rücken trug er einen Topf Milch, die sich, beim Weben, hin und her bewegte und so zu Butter wurde. Zudem standen links und rechts neben dem Alten zwei Wiegen, die er mit Schnüren an seine Hände gebunden hatte, sodass die Kinder während des Webens hin und her gewogen wurden. Als der Wesir dies sah, bewunderte er den Fleiß des Alten und fragte ihn nach dem ihm aufgegebenen Rätsel, woraufhin ihm der Alte entgegnete, dass dies leicht sei.

Beim König angelangt bat der Alte diesen für eine kurze Zeit um dessen Krone, den Königsmantel und das Königsszepter. Danach beantwortete er dem König die Frage nach der Mitte der Welt, die sich unter dem rechten Nagel eines Hufeisens eines anwesenden weißen Esel befinden solle. Der König protestierte, doch der Alte entgegnete ihm, dass er doch nachmessen solle, wenn er ihm nicht glaube und so lenkte der König ein. Auf die zweite Frage hin, wie viele Sterne es am Himmel gibt, antwortete der Alte, dass es genauso viele wären, wie es Haare auf einer Kuhaut gäbe und wenn der König sie zähle und herausfände, dass dies nicht stimme, dann wolle er ein Lügner sein. Da fragte der König, was der Herr denn gerade mache und der Alte erwiderte, dass dieser einige Menschen erhöhe und andere erniedrige, woraufhin er dem Scharfrichter befahl dem insignienlosen König den Kopf abzuschlagen. Daraufhin überreichte der Alte die Krone dem Wesir, der nun König war und kehrte als reicher Mann heim.[1]

Hintergrund

Das Märchen stammt aus Michel Jihas Werk Der arabische Dialekt von Bišmizzīn. Volkstümliche Texte aus einem libanesischen Dorf (Beirut 1964, S. 32–39) und erhielt in Ursula und Yussuf Assafs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Libanon (Düsseldorf / Köln 1978, Nr. 26) den Titel Der Traum des Königs. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953) bekam es den Typ 235. Ebenfalls zu finden ist es in Nawādirs Ğuḥa al-Kubrā (Beirut 1966).[1]

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI