Der Vorschlag

Gemälde von Judith Leyster From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Vorschlag ist ein Gemälde von Judith Leyster. Es entstand 1631 und stellt je nach Interpretation Tugend, Laster oder beides gleichzeitig dar. Das Werk zählt zu den meistdiskutierten Genrebildern der Künstlerin.

Schnelle Fakten
Der Vorschlag (Judith Leyster)
Der Vorschlag
Judith Leyster, 1631
Öl auf Holz
30,9× 24,2cm
Mauritshuis, Inv. Nr. 564, Den Haag

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Beschreibung

Die von Leyster dargestellte Szene zeigt zentral eine Frau, die, neben einem Tisch sitzend, beim Licht einer Öllampe, näht oder stickt. Ihre Füße ruhen auf einem mit glühenden Kohlen gefüllten Fußwärmer. Sie befindet sich in einem schlichten, spärlich möblierten Innenraum und ist tief über ihre Arbeit gebeugt.[1][2][3] Das schwache Lampenlicht wird an der weißen Bluse der Frau reflektiert (eine andere Quelle spricht von einem weißen Schultertuch[3]) und erhellt ihr Gesicht. Die Flamme selbst wirft lange Schatten.[1][2] Die erröteten Wangen der Frau, ihre gesenkten Augen sowie das bescheidene weiße Schultertuch lassen sie keusch und unschuldig wirken.[3] Der Fußwärmer könnte als Symbol für eine verheiratete Frau gewertet werden.[1]

Ein dunkel gekleideter Mann mit Pelzkappe, offenbar ein zwielichtiger Typ, nähert sich von links hinten der Frau.[1][2][3] Die damals als „Moffe-Mütze“ bezeichnete Pelzkappe war zu Leysters Zeit in der Malerei ein Charakteristikum für unzuverlässige Gestalten.[3] Der Mann, der wesentlich älter ist als die Frau, beugt sich über diese und berührt deren Oberarm mit seiner Linken.[1][2][3] Er ist dabei, die Frau nach hinten zu ziehen.[3] In der rechten, geöffneten Hand hält er einige Münzen und bietet diese der Frau an. Das Gesicht des Mannes, liegt teilweise im Schatten.[1] Der bedrohliche Charakter seines Auftretens wird durch seinen suggestiven Schlagschatten an der Wand verstärkt.[3] Auf Grund seiner nach links gebeugten Haltung nimmt er in der Bildkomposition die diagonale Gegenposition zu der Frau ein.[1][2]

Interpretation

Das Gemälde ist ein Beispiel für ein frühes Genrebild, welche einfache Leute bei alltäglichen Tätigkeiten zeigen. Leyster gilt als eine Pionierin dieses Genre.[1] Vordergründig strahlt das Gemälde Intimität und Häuslichkeit aus; hintergründig zeigt die Szene jedoch Verführung und Widerstand. Der Mann zahlt sicher nicht für die handwerklichen Dienste der Frau. Vielmehr gibt Leyster hier ein sexuell konnotiertes Angebot wieder. Die Frau scheint jedoch nicht auf das Angebot zu reagieren, sondern fährt ungestört mit ihrer Näharbeit fort, wobei sie eine selbstbewusste Bestimmtheit ausstrahlt.[1][2][3] Das Werk scheint die Tugend abzubilden, oder das Laster, vielleicht auch beides zusammen.[1]

Eine andere Interpretation der dargestellten Szene geht von der Anbahnung einer Romanze aus. Gemäß einer damaligen niederländischen Tradition war das Angebot von Geld Teil der Brautwerbung, während sich die Frau in Bescheidenheit übte.[1] Auch für Pelzmütze und Fußwärmer biete sich eine einfache Erklärung an; es ist kalt im Raum.[1]

Kunstgeschichtliche Einordnung

Leysters Der Vorschlag zählt zu den meist diskutierten Werken der Künstlerin.[2] Sie greift darin die Ikonografie des ungleichen Liebespaares auf, ein Thema das in der Druckgrafik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts sehr beliebt war. Hierbei kauft einer der ungleichen Protagonisten die „Liebe“ des Anderen. Häufiges Motiv ist ein alter Mann und eine jungen Frau; die Darstellung einer alten Frau mit einem jungen Mann ist aber ebenso möglich. Obwohl die Jugend oft willig ist, wird der Liebhaber gelegentlich auch zurückgewiesen.[3]

Bei Leyster ist der aufdringliche Mann deutlich älter als die Frau und die Bedeutung der Münzen in seiner Hand ist das unmissverständliche Zeichen seiner Lasterhaftigkeit. Das Außergewöhnliche an Leysters Werk ist die Reaktion der Frau. Sie ignoriert den Mann vollkommen und scheint fest entschlossen, nicht auf seine Avancen einzugehen. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Näharbeit, was ihre Tugendhaftigkeit unterstreicht.[3] Generell wird diese Auslegung des Gemäldes als Leysters Antwort auf die Behandlung ähnlicher „Angebotsdarstellungen“ durch männliche Künstler gewertet. Diese brachten die Frauen meist mit aktiven und freizügigen Dirnen in Verbindung und stellten sie häufig als Verführerin oder Sirene dar, womit sie die Frauen erniedrigten.[1][2] Demgegenüber wählte Leyster keine solche stereotype Darstellung.[2]

Nachträgliche Modifikationen

Es gibt Anzeichen dafür, dass das Paar ursprünglich zentraler im Bild dargestellt war. Während die rechte Seite des Gemäldes in Originalgröße erhalten ist, könnte an der linken Seite ein Teil des Gemäldes durch Holzwurmbefall verloren gegangen zu sein.[3]

Infrarotaufnahmen zeigen, dass Leyster an dem Gemälde Änderungen (Pentimenti) vornahm. So lag die Hand des Mann in der ursprünglichen Version des Bildes auf der linken Schulter der Frau (fast in ihrem Nacken). Auch die Kleidung der Frau wurde zu einem späteren Zeitpunkt verändert und der Faltenwurf des Kleides wurde angepasst. Ebenso wurde die Position des Tisches später leicht abgewandelt. Diese Änderungen sind Zeugnisse für eine eher freie Malweise, in der sich die endgültige Darstellung der Personen erst während des Entstehungsprozesses herausstellt.[3]

Provenienz

Das Gemälde stammt ursprünglich aus der Sammlung Münzenberger (Frankfurt am Main). 1892 übernahm es Werner Dahl (Düsseldorf) von dem es im selben Jahr vom Museum Mauritshuis für 1500 Gulden erworben wurde.[4] Im Inventarverzeichnis des Museums erhielt es des Künstlervermerk „unbekannt“ sowie die Erklärung „holländische Schule, um 1660“. 1893 wurden auf der Tafel als Ligatur das Monogramm „ILS*“ (mit einem Stern, von „lei-ster“) und die Jahreszahl 1631 entdeckt. Damit konnte es eindeutig Judith Leyster zugeordnet werden.[3]

Einzelnachweise

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