Desmond Cole
kanadischer Aktivist, Journalist und Autor
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Desmond Cole (* 1982 in Red Deer, Alberta) ist ein kanadischer Aktivist, Journalist, Hörfunkmoderator und Autor. Bekannt wurde er 2015 durch seinen Essay The Skin I’m In, in dem er über Racial Profiling und Polizeikontrollen gegen Schwarze Kanadier schrieb. Sein Buch The Skin We’re In: A Year of Black Resistance and Power erschien 2020, wurde mit dem Toronto Book Award ausgezeichnet und war das meistverkaufte kanadische Buch des Jahres.

Leben
Desmond Cole wurde 1982[1] als Sohn zweier Einwanderer aus Sierra Leone[2] in der Stadt Red Deer (Alberta)[3] geboren und wuchs in Oshawa (Ontario) auf.[3] Nach seiner Schulzeit nahm er ein Studium der Politikwissenschaft an der Queen’s University in Kingston auf, brach dieses Studium aber nach zwei Jahren im Alter von 22 ab[3] und zog nach Toronto, um neu zu starten.[4] Dort war er einige Zeit wohnungslos und schlief in den Apartments von Freunden. In einer Jugendschutzeinrichtung des YMCA freundete er sich mit Mitarbeitern an, wurde dort als Streetworker angestellt und arbeitete mit Jugendlichen in Risikolagen.[5]
2006 trat er – nach eigener Aussage aufgrund einer Wette[3] – beim Wettbewerb „Toronto’s City Idol“ an, einem Programm, das Bürger dazu anregen wollte, zu Stadtrats-Wahlen anzutreten.[6] Er trug den Sieg davon, erreichte dann bei den Wahlen um den Stadtratsplatz für den Wahldistrikt Trinity–Spadina aber nur Platz 3.[7] Ab 2008[8] engagierte er sich als Koordinator für die Kampagne I Vote Toronto,[9] die sich für ein „Permanent Resident Voting Right“ einsetzte, gemäß dem frisch Immigrierte bereits vor Erhalt ihres Bürgerrechts (frühestens nach drei Jahren Aufenthalt) ein Wahlrecht bei Kommunalwahlen erhalten sollten.[10]
Journalismus und Aktivismus
2010 begann er mit dem Schreiben, zunächst auf seinem privaten Blog Cole’s Notes[11] und dem Gemeinschaftsblog Torontoist.[12][13] 2015 erschien im Magazin Toronto Life sein Essay The Skin I’m in („Die Haut, die ich trage“),[14] durch den er größere Bekanntheit erlangte.[15] Der Essay, in dem Cole davon berichtete, wiederholt aufgrund seiner Hautfarbe von Polizisten kontrolliert worden zu sein,[16] trug zu einer landesweiten Debatte über Polizeirassismus und Racial Profiling bei.[17]
Nach Erscheinen seines Essays[18] begann Cole als Wochenend-Talkshow-Host bei Newstalk 1010; das letzte Mal ging er 2020 auf Sendung.[19] Außerdem wurde er regelmäßiger freier Kolumnist über Rassismus beim Toronto Star, Kanadas größte Tageszeitung.[17] Währenddessen engagierte er sich weiterhin als Aktivist. Bei einer Aktion 2017, über die auch der Star berichtete,[20] blockierte er eine Sitzung des Torontoer Police Board, um eine schärfere Politik gegen ihre „Carding“-Praxis zu fordern, also das Sammeln von Informationen über Zielpersonen bei Straßenkontrollen. Nachdem Cole daraufhin im Star mitgeteilt wurde, dass sich ein solcher Aktivismus nicht mit einem Posten als regelmäßiger Kolumnist vertrage, beendete Cole seine Arbeit für den Star.[21][22]
Von 2017 bis 2020 veröffentlichte er gelegentlich Texte bei The Walrus,[23] ab 2024 gelegentlich bei The Breach.[24]
The Skin We’re In (2017/2020)
Über das Thema seines Essays hielt Cole 2017 einen TEDx Talk;[25] gemeinsam mit dem Filmmacher Charles Officer produzierte er im selben Jahr außerdem die Dokumentation The Skin We’re In, in der die Erfahrungen weiterer Schwarzer Kanadier zusammengetragen wurden,[26] darunter die von Rose Loku, der Schwester des von der Torontoer Polizei getöteten Andrew Loku.[27]
2020 erschien unter demselben Titel Coles erstes Buch,[28] eine Analyse von antischwarzem Rassismus in Kanada und von Widerstand Schwarzer Kanadier dagegen in Form einer Rassismus-Chronik des Jahres 2017. Die Rezensentin Mugoli Samba prophezeite, das Buch dürfte zu einem Standardwerk der kanadischen Literatur werden; die Rezensentin Terese Pierre empfahl, es in kanadische Lehrpläne aufzunehmen.[29] Es war das meistverkaufte kanadische Buch des Jahres 2020;[30] die „Anti-Racism-Taskforce“ der University of Waterloo nahm es auf die Leseliste ihres „Anti-racism book club“ auf.[31]
Pro-palästinensische Proteste
Anfang 2024 beteiligte sich Cole an pro-palästinensischen Protesten gegen das kanadische Investmentunternehmen Awz Ventures, das Technologieunternehmen finanziert, die mit Israels Militär kooperieren. Cole wurde festgenommen und nach Angaben der Polizei wegen unrechtmäßiger Versammlung, Nichtverlassen der Örtlichkeit und Störung der Nutzung von Eigentum („mischief“) angeklagt.[32] Cole kritisierte die Polizei scharf: Er und seine Mitangeklagten würden dafür kriminalisiert, auf ein Unternehmen aufmerksam gemacht zu haben, „dessen Geschäft zur Überwachung und Bestrafung von Palästinensern beiträgt.“ Der Polizei werde es nicht gelingen, sie zum Schweigen zu bringen.[33]
Auszeichnungen
- 2016: National Magazine Award[17]
- 2017: Ken-Filkow-Preis für Meinungsfreiheit von PEN Canada.[34]
- 2020: Toronto Book Award[35]
- 2024: Ehrendoktorwürde der Ontario Tech University in Oshawa[36]
Werke
- Desmond Cole: The Skin We’re In: A Year of Black Resistance and Power. Doubleday Canada, Canada 2020, ISBN 978-0-385-68634-1.
- Desmond Cole: The Skin I’m In: I’ve been interrogated by police more than 50 times – all because I’m black. In: Toronto Life. 21. April 2015. (Essay)