Desulfocurvus
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Desulfocurvus ist eine Gattung von Bakterien. Sie nutzen Schwefelverbindungen, wie Sulfat, um daraus Energie zu gewinnen. Hierbei wird durch die Sulfatatmung Sulfat zu Schwefelwasserstoff reduziert. Solche Bakterien spielen eine wichtige Rolle im Schwefelkreislauf der Erde. Die Gattung zählt zu der Familie Desulfovibrionaceae. Die Art D. vexinensis wurde aus einer Tiefe von 830 m isoliert. Es scheint, dass sulfatreduzierende Bakterien einen wichtigen Bestandteil der unterirdischen Biosphäre darstellen, die als möglicherweise größter prokaryotischer Lebensraum auf unserem Planeten gilt.[1] Im Jahr 2025 waren in der Gattung zwei Arten vereint: Desulfocurvus vexinensis und Desulfocurvus thunnarius.
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Desulfocurvus | ||||||||||||
| Klouche et al. |
Merkmale
Die Zellen der Arten von Desulfocurvus sind gekrümmte Stäbchen. Es sind streng anaerobe Bakterien, sie tolerieren keinen Sauerstoff. Sie kommen einzeln oder paarweise vor. Sporenbildung wurde nicht beobachtet. Die Zellen sind durch ein einzelnes polares Flagellum beweglich. Die Zellgröße von D. thunnarius liegt bei 0,5 × 5,0–7,0 Mikrometer und von D. vexinensis bei 0,5 × 3,0–5,0 Mikrometer.[2]
Stoffwechsel



Arten von Desulfocurvus sind chemoheterotroph, sie benötigen organische Stoffe für den Energiestoffwechsel und für das Wachstum. Beide Arten, D. thunnarius und D. vexinensis, nutzen die Anaerobe Atmung mit Schwefelverbindungen als Elektronenspender und Lactat und Pyruvat als Elektronenakzeptor. Als Schwefelverbindungen können Sulfat (SO42-), Sulfit (SO32-) oder Thiosulfat (S2O32-)dienen. Dieser Weg wird auch als Sulfatatmung oder Desulfurikation bezeichnet. Einfache organische Verbindungen wie Laktat und Pyruvat werden hierbei als Elektronenspender (Donator) und als Kohlenstoffquellen verwendet. Als Endprodukte werden Acetat, Acetate, CO2 und H2S gebildet.[2] Andere Gattungen innerhalb der Familie Desulfovibrionaceae, die die Sulfatatmung anwenden, sind z. B. Desulfovibrio und Desulfobaculum.[3]
In Abwesenheit eines externen Elektronenakzeptors kann bei Desulfocurvus vexinensis Wachstum durch Gärung von Pyruvat erfolgen. Von D. thunnarius wurde dieses nicht beobachtet (Stand 2020). Mit Acetat als Kohlenstoffquelle kann der Art Desulfocurvus thunnarius auch Wasserstoff (H2) und Format als Elektronenspender dienen, die Art nutzt dann also einen chemolithoheterotrophen Stoffwechselweg. Disproportionierung von reduzierten Schwefelverbindungen wurde bei beiden Arten nicht beobachtet.[2]
Desulfocurvus vexinensis wächst in einem Natriumchlorid-Bereich von 0 bis 20 g/l, während Desulfocurvus thunnarius 0 bis 50 g/l toleriert. Letztere Art toleriert also recht hohe Salzgehalte und ist als Halotolerant anzusehen, während Desulfocurvus vexinensis eher nur leicht halotolerant ist.[2][1]
Systematik
Desulfocurvus wurde im Jahr 2009 von N. Klouche und Mitarbeitern mit der Typusart D. vexinensis zuerst beschrieben.[4] Im Jahr 2013 wurde Desulfocurvus thunnarius der Gattung hinzugefügt. Innerhalb der Familie Desulfovibrionaceae sind ca. 20 Arten enthalten (Stand Oktober 2025).[5]
Der Name Desulfocurvus besteht aus dem Wortteil desulfo-, was soviel wie entschwefelnd bedeutet und auf den dissimilatorischen sulfatreduzierenden Stoffwechsel hinweist, curvus bedeutet gekrümmt und bezieht sich auf die Zellform.
Ökologie
Desulfocurvus vexinensis wurde aus einer Tiefe von 830 m im Pariser Becken in Frankreich isoliert und D. thunnarius aus einem tunesischen Bioreaktor.[1][6]
Sulfatreduzierende Bakterien sind im tiefen Untergrund weit verbreitet. Zu den Fundorten zählen eine 4–5 km tiefe geologische Verwerfung, tiefen Grundwasserleitern in Australien und in Frankreich, tief vergrabenen Meeresablagerungen und Ölreservoirs.[1][7][8][9][10][11][12] In dem salzhaltigen Wasserreservoir, in dem Desulfocurvus vexinensis isoliert wurde, sind auch Wasserstoff nutzende autotrophe Bakterien gefunden worden. Möglicherweise sind CO2 und H2 hier die wichtigsten Kohlenstoff- und Energiequellen für dieses nährstoffarmes mikrobielles Ökosystem im Untergrund.[1] Organismen, die in so tiefen Regionen vorkommen, werden als Endolithen bezeichnet. Diese Lebewesen sind auch von Interesse für die Astrobiologie, den solche unterirdischen Lebensräume existieren eventuell auch in ähnlicher Form auf dem Mars und möglicherweise auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems, selbst dort, wo die Oberfläche für flüssiges Wasser zu kalt ist.[13]
Desulfocurvus ist, wie auch Desulfovibrio und Desulfobaculum, relativ robust gegenüber Sauerstoffstress und leichter zu isolieren und zu kultivieren als die meisten sulfatreduzierenden Bakterien anderer Familien.[3]