Deusenberg

ehemalige Mülldeponie in Dortmund From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Deusenberg 121,2 m ü. NHN[1] ist ein Schuttberg und ein rekultiviertes Deponiegelände im Dortmunder Stadtbezirk Huckarde.

Blick vom Deusenberg auf Dortmund
Blick auf den Deusenberg vom Dortmunder U.

Die künstliche Erhebung im ansonsten flachen Emscherland entstand überwiegend durch die Ablagerung von Haus- und Straßenkehricht, Industrieabfällen sowie großflächig aus dem Schutt der Bombardements Dortmunds im Zweiten Weltkrieg. Heute dient das Gelände als Naherholungsgebiet entlang der Emscher, Mountainbike-Standort und Fläche zur regenerativen Energiegewinnung.

Der Deusenberg soll zusammen mit der angrenzenden Kokerei Hansa einer der Hauptstandorte der Internationalen Gartenausstellung 2027 werden.[2]

Deusenberg

Vor der Nutzung als Deponie war das Gebiet entlang der Emscher landwirtschaftlich geprägt. Teile der Fläche wurden als sogenannter „Reithof“ genutzt, wo Pferde für die umliegenden Bauerschaften in Huckarde, Mengede, Nette und Bodelschwingh gehalten und trainiert wurden. Mit der fortschreitenden Industrialisierung, dem Bau des Dortmund-Ems-Kanal und dem Wachstum der Stadt Dortmund veränderte sich die Funktion des Areals grundlegend.

Blick auf das Dorf Deusen und Lindenhorst.

Ab den 1890er Jahren wurde das Gelände durch die Stadt Dortmund als zentrale Müllablagerungsstätte genutzt. Zunächst wurden vor allem Haus- und Straßenkehricht abgelagert. Mit zunehmender Bevölkerungszahl und wirtschaftlicher Entwicklung stieg das Müllaufkommen erheblich an. Die nördlichen und westlichen Stadtbezirke, u. a. die nahe gelegene Nordstadt, gehörten zu den frühen systematisch gekehrten Gebieten. Die Schienen der Hafenbahn wurden hierzu bis Huckarde verlängert, um einen funktionellen Transport zu gewährleisten.

Neben den eigentlichen Industrie- und Hausabfällen wurden dort vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg auch große Massen von Trümmern und Schutt zerstörter Häuser gelagert. Die Dortmunder Altstadt mitsamt ihren historischen Kirchen wurde durch insgesamt 105 Luftangriffe und mehr als 22.242 Tonnen Bomben im Zentrum zu mehr als 90 Prozent zerstört.[3] Die hohe Prozentzahl liegt teilweise in den acht Großangriffen begründet, in denen die Stadt Dortmund als alleiniges Ziel in den Mittelpunkt eines Angriffes rückte. Bei dem Großangriff vom 12. März 1945 trafen mehr als 4.800 Tonnen Bomben die Stadt.[4] Dieser Angriff war der schwerste Bombenangriff gegen eine deutsche Stadt.[4] Nach diesem letzten folgenschweren Angriff kam das komplette gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zum Erliegen. Zeitgenössischen Berichten zufolge wurde zunächst erwogen, die Innenstadt nicht wieder aufzubauen.

Die angrenzende Kokerei Hansa

Der tatsächliche Wiederaufbau wurde jedoch durch die im Boden vorhandenen Infrastrukturleitungen und die darüber liegenden Straßen bestimmt, die im Nachkriegsalltag als Transport- und Verbindungswege zuerst geräumt wurden. Die abgeräumte Schuttberge wurden über ein eigens hierfür installierte Schienensystem mit Loren zum Dortmunder Hauptbahnhof an der Katharinentreppe transportiert. Von hier aus gingen die Schüttzüge in das Gebiet zwischen Huckarde und Deusen.

Der Deusenberg stellt damit nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch ein materielles Zeugnis der Kriegszerstörung und des Wiederaufbaus in Dortmund dar.

Nachkriegszeit bis Heute

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gelände weiterhin als Müll- und Bauschuttdeponie genutzt. In den 1970er Jahren erreichte der aufgeschüttete Deponiekörper eine Höhe von etwa 55 Metern. Der künstliche Hügel prägte fortan das Landschaftsbild im Westen Dortmunds. Auf einer Fläche von 44 Hektar häuften sich so bis zur Einstellung des Betriebs 1992 insgesamt ca. 11 Millionen Kubikmeter Material an, die sich rund 50 Meter über die Landschaft erheben.[5]

Zu Beginn der Rekultivierung 1997 wurde auf einer ca. 54 Ha großen Fläche eine vier Meter dicke Isolationsschicht aufgetragen. Nach Abschluss der Landschaftsgestaltungsarbeiten wurde der Deusenberg am 20. Mai 2004 für die Öffentlichkeit freigegeben. Seitdem lässt sich der bis zu 112 m, nach manchen Quellen auch 120 m ü. NN hohe Deusenberg als Naherholungsgebiet und Aussichtsplattform nutzen.[6] Bei guten Sichtverhältnissen hat man einen Ausblick weit über die Stadtgrenzen Dortmunds bis ins Sauerlaund hinaus. Einige Bewohner der benachbarten Ortsteile Huckarde, Mengede, Nette und Bodelschwingh haben die Plattform entdeckt, um dort Silvester zu feiern oder die Nachtaussicht zu genießen.

Ab Ende 2016 wurde auf dem Deusenberg durch die Entegro Photovoltaik-Systeme GmbH eine Solaranlage mit einer Nennleistung von 3,56 MW errichtet, die am 8. Juni 2017 offiziell in Betrieb genommen wurde.[7] Der erzeugte Strom wird in das Netz des lokalen Energieversorger DSW21 eingespeist.

EDG-Mountainbike-Arena

3D-Ansicht des digitalen Geländemodells

Neben den Aussichtspunkten wurde im südlichen und östlichen Bereich des Deusenbergs durch den Betreiber EDG eine umfangreiche Mountainbike-Arena mit Übungsparcours, mehreren Bahnen und Trails unterschiedlicher Längen und Schwierigkeitsgraden errichtet.[6] 2010 entschied sich die EDG, die Downhill-Strecke aus Sicherheitsgründen rückzubauen.[8]

Panorama

Panoramablick vom Deusenberg Richtung Dortmund City

Literatur

  • Wolfgang Berke: Über alle Berge. Der definitive Haldenführer Ruhrgebiet. Klartext Verlag, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0170-4, S. 34f.

Einzelnachweise

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