Deutsche Buddhistische Union
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Die Deutsche Buddhistische Union (kurz DBU; vollständiger Name: Deutsche Buddhistische Union e. V. – Buddhistische Religionsgemeinschaft) versteht sich als traditionsübergreifender Dachverband von Buddhisten in Deutschland. Die DBU wurde 1955 als „Deutsche Buddhistische Gesellschaft“ mit seinerzeit 43 Mitgliedern gegründet.[1] Mitglieder der DBU sind buddhistische Gruppen und Organisationen der verschiedenen Lehrtraditionen. Natürliche Personen können Einzelmitglied in der untergeordneten Buddhistischen Gemeinschaft der DBU (BG) werden.
Die DBU bringt eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift unter dem Namen Buddhismus Aktuell heraus. Die Geschäftsstelle ist in München.
Geschichte der DBU
Die Vorläuferorganisation der DBU war die am 17./.18. September 1955 gegründete „Deutsche Buddhistische Gesellschaft“. Mitglied konnten buddhistische Gemeinschaften mit einer Größe von mindestens sieben Mitgliedern werden. Am 21. September 1958 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Buddhistische Union sowie die Umwandlung in einen reinen Dachverband.[2] 1981 wurde die DBU als gemeinnützig anerkannt. Seit 1985 erscheint eine Verbandszeitschrift, zunächst die „Lotosblätter“, später umbenannt in „Buddhismus aktuell“.[3] 2008 wurde die „Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft (DBO)“, ein Zusammenschluss buddhistischer Ordensmitglieder gegründet. Die DBO ist ein mit der DBU assoziierter Zusammenschluss.[4]
Über Jahrzehnte herrschten in der DBU heftige Debatten um die Mitgliedschaft von Ole Nydahl, Oberhaupt der größten tibetisch-buddhistischen DBU-Einzelgemeinschaft „Diamantweg-Buddhismus“. Mehrfach wurden Nydahl rassistische und islamfeindliche Äußerungen vorgeworfen. Kritik an ihm kam von inner- und außerhalb der DBU. Bereits 1996 verhängte die Sprecherin des geschäftsführenden Vorstandes der DBU, Regina Leisner, ein Publikationsverbot für von Nydahl verfasste Artikel in der Verbandszeitschrift, ein Auftrittsverbot auf DBU-Veranstaltungen und missbilligte sein Verhalten.[5] Regine Leisner verließ Ende der 1990er Jahre den organisierten Buddhismus. Der „Diamantweg“ blieb weiterhin die mitgliederstärkste DBU-Gemeinschaft. Wiederholt wurde öffentliche Kritik am Schweigen und Nichtreagieren der DBU gegenüber den fortgesetzten Äußerungen Nydahls geübt.[6] Erst 2018 wurde die Frage des Ausschlusses innerhalb der DBU auf die Tagesordnung gesetzt, dem die Diamantweg-Gemeinschaft dann durch den Austritt aus dem Verband zuvorkam. Damit verlor die DBU ca. ein Drittel ihrer Mitglieder.
Strukturen der DBU
Die DBU ist ein Dachverband buddhistischer Gruppen und Organisationen der verschiedenen Lehrtraditionen. Stand 2025 waren 67 Gemeinschaften Mitglieder. Zahlenmäßig am stärksten vertreten waren tibetisch-buddhistische und Zen-buddhistische Gruppen.[7] Natürliche Personen können in der untergeordneten Buddhistischen Gemeinschaft der DBU (BG) Einzelmitglied werden.[8] Die BG ist mit rund 2500 Mitgliedern auch eine der mitgliederstärksten Gruppen.[9] Wie viel Prozent der Buddhisten in Deutschland insgesamt damit DBU-Mitglieder sind, ist unklar:[10] Der Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst (REMID) nennt für 2024 eine Zahl von insgesamt 300.000 Buddhisten in Deutschland,[11] von denen laut DBU viele nicht in Gruppen und Verbänden organisiert sind.[12] Hans-Günter Wagner geht davon aus, dass 5 % der deutschen Buddhisten Mitglied in der DBU sind. Insbesondere seien nur wenige asiatisch-stämmige Buddhisten in Deutschland in der DBU vertreten.[10]
Neben der Gruppen- gibt es heute auch die Möglichkeit einer Einzelmitgliedschaft einer assoziierten Mitgliedschaft (ohne Mitgliedsrechte und Beitragspflichten).[13] Die Institution ist also kein reiner Dachverband mehr wie zur Zeit der Gründung. Nach der heute gültigen Satzung vom 24. Juni 2023 müssen Mitgliedsgemeinschaften mindestens 10 Mitglieder haben.[14]
Die Delegierten der Mitgliedsgemeinschaften treffen sich einmal im Jahr am letzten Juni-Wochenende. Alle drei Jahre wird ein Rat aus elf Personen gewählt, der wiederum einen dreiköpfigen Vorstand aus seinen Reihen ernennt. Der Vorstand besteht derzeit (Stand 2025) aus Tsunma Konchok Jinpa Chodron (Vorsitzende), Dirk Schwindling (stellv. Vorsitzender) und Claus Herboth (Schatzmeister).[15] Die inhaltliche Arbeit der DBU findet in Arbeitsgruppen (AGs) statt. Ehrenpräsident der DBU war Max Glashoff. Aktuelle Ehrenpräsidenten sind Alfred Weil, Vajramala, Sylvia Wetzel.
Seit November 2018, nach Missbrauchsvorwürfen gegen Sogyal Rinpoche vom DBU-Mitgliedsverband Rigpa,[16] bietet die DBU auch ein Gesprächsangebot mit Vertrauenspersonen für Missbrauchsfälle im buddhistischen Kontext, die im Falle von „Macht- und/oder Vertrauensmissbrauch sowie Gewalt auf verbaler, emotionaler, psychischer und sexueller Ebene“ als Ansprechpartner dienen sollen.[17]
Die Deutsche Buddhistische Union ist Gründungsmitglied des Europäischen Buddhistischen Dachverbandes European Buddhist Union (E.B.U.)[18] sowie seit 1961 Mitglied und „Regional Centre“ des buddhistischen Weltdachverbandes World Fellowship of Buddhists (WFB).[19]
Der DBU nahestehen die Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft e. V. (DBO).
Ziele der DBU
Die Deutsche Buddhistische Union setzt sich folgende Ziele:
- Unterstützung der Entwicklung eines authentischen Buddhismus in Deutschland und dessen zeitgemäße Vermittlung.
- Bilden einer Plattform für den Austausch zwischen buddhistischen Gruppen, insbesondere auch zwischen den verschiedenen buddhistischen Traditionen.
- Ansprechpartner und Vertreter des Buddhismus im interreligiösen Dialog zu sein und Darstellung des Buddhismus in der Öffentlichkeit durch Veranstaltungen, Seminare, Kurse und Informationsmaterial.
- Neutrale Informationsstelle zum Buddhismus zu sein.
Buddhistisches Bekenntnis
Ausdruck der gemeinsamen weltanschaulichen Grundlage der in der DBU zusammengeschlossenen Gruppen und Einzelmitglieder ist das Buddhistische Bekenntnis,[20] das 1984 als Präambel Bestandteil der Satzung wurde. Dieses Bekenntnis wurde im Jahr 2004 durch die Mitgliederversammlung in intensiver Diskussion überarbeitet und die geänderte Fassung mit einer Enthaltung ohne Gegenstimme angenommen.[21] Einzelmitglieder oder buddhistische Gruppen, die Mitglied der Deutschen Buddhistischen Union werden will, müssen dem Text des Buddhistischen Bekenntnisses der DBU zustimmen.[22]
Kritik an der DBU
In einem Beitrag der Zeitschrift „Ursache\Wirkung“ analysiert der Religionswissenschaftler Hendrik Hortz einen sexuellen Missbrauchsfall im „Buddhistischen Meditations- und Studienzentrum TTC“ in Hamburg, einer tibetisch-buddhistischen Mitgliedsgemeinschaft der DBU.[23] Dabei kritisiert er u. a. die Doppelrolle der seinerzeitigen Missbrauchsbeauftragten der DBU, Dorothea Nett, die gleichzeitig als 2. Vorsitzende der Karma Kagyü Gemeinschaft, der auch Lama Dawa, der mutmaßliche Missbrauchstäter angehört. Hortz konstatiert kritisch, dass der ethische Ehrenkodex des Verbandes, der allein auf Freiwilligkeit gründet und keine Sanktionsmaßnahme gegen Täter und ihre Gemeinschaften vorsieht, in diesem Fall nichts bewirkt habe. Der Lama sei weiter in seiner Gemeinschaft als religiöser Lehrer aktiv. In einer offiziellen Stellungnahme hat die Deutsche Buddhistische Union die Kritik an ihren Ansprechpartnerinnen für sexuellen Missbrauch zurückgewiesen und deren Arbeit verteidigt. Allerdings wurde diese Stellungnahme später wieder von der DBU-Website entfernt.[24]