Deutsche Konjugation

From Wikipedia, the free encyclopedia

Die deutsche Konjugation (von lateinisch coniugatio Verbindung) ist die Änderung der Wortform (Flexion, Beugung) von Verben in der deutschen Grammatik. Sie erfolgt durch das Anfügen von Endungen, durch Änderungen im Verbstamm und durch die Zusammensetzung mit Hilfsverbformen. Wie in allen germanischen Sprachen ist dabei der Unterschied zwischen schwachen Verben und starken Verben bedeutsam. Letztere werden der Einfachheit halber häufig – vor allem in Schulgrammatiken – zu den unregelmäßigen Verben gezählt,[1] weisen aber bestimmte Regelmäßigkeiten in ihrer Konjugation auf.

Das Deutsche unterscheidet bei der Konjugation der Verben drei Personen (1. Person, 2. Person und 3. Person) und zwei Numeri (Singular und Plural). Das Verb steht in PN-Kongruenz zum Subjekt des Satzes, d. h. Verb und Subjekt stimmen hinsichtlich ihrer grammatischen Merkmale regelhaft überein. Neben Person und Numerus sind Tempus, Modus (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ) und Diathese (Aktiv, Passiv) die Merkmale der deutschen Konjugation.

Im gesprochenen Deutsch zeigt sich die Tendenz, den Gebrauch von Hilfsverben gegenüber der synthetischen Flexion vorzuziehen. Während dies beim Passiv und dem Futur regelgerecht ist, vermuten manche das langsame Aussterben der Konjunktive oder sogar des Präteritums.[2]

Verbformen

Infinite Verbformen

Infinite (unbestimmte) Verbformen geben keine Person, Zahl, Zeit und keinen Modus an:

  • Infinitiv (Nennform): laufen, tanzen, essen, gehen, nennen, gucken …
  • Partizip I: laufend, tanzend, essend, gehend, nennend, guckend …
  • Partizip II: gelaufen, getanzt, gegessen, gegangen, genannt, geguckt …

Das Partizip I, auch Partizip Präsens, wird durch Anhängen der Endung -end an den Wortstamm des Infinitivs gebildet. Bei deutschstämmigen Verben, deren Stamm auf -r oder auf -l endet, wird die Endung -end meist zu -nd gekürzt, ebenso wie das -en des Infinitivs zu -n gekürzt wird: lächel-nd, trauer-nd. Verben mit Stamm auf -ier behalten hingegen die vollständige Endung: polierend (nicht poliernd), schmierend (nicht schmiernd).

Das Partizip II, auch Partizip Perfekt, erhält normalerweise die Vorsilbe ge- und die Endung -t oder -et, bei starken Verben die Endung -en. Bei einigen starken und unregelmäßigen Verben ändert sich zudem der Verbstamm: trinken → getrunken, gehen → gegangen, sein → gewesen. Das Präfix ge- entfällt bei allen Verben, die nicht auf der ersten Silbe betont werden, z. B. bei vielen Verben auf -ieren und allen, die bereits ein Präfix haben: polieren → poliert, zerlegen → zerlegt, gewinnen → gewonnen. Eine betonte, abtrennbare Vorsilbe (Verbpartikel) bleibt als solche erhalten, steht also außerhalb der Partizipbildung: vor-sagen → vor-gesagt, ein-ziehen → ein-gezogen, ein-beziehen → ein-bezogen, zu-gestehen → zu-gestanden.

Finite Verbformen

Finite (bestimmte) Verbformen geben Person, Zahl, Zeit und Modus an. Dazu ändert sich die Endung des Verbs, bei starken und unregelmäßigen Verben in vielen Formen auch der Verbstamm, beispielsweise:

  • machen → mache (1. Person Singular, Indikativ Präsens Aktiv)
  • gehen → gingst (2. Person Singular, Indikativ Präteritum Aktiv)
  • kommen → kämen (1. oder 3. Person Plural, Konjunktiv II (Gleichzeitigkeit) Aktiv)

Die Bezeichnung „konjugiertes Verb“ wird oft im Sinne von „finites Verb“ verwendet, obwohl auch die Partizipbildung als Konjugation aufgefasst werden kann. Die Bildung finiter Verbformen wird in den folgenden Abschnitten näher beschrieben.

Personalformen

Die beiden Merkmale Person und Numerus sind in der deutschen Konjugation immer kombiniert. Daraus ergeben sich sechs Personalformen mit – wegen der Übereinstimmung der 3. Person Singular mit der 2. Person Plural sowie der 1. mit der 3. Person Plural – vier verschiedenen Personalendungen:

Weitere Informationen Person, Singular ...
PersonSingularPlural
1.ich lachewir lachen
2.du lachstihr lacht
3.er lachtsie lachen
Schließen

Bei einigen starken Verben ändert sich zudem der Stammvokal in der 2. und 3. Person Singular. Der Stammvokal e (ä) wird zu i (ie), dunkle Stammvokale werden oft umgelautet (a  ä, au  äu, o  ö).

Weitere Informationen Person, Singular ...
PersonSingularPluralSingularPluralSingularPluralSingularPlural
1.ich gebewir gebenich fahrewir fahrenich laufewir laufenich stoßewir stoßen
2.du gibstihr gebtdu fährstihr fahrtdu läufstihr lauftdu stößtihr stoßt
3.er gibtsie gebener fährtsie fahrener läuftsie laufener stößtsie stoßen
Schließen

Bei unregelmäßigen Verben unterscheidet sich häufig der Stammvokal im Singular von dem im Plural bzw. Infinitiv. Wenige Verben wie das Hilfsverb sein haben im Indikativ Präsens völlig unregelmäßige Formen.

Weitere Informationen Person, Singular ...
PersonSingularPluralSingularPluralSingularPluralSingularPlural
1.ich darfwir dürfenich kannwir könnenich weißwir wissenich binwir sind
2.du darfstihr dürftdu kannstihr könntdu weißtihr wisstdu bistihr seid
3.er darfsie dürfener kannsie könnener weißsie wissener istsie sind
Schließen

Tempusformen

Bildung der Tempusformen

Das Deutsche kennt nur zwei morphologische Formen (also Wortformen im engen Sinn), nämlich Präsens und Präteritum, mit deren Hilfe sämtliche Tempuskategorien in der Konjugation gebildet werden; allerdings weichen manche Konjunktiv-II-Formen von der eigentlichen Präteritum-Ableitung ab (siehe unten).

Auch bei der Bildung des Präteritums unterscheiden sich schwache und starke Verben. Bei ersteren wird als Tempusmarker -te an den Wortstamm des Infinitivs angehängt, darauf folgt die jeweilige Personalendung. Verben, deren Stamm auf t, d (reden, retten) oder auf einen Verschluss- oder Reibelaut +n/m endet (atmen, öffnen, trocknen), erhalten vor dem Tempusmarker ein e, um die Aussprache zu erleichtern. Starke Verben erfahren einen Ablaut, d. h. einen Wechsel im Stammvokal und erhalten für gewöhnlich keinen Tempusmarker. Eine Ausnahme bilden Verben, bei denen sich nicht nur der Stammvokal, sondern auch der folgende Konsonant ändert (denken → dachte, bringen → brachte). Sie gelten daher als starke Verben mit schwacher Präteritumsendung oder „Mischverben“.[3][4] Die Personalendungen werden, ähnlich wie bei schwachen Verben, nach stets gleichen Regeln hinzugefügt. Da sie bei allen Verben in der 1. und 3. Person Singular entfallen, sind diese beiden Formen im Präteritum – anders als im Präsens – auch im Singular immer gleich.

Weitere Informationen Pers. + Num., schwach ...
Pers. + Num. schwach stark
lachenredenatmenfliegengebendenken
1. Singularichlachteredeteatmetefloggabdachte
2. Singulardulachtestredetestatmetestflogstgabstdachtest
3. Singularer/sie/eslachteredeteatmetefloggabdachte
1. Pluralwirlachtenredetenatmetenflogengabendachten
2. Pluralihrlachtetredetetatmetetflogtgabtdachtet
3. Pluralsielachtenredetenatmetenflogengabendachten
Schließen

Die Formen im Perfekt und im Plusquamperfekt werden mit den Hilfsverben haben oder sein in flektierter Form und dem Partizip II gebildet. Die Formen im Futur I werden mit dem Verb werden (flektiert) und dem Infinitiv, die im Futur II mit werden (flektiert), dem Partizip II und haben/sein (im Infinitiv) gebildet.

Bei Modalverben, die als solche, d. h. in Kombination mit einem weiteren Verb (Vollverb) gebraucht werden, wird in den zusammengesetzten Tempusformen Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II statt des Partizips der Infinitiv verwendet.[5] Beim – sehr selten verwendeten – Futur II steht zudem das Hilfsverb haben nicht am Ende, sondern vor den beiden Infinitiven (dem des Vollverbs und dem des Modalverbs),[6] vgl. folgende Übersicht.

Übersicht

Weitere Informationen Tempus (Zeit), Aspekt ...
Tempus (Zeit) Aspekt schwach stark unregelmäßig Modalverb
hörenschreibengehen(gehen) müssen
Präsens (Gegenwart)jetzt aktuellich höredu schreibster gehtihr müsst (gehen)
Perfekt (vollendete Gegenwart)jetzt vollzogenich habe gehörtdu hast geschriebener ist gegangenihr habt (gehen) müssen
Präteritum (Vergangenheit)damals aktuellich hörtedu schriebster gingihr musstet (gehen)
Plusquamperfekt (vollendete Vergangenheit)damals vollzogenich hatte gehörtdu hattest geschriebener war gegangenihr hattet (gehen) müssen
Futur I (Zukunft)demnächst aktuellich werde hörendu wirst schreibener wird gehenihr werdet (gehen) müssen
Futur II (vollendete Zukunft)demnächst vollzogenich werde gehört habendu wirst geschrieben habener wird gegangen seinihr werdet haben (gehen) müssen
Schließen

Gebrauch der Tempusformen

Im Deutschen ist das Präteritum die klassische Erzählvergangenheitsform. In literarischen Texten, insbesondere in Romanen, drückt es die Gegenwart innerhalb der erzählten Geschichte aus (episches Präteritum). Vergangene Ereignisse werden mit dem Plusquamperfekt ausgedrückt. Ist die Erzählung im Präsens geschrieben, wird Vergangenes meist ins Perfekt gesetzt. So steht mit dem Plusquamperfekt ein zusätzliches Tempus für eine weitere Zeitebene (das Vorvergangene) zur Verfügung, ohne dass ein kompletter Tempuswechsel innerhalb der Geschichte erforderlich wird.

Im niederdeutschen und Teilen des mitteldeutschen Sprachraums wird das Präteritum häufig auch in der Umgangssprache verwendet, allerdings nimmt das Perfekt im Gebrauch zu. Im Oberdeutschen wird mit Ausnahme einiger Hilfs- und Modalverben auch dort das Perfekt genutzt, wo in Norddeutschland das Präteritum üblich wäre (Oberdeutscher Präteritumschwund). In der österreichischen Umgangssprache werden lediglich die Verben sein und wollen im Präteritum gebraucht, im Bairischen existiert es nur bei zwei Wörtern: wår (war) und woit (wollte). Einige alemannischen Dialekte wie das Schweizerdeutsch kennen bis auf die Präteritalformen von sein gar kein Präteritum.

Im gesamten deutschen Sprachraum kommt umgangssprachlich das doppelte Perfekt (Ich habe ihm geschrieben gehabt.) vor. In einigen, überwiegend süddeutschen Dialekten, die von Präteritumschwund betroffen sind, ersetzt es das Plusquamperfekt; ansonsten wird es verwendet, um einen verstärkenden, betonenden Aspekt hinzuzufügen (Ich habe ihm doch geschrieben gehabt!). Genauso wie das seltener gebrauchte doppelte Plusquamperfekt (Ich hatte ihm geschrieben gehabt.) ist es nicht standardsprachlich.

Wie das Plusquamperfekt werden auch Futur I und Futur II eher selten in der gesprochenen Sprache verwendet. Manche Dialekte kennen diese Tempora nicht. Das Plattdeutsche nutzt dagegen alle sechs Zeitformen, wobei die Futurformen mit sollen (auf Platt: sölen oder schölen [ik sall/schall]) gebildet werden. Das doppelte Futur II (Ich werde ihr geschrieben gehabt haben.) findet selbst in der heutigen Umgangssprache kaum Verwendung und ist ebenso wenig wie die anderen Doppelformen standardsprachlich akzeptiert.

Diathese / Genus verbi

Das Deutsche unterscheidet zwischen den Handlungsrichtungen (Diathesen) Aktiv und Passiv. Die indogermanische Mittelform, das Mediopassiv, gibt es im Deutschen nicht mehr als eigenständiges Verbgattung (Genus verbi). Allerdings finden sich sinngemäße Entsprechungen, die formal im Aktiv stehen und die Handlungsrichtung mittels Reflexivpronomen verdeutlichen: Ich wasche mich. Das Buch liest sich gut.

Passiv

Das Passiv ist die „täterabgewandte“ Aussageform des Verbs[7], auch „Leideform“ genannt. Insbesondere im formalen Deutsch ist das Passiv wichtig. Es wird am häufigsten mit dem Hilfsverb werden und dem Partizip Perfekt gebildet und verkehrt die Perspektive des Aktivsatzes. Das Patiens wird Ausgangspunkt, das Agens verliert die Subjektrolle und kann auch wegfallen, so dass der „Täter“ (ohne einen Zusatz wie „durch“ oder „von“) unbekannt bleibt.

Beispiel: Die Frau beobachtete den Unfall.Der Unfall wurde (von der Frau) beobachtet.

Das Deutsche unterscheidet mindestens zwei Passivformen:

  • Vorgangspassiv (VP)
  • Rezipientenpassiv (RP), auch Dativpassiv

Daneben werden in die Kategorie Passiv auch weitere Bildungen einbezogen, vor allem das sog. Zustandspassiv, das oft das Ergebnis einer Handlung bezeichnet (vgl. resultativ) und mit dem Hilfsverb sein statt werden erscheint.

Das Vorgangspassiv mit dem Hilfsverb werden macht ein zugrundeliegendes Akkusativobjekt zum neuen Subjekt oder ergibt, bei Verben ohne Akkusativobjekt, einen Passivsatz ganz ohne Subjekt (unpersönliches Passiv) wie Jetzt wird wieder gelacht.

Das Rezipientenpassiv[8][9] wird mit bekommen, kriegen (umgangssprachlich) oder – seltener – mit erhalten als Hilfsverb gebildet. Da ein zugrundeliegendes Dativobjekt dann die Subjektposition einnimmt, wird es auch als Dativpassiv bezeichnet.[10]

Weitere Informationen Tempus, Vorgangspassiv ...
TempusVorgangspassivZustandspassivRezipientenpassiv
Präsensich werde gesehendie Tür ist geöffneter bekommt das Buch weggenommen
Präteritumich wurde gesehendie Tür war geöffneter bekam das Buch weggenommen
Perfektich bin gesehen wordendie Tür ist geöffnet gewesener hat das Buch weggenommen bekommen
Plusquamperfektich war gesehen wordendie Tür war geöffnet gewesener hatte das Buch weggenommen bekommen
Futur Iich werde gesehen werdendie Tür wird geöffnet seiner wird das Buch weggenommen bekommen
Futur IIich werde gesehen worden seindie Tür wird geöffnet gewesen seiner wird das Buch weggenommen bekommen haben
Schließen

Modus

Im Deutschen gibt es die folgenden Modi (Aussageformen) als Konjugationsparameter beziehungsweise als grammatische Kategorie von Verben:

  • Indikativ (Wirklichkeitsform): Paul kommt.
  • Imperativ (Befehlsform): Paul, komm!
  • Konjunktiv (Möglichkeitsform): Paul komme. Paul käme. Paul würde kommen.

Imperativ

Man unterscheidet zwischen Imperativ-Formen ohne Personalpronomen (zum Beispiel Geh! oder Geht!) und Ersatzformen mit Personalpronomen, die anstelle nicht existierender Imperativ-Formen verwendet werden und formal dem Konjunktiv I entsprechen (Gehen wir! oder Gehen Sie!). Außer der 1. Person Plural, die linguistisch einen Adhortativ darstellt, sind alle anderen Formen als Befehl an eine anwesende Person oder Gruppe zu sehen. Auch wenn sich der Imperativ mit der höflichen Anrede „Sie“ syntaktisch an die 3. Person richtet und somit auch als Jussiv interpretiert werden kann, fungiert er de facto als Aufforderung an die 2. Person. Genauso verhält es dich mit der veralteten Form des Imperativs mit der höflichen Anrede „Er/Sie“ im Singular (Gehe Er zum Herzog!).

Im Singular entspricht der flektierte Imperativ im Deutschen der Verbform der 2. Person Singular Präsens ohne Personalpronomen und ohne die Endung -st: du arbeitest → arbeite!, du gibst → gib! Im Plural entspricht er für alle deutschen Verben der 2. Person Plural,[11] hier wird nur das Pronomen weggelassen: ihr lernt → lernt!

Bei Verben auf -ern kann im Singular ein -e angefügt werden (du änderst → änder(e)!, du wanderst → wander(e)!); bei den Verben auf -eln kann das e im Wortstamm entfallen, dann muss ein e angefügt werden: du sammelst → sammel! oder sammle!. Bei starken Verben mit Umlaut in der 2. und 3. Person Singular entfällt der Vokalwechsel: du fährst → fahr!, du läufst → lauf! du stößt → stoß!

Ausnahmen sind die Verben haben, sein, werden und wissen, deren Imperativ im Singular dem Infinitiv ohne die Endung -(e)n entspricht: hab(e)!, sei!, werd(e)! und wisse!

Konjunktiv

Der Konjunktiv dient im Deutschen zur Wiedergabe indirekter Rede oder bezeichnet Unwirkliches wie Wünsche, Vermutungen, Möglichkeiten, Bedingungen und Ähnliches. Man unterscheidet zwei Standardformen, Konjunktiv I und Konjunktiv II, die jeweils in verschiedenen Tempora gebildet werden können, um damit unterschiedliche Zeitverhältnisse (Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit) auszudrücken. Anstelle des Konjunktivs I und II wird – vor allem umgangssprachlich – oft die Konjunktiv-Ersatzform („würde-Form“, „Konditional“[12] oder Konjunktiv III[13]) verwendet, die formal dem Konjunktiv II im Futur I bzw. Futur II des Aktivs entspricht (vgl. Tabelle unten).

Bildung des Konjunktivs

Der Konjunktiv I wird vom Infinitivstamm des Verbs abgeleitet, gefolgt vom Suffix -e- und der jeweiligen Personalendung. Bei der 1. und 3. Person Singular tritt keine Personalendung auf, bei der 1. und 3. Person Plural vereinen sich Suffix und Endung.

Weitere Informationen Pers., Singular ...
Pers.SingularPlural
1.komm + eich kommekomm (+ e) + enwir kommen
2.komm + e + stdu kommestkomm + e + tihr kommet
3.komm + eer kommekomm (+ e) + ensie kommen
Schließen

Der Konjunktiv I ist eine durchgehend regelhaft flektierende grammatische Kategorie, d. h. alle Verben – egal, ob stark, schwach oder unregelmäßig – werden nach demselben Muster gebeugt. Die einzige Ausnahme ist sein, bei dem in der 1. und 3. Person Singular die Personalendung -e entfällt (sei statt seie).

Der Konjunktiv II wird vom Indikativ Präteritum des Verbs abgeleitet. Bei schwachen Verben stimmt der Konjunktiv II mit dem Indikativ Präteritum formal überein. Von starken Verben wird er durch die Verbindung des Präteritalstammes des Indikativs ggf. mit dem Suffix -e- und der jeweiligen Personalendung gebildet (mit denselben Ausnahmen und Verschmelzungen wie beim Konjunktiv I), wobei umlautfähige Stammvokale umgelautet werden.

Weitere Informationen Pers., Singular ...
Pers.SingularPlural
1.kam + e (+ Umlaut)ich kämekam (+ e) + en (+ Umlaut)wir kämen
2.kam + e + st (+ Umlaut)du kämestkam + e + t (+ Umlaut)ihr kämet
3.kam + e (+ Umlaut)er kämekam (+ e) + en (+ Umlaut)sie kämen
Schließen

Bei Gleichklang des Konjunktivs II mit einer anderen Form desselben oder auch eines anderen Verbs kann der Stamm aufgrund der Verwechslungsgefahr verändert werden; diese besonderen Formen halten sich jedoch meist nicht an bestimmte Bildungsregeln. Beispiele hierfür sind:

  • helfen → Präteritum: (ich) half → „eigentlicher“ Konjunktiv II: (ich) hälfe → Gleichklang mit der 1. Pers. Sg. Präsens des Verbs (ich helfe) → Konjunktiv II: (ich) hülfe
  • schelten → Präteritum: (ich) schalt → „eigentlicher“ Konjunktiv II: (ich) schälte → Gleichklang mit Präteritum-Formen (1. und 3. Pers. Sg.) von schälen → Konjunktiv II: (ich) schölte

In einigen Fällen sind zwei Formen möglich, z. B. bei befehlen(ich) befähle oder (ich) beföhle, bei stehen(ich) stände oder (ich) stünde oder bei schwimmen(ich) schwämme oder (ich) schwömme.

Der Konjunktiv I und II der zusammengesetzten Zeitformen (formal dem Indikativ Perfekt bzw. Plusquamperfekt, Futur I und Futur II entsprechend) werden gebildet, indem das Hilfsverb (haben/sein/werden) gemäß der Grundregel (Ableitung vom Infinitiv beim Konjunktiv I bzw. von der Präteritumform beim Konjunktiv II) umgebildet wird. Analog dazu werden die Passivformen gebildet. Nachstehende Tabelle zeigt dies beispielhaft für das Verb malen in der 3. Person Singular.

Weitere Informationen Konjunktiv I, Aktiv ...
Konjunktiv I
AktivVorgangspassivZustandspassiv
Präsenser malesie werde gemaltes sei gemalt
Perfekter habe gemaltsie sei gemalt wordenes sei gemalt gewesen
Futur Ier werde malensie werde gemalt werdenes werde gemalt sein
Futur IIer werde gemalt habensie werde gemalt worden seines werde gemalt gewesen sein
Konjunktiv II
AktivVorgangspassivZustandspassiv
Präteritumer maltesie würde gemaltes wäre gemalt
Plusquamperfekter hätte gemaltsie wäre gemalt wordenes wäre gemalt gewesen
Futur Ier würde malensie würde gemalt werdenes würde gemalt sein
Futur IIer würde gemalt habensie würde gemalt worden seines würde gemalt gewesen sein
Schließen

Gebrauch des Konjunktivs

Der Konjunktiv I wird vor allem in der Schriftsprache und dort hauptsächlich in der indirekten Rede verwendet. Dabei wird die die Präsens-Form zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit des Geschehens genutzt, die Perfekt-Form zum Ausdruck der Vorzeitigkeit und die Futur-Formen zur Darstellung einer Nachzeitigkeit. Der Bezugspunkt ist dabei der Zeitpunkt der direkten Rede, nicht der Zeitpunkt der indirekten Wiedergabe.

Wenn die Form des Konjunktivs I mit dem Indikativ Präsens identisch ist, wird in der indirekten Rede als Ersatz der Konjunktiv II in der Präteritumform verwendet.[14] Stimmt dieser wiederum mit dem Indikativ Präteritum überein, wird auch standardsprachlich die Hilfskonstruktion mit würde genutzt, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Der Konjunktiv II wird außerdem verwendet, um unmögliche und unwahrscheinliche Bedingungen, Bedingungsfolgen, Vorstellungen oder Wünsche zu benennen und dient darüber hinaus als Höflichkeits- oder Bescheidenheitsform:

  • irreale Bedingung: Hättest du den Text gelesen, könntest du die Frage beantworten.
  • irreale Bedingungsfolge: Niemand ist so klug, als dass er alles wüsste.
  • irrealer Vergleichssatz: Mein Kopf brummt, als hätte ich sämtliche Wikipedia-Artikel gelesen.
  • Wunsch: Wäre doch schon Samstag!
  • Höflichkeitsform: Könnten Sie mich zurückrufen? (anstelle des Indikativs Können Sie mich zurückrufen? oder des Imperativs Rufen Sie mich zurück!)
  • Bescheidenheitsform: Ich hätte gerne ein Wasser. oder Ich möchte gerne ein Wasser. (anstatt Ich will ein Wasser.)

In der gesprochenen Sprache wird der Konjunktiv II wesentlich häufiger eingesetzt als der Konjunktiv I.[15] Wie beim Indikativ neigen viele Sprecher dazu, für die Zukunft die jeweiligen Präsensformen und gegebenenfalls lexikalische Mittel (morgen, in drei Jahren usw.) zu nutzen. Folglich werden die Futur-Formen des Konjunktivs I in der Umgangssprache kaum verwendet, während die des Konjunktivs II ihre ursprüngliche Bedeutung weitgehend verloren haben und zur Konjunktiv-Ersatzform („würde-Form“) umfunktioniert werden konnten.

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI