Deutsche Konsum
deutsches Immobilienunternehmen
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Die Deutsche Konsum Real Estate AG („DKR“) ist ein börsennotiertes deutsches Immobilienunternehmen mit Geschäftssitz in Potsdam. Registriert ist die DKR beim Amtsgericht Rostock mit Unternehmenssitz in Broderstorf (Mecklenburg-Vorpommern). Es ist Eigentümerin von derzeit 163 Immobilien in Deutschland mit einem Bilanzwert von rund 877 Millionen Euro und einer Jahresmiete von rund 70 Millionen Euro. Die Bilanzsumme des Unternehmens beträgt aktuell rund 901 Millionen Euro (Stand: 31. März 2025).[1][2]
| Deutsche Konsum REIT-AG | |
|---|---|
| Rechtsform | REIT-Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE000A14KRD3 |
| Gründung | 2008 |
| Sitz | Potsdam, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 28 (GJ 2023/2024)[1] |
| Umsatz | 88,4 Mio. Euro (GJ 01.10.2023 – 30.09.2024)[1] |
| Branche | Immobilien |
| Website | https://www.deutsche-konsum.de |
| Stand: 31. März 2025 | |
Historie
Gegründet wurde die Gesellschaft von Rolf Elgeti zunächst als Stafford Grundbesitz GmbH im Oktober 2008. Im Jahr 2014 nahm sie ihre operative Geschäftstätigkeit unter der Firma Deutsche Konsum Grundbesitz AG auf.[3]
Mit Aufnahme des Börsenlistings und der Beantragung des REIT-Status firmierte sie dann ab 2016 unter dem Namen Deutsche Konsum REIT-AG.
Seit 2017 wurde die Gesellschaft dann zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Alexander Kroth (CIO) und Christian Hellmuth (CFO) maßgeblich aufgebaut. Zwischenzeitlich umfasste das Immobilienportfolio 186 Einzelhandelsimmobilien in Deutschland und wurde mit über 1 Milliarde Euro bewertet.
Rolf Elgeti legte mit der Hauptversammlung 2023 sein Vorstandmandat nieder.[4] Die Vorstandsmitglieder Hellmuth und Kroth schieden 2024 und 2025 aus dem Vorstand aus.[5][6]
Mit Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Dezember 2025 wurde der REIT-Status aufgegeben und die Firma in Deutsche Konsum Real Estate AG umbenannt.[7]
Unternehmensstrategie
Unternehmensgegenstand sind Erwerb und Bewirtschaftung von Immobilien mit dem Fokus auf lebensmittelgeankerte Einzelhandelsgeschäfte, die Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs anbieten. Somit sind in der Mieterschaft die wesentlichen bekannten und großen deutschen Einzelhandelsketten vertreten. Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass stetige und nichtzyklische Mieterträge erzielt werden, die dann als Dividende an die Aktionäre weitergegeben werden sollen.
Börsenlisting in Deutschland
Das Börsenlisting erfolgte zunächst an der Börse Berlin im Dezember 2015 per einfacher Handelsaufnahme ("Cold IPO") ohne Kapitalerhöhung. Seit März 2017 ist die Aktie der Deutsche Konsum REIT-AG im Prime Standard der Deutschen Börse.
Die Gesellschaft führte bis 2020 verschiedene Kapitalerhöhungen durch. Durch das Wachstum auf der Asset- und Kapitalseite betrug die Marktkapitalisierung zeitweise bis zu rund 650 Millionen Euro im März 2020.[8]
REIT-Status
Seit Januar 2016 besaß die Gesellschaft den Status eines REIT ("Real-Estate-Investment-Trust") nach dem deutschen REIT-Gesetz. Damit war die Gesellschaft bei Einhaltung bestimmte Bedingungen und Bilanzkennzahlen (zum Beispiel einen Verschuldungsgrad von maximal 55 %) von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit.
Im Ende 2022 veröffentlichte die DKR, dass das zuständige Finanzamt Potsdam nach einer Betriebsprüfung der zurückliegenden Jahre seit der Gründung der Gesellschaft den REIT-Status rückwirkend nicht anerkennt. Die Gesellschaft ging daraufhin juristisch gegen die Finanzverwaltung vor, da hier erhebliche rechtliche Zweifel an der Bewertung des Finanzamts Potsdam bestehen.
Mit Einladung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung im Oktober 2025 kündigte die Gesellschaft an, den REIT-Status freiwillig aufgeben zu wollen und die jahrelange juristische Auseinandersetzung aufzugeben. Dies wurde in der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Dezember 2025 beschlossen.[9]
Zweitlisting an der Börse Johannesburg
Am 22. Februar 2021 meldete die Gesellschaft, dass sie die Zulassung für ein Zweitlisting an der Johannesburg Stock Exchange (JSE) erhalten hat[10]. Das Zweitlisting und die Handelsaufnahme der DKR-Aktie an der JSE erfolgte am 8. März 2021.[11] Damit ist die DKR der erste deutsche REIT mit einem Zweitlisting in Südafrika. Ziel des Zweitlistings war die Verbreiterung der Investorenbasis sowie die Verbesserung des Handelsvolumens der DKR-Aktie.
Letztlich stellte sich das Zweitlisting als nicht erfolgreich dar und führte nicht zur Erreichung der angestrebten Ziele, sodass die Gesellschaft ein Delisting an der JSE anstrebt.
Unternehmenskrise seit 2023
Rückwirkende Ertragsteuerzahlungen
Anfang 2023 gab die Gesellschaft bekannt, dass das Finanzamt Potsdam den REIT-Status in Zweifel zieht und die DKR juristisch dagegen vorzieht. Dennoch musste die Gesellschaft die durch die faktische Aberkennung des REIT-Status fällig gewordenen Steuern für mehrere Geschäftsjahre nachzahlen, was zu Mittelabflüssen von bis zu 10 Millionen Euro führen würde.[12]
Ausbleibende fristgemäße Rückzahlungen eines Gesellschafterdarlehens durch die Hauptgesellschafterin
Weiterhin veröffentlichte die DKR am 2. Oktober 2023 die Meldung, dass die Hauptgesellschafterin Obotritia Capital KGaA ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von bis zu 62,5 Millionen Euro nicht wie geplant am 30. September 2023 an die DKR zurückgeführt hat.[13] Daraufhin kam es zu einem deutlichen Kursrückgang. Zur Sicherung der ausstehenden Forderungen gegenüber der Obotritia Capital KGaA schloss der Vorstand der DKR ein umfassendes Sicherheitenpaket sowie eine Rückführungsvereinbarung mit der Schuldnerin ab.[14] In der Folge führte die Obotritia dann sukzessive Rückführungen der Darlehensforderungen an die DKR durch und zahlte beispielsweise am 31. Oktober 2024 einen Betrag von 30,7 Millionen Euro.[15] Zum 13. Dezember 2024 erfolgte eine Rückführung weiterer 7,4 Millionen EUR an die DKR, wodurch nur noch aufgelaufene Zinsforderungen von 15,9 Millionen Euro offen waren.[16]
Sanierungskonzept
Im Mai gab die Gesellschaft bekannt, dass sie an einem Sanierungskonzept arbeitet und die Verschuldung u. a. durch eine Bar- und Sachkapitalerhöhung zurückführen möchte.[17] Dieses wurde auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Dezember 2025 beschlossen.[18]
Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder ("VBL") als neue Großaktionärin
Die VBL war bereits seit dem operativen Start der DKR Großgläubigerin verschiedener Anleihen und Wandelanleihen, mit denen die DKR während der Niedrigzinsphase ihr Wachstum finanzierte.[19] Im Zuge der Unternehmenskrise wurden diese Anleihen fällig und konnten nicht wie vereinbart zurückgeführt werden. Insofern brachte die VBL ihre Forderungen im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung und mit Beschluss der Hauptversammlung vom 4. Dezember 2025 in die DKR ein ("Debt-to-Equity-Swap").[20] Somit übernahm die VBL die überwiegende Kontrolle über die Gesellschaft. Bereits einen Tag zuvor wurde das Überschreiten der 50-%-Schwelle vermeldet.[21]
