Deutsche Libby
Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie
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Die Deutsche Libby GmbH war ein Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie. Bis 1954 hatte es seinen Unternehmenssitz in Leer (Ostfriesland), danach in Hamburg. Das Unternehmen wurde 1926 gegründet und produzierte vor allem Kondensmilch. Die Deutsche Libby war ein Tochterunternehmen des 1869 gegründeten US-amerikanischen Lebensmittelkonzerns Libby, McNeill & Libby, der 1970 von Nestlé übernommen wurde.
| Deutsche Libby | |
|---|---|
| Rechtsform | Gesellschaft mit beschränkter Haftung |
| Gründung | 1926 |
| Sitz | Leer (Ostfriesland), Deutschland |
| Branche | Nahrungsmittelindustrie |

Geschichte
Auf Initiative des Bürgermeisters Erich vom Bruch wurde ab 1923 der Leeraner Hafen massiv ausgebaut und die bis dahin landwirtschaftlich genutzte Nesse-Halbinsel am Hafen für Industrieansiedlungen überplant. Libby, McNeill & Libby gründete dort am Ostufer der Halbinsel Nesse im Jahre 1926 sein Tochterunternehmen. Noch im selben Jahr wurden die Betriebsanlagen fertiggestellt und die Produktion aufgenommen. In der Folge nahm der Betrieb große Teile der in der Region erzeugten Milch ab und verarbeitete sie hauptsächlich zu Kondensmilch. Zu Hochzeiten beschäftige das Unternehmen 250 bis 300 Menschen.[1]
Während des Zweiten Weltkriegs unterstand das Unternehmen dem Reichskommissar für die Behandlung feindlichen Vermögens, da es sich um ein US-amerikanisches Unternehmen handelte. Entsprechende Akten aus den Jahren 1941 bis 1945 sind im Bundesarchiv zu finden.[2] In dieser Zeit sei das Firmengelände nicht bombardiert worden, weil es einem amerikanischen Unternehmen gehörte, so Hans-Dieter Akkermann, der von 1981 bis 1991 Personalchef im Libby-Werk war.[3]

Nach dem Krieg wurde das Unternehmen weitergeführt. Am 1. Juli 1954 wurde der Sitz der Gesellschaft laut Handelsregisterunterlagen nach Hamburg verlegt.[4]
1970 übernahm Nestlé den Mutterkonzern Libby, McNeill & Libby und damit auch den Standort Leer. Dort ließ der neue Eigentümer das Werk um einen Sprühturm erweitern. In diesem trocknete Milch unter hohem Druck und wurde zu Milchpulver verarbeitet, das hauptsächlich für den Export bestimmt war. Nach einer Umstrukturierung der Milchproduktion bei Nestlé kaufte der Molkerei-Verband für Ostfriesland (MVO) 1991 das Libby-Werk. Nach verschiedenen Fusionen ging der Molkerei-Verband für Ostfriesland zunächst in der Molkereizentrale Oldenburg/Osnabrück/Ostfriesland (MZO) und später im Unternehmen Nordmilch (heute Teil der Deutschen Milchkontor GmbH) auf. In der Folge kam es zu mehreren Standortschließungen.[5] Davon war auch Leer betroffen, obwohl der Standort Gewinne machte und die Eigner erst kurz zuvor etwa zwei Millionen Euro für eine neue Dosenherstellung sowie eine neue Produktionsstraße für Sahne in den Standort investiert hatten.[6] Im Sommer 2001 endete nach mehr als 70 Jahren mit der Schließung des Werkes die Rohmilchverarbeitung in Leer.[7] 173 Beschäftigte verloren daraufhin ihren Arbeitsplatz.[8]
Die Stadt Leer erwarb das Gelände des Milchwerks an der Nesse und vermarktete das Areal anschließend. Das Gelände verfügt über einen Gleis- und Hafenanschluss. Gegenwärtig nutzt die Firma Frisia-Möbelteile das ehemalige Libby-Gebäude als Lagerhalle. Ende 2001 erwarb das Unternehmen Weco Naturstein einen Teil des Werksgeländes mit einer Fläche von insgesamt 16.000 Quadratmetern. Der Betrieb verlegte daraufhin seinen Standort vom Gewerbegebiet Rhaudermoor an den Leeraner Hafen.[9]